Bayern

Jetzt fix: Grünes Licht für Pumpspeicherwerk Riedl

400-Millionen-Projekt Riedl: Trotz Klagen darf der Mega-Energiespeicher jetzt plötzlich gebaut werden.

03.07.2026, 11:40 Uhr

Bau des Pumpspeicherwerks Riedl darf trotz Klagen starten

Die Bauarbeiten für das umstrittene Pumpspeicherwerk Riedl in der Gemeinde Untergriesbach im Landkreis Passau können vorerst beginnen, obwohl weiter Klagen gegen das Vorhaben laufen. Das Landratsamt Passau teilte mit, es habe die sofortige Vollziehung des Planfeststellungsbeschlusses für Bau und Betrieb des Energiespeichers angeordnet und damit einem Antrag der Donaukraftwerk Jochenstein AG entsprochen.

Landratsamt sieht besonderes öffentliches Interesse

Nach Angaben der Behörde wurde der Antrag geprüft und ein besonderes öffentliches Interesse an einem schnellen Baustart festgestellt. Das Projekt Riedl ist demnach von der Europäischen Union als besonders wichtige Energie-Infrastruktur zur Erreichung der Klimaziele eingestuft.

Zudem könne der Speicher helfen, volkswirtschaftliche Schäden zu vermeiden. Gemeint sind Fälle, in denen bei einer Überproduktion von Solarstrom Photovoltaikanlagen wegen fehlender Speichermöglichkeiten abgeschaltet werden müssten und Betreiber dafür entschädigt werden.

Verbund-Chef: Entscheidung spart jahrelange Verzögerung

Michael Strugl, Vorstandsvorsitzender der Verbund AG, sprach von einem starken Signal für Versorgungssicherheit, Netzstabilität und die Energiewende in Bayern und Österreich. Nach seinen Worten bewahrt die Anordnung das Projekt vor jahrelangen Verzögerungen und verschafft ihm drei bis fünf entscheidende Jahre. Angesichts des schnellen Ausbaus von Wind- und Solarenergie sei diese Zeit dringend nötig.

Strugl verwies zudem darauf, dass das Vorhaben auf eine mehr als 15-jährige Vorgeschichte zurückblicke.

Größtes Pumpspeicherwerk Bayerns geplant

Geplant ist eine Anlage mit 300 Megawatt Leistung und einer Speicherkapazität von 3,5 Gigawattstunden pro Leistungszyklus. Damit wäre Riedl das größte Pumpspeicherwerk in Bayern. Seine Leistung läge fast auf dem Niveau der sieben bestehenden Pumpspeicherkraftwerke im Freistaat, die zusammen auf rund 400 Megawatt kommen.

Nach Angaben der Verbund AG könnte der Energiespeicher täglich überschüssigen Strom von deutlich mehr als 100.000 durchschnittlichen privaten PV-Anlagen aufnehmen und bei Bedarf wieder ins Netz geben. Die Kapazität reiche aus, um den täglichen Strombedarf von rund 350.000 Haushalten zu decken.

Bund Naturschutz geht weiter gegen das Projekt vor

Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) hat gegen das Projekt geklagt und den Baustart damit zunächst gestoppt. Der Verband warnt vor erheblichen ökologischen Schäden mit massiven Folgen für Tiere und Pflanzen in einem europaweit geschützten Fauna-Flora-Habitat-Gebiet.

Nach Darstellung des Landratsamts kann der BN nun mit einem Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung gegen die Anordnung des Sofortvollzugs vorgehen. Dann müsste ein Gericht im Rahmen einer Interessenabwägung entscheiden, ob das Interesse an einem Baustopp oder das öffentliche Interesse an der sofortigen Umsetzung überwiegt.

Ein Sprecher des BN erklärte, die Anordnung werde derzeit fachlich und rechtlich geprüft. Sollten sich dabei angreifbare Punkte zeigen, seien weitere rechtliche Schritte möglich.

Investition von mehr als 400 Millionen Euro

Hinter dem Vorhaben steht die Donaukraftwerk Jochenstein AG, die zur Verbund AG gehört. Für den Energiespeicher sind Investitionen von mehr als 400 Millionen Euro vorgesehen. Die Inbetriebnahme ist nach derzeitiger Planung für 2031/2032 vorgesehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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