Wirtschaft

NS-Zeit: Wurden Schufa-Daten doch nicht missbraucht?

Schufa im NS-Staat: Kein Beleg für Datenmissbrauch – doch warum wurden die jüdischen Gründer kalt aus dem Unternehmen gedrängt?

28.09.2026, 09:00 Uhr

Die Schufa hat zum bevorstehenden 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2027 erstmals ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus durch unabhängige Historiker umfassend prüfen lassen. Das Ergebnis der Geschichtsagentur D.I.E. Firmenhistoriker lautet: Nach dem derzeitigen Stand der Quellen gibt es keinen Beleg dafür, dass das Karteikartenarchiv des Unternehmens für Zwecke des NS-Regimes missbraucht wurde.

Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die drei jüdischen Gründer der Kreditauskunftei — die Brüder Kurt und Walter Gerhard Meyer sowie Robert Kauffmann — nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten systematisch aus ihren Ämtern gedrängt wurden und ins Exil gehen mussten. Auch jüdische Mitglieder des Verwaltungsausschusses der 1927 in Berlin gegründeten „Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung und Kreditsicherung“ verloren noch 1933 ihre Positionen.

Nicht im Zentrum der NS-Gleichschaltung

Im Auftrag der Schufa untersuchten die Historiker Matthäus Wehowski, Rainer Lächele und Dennis Basaldella die Entwicklung des Unternehmens zwischen 1927 und 1945. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Funktion die Auskunftei im nationalsozialistischen Wirtschaftssystem hatte und ob sie organisatorisch in den NS-Apparat eingebunden war.

Nach Einschätzung von Rainer Lächele war die Schufa in der NS-Zeit zwar wirtschaftlich bedeutsam, bewegte sich anfangs jedoch in einem eher speziellen Marktsegment und geriet deshalb zunächst nicht unmittelbar ins Visier der nationalsozialistischen Gleichschaltung. Das 85 Seiten starke Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die gespeicherten Informationen in den frühen Jahren ausschließlich wirtschaftlicher Natur waren — etwa zur Zahlungsfähigkeit und zum Kreditverhalten. Angaben zu Religion, politischer Haltung oder Abstammung seien demnach nicht erfasst worden. Hinweise auf eine gezielte Nutzung der Daten zur politischen oder rassistischen Verfolgung fanden die Forscher nicht.

Großer Datenbestand bis heute

Die Schufa, deren Kürzel heute für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ steht, verfügt nach eigenen Angaben inzwischen über Daten zu 68 Millionen Menschen in Deutschland. Bonitätsbewertungen von Auskunfteien wie Schufa, Creditreform oder Crif spielen eine zentrale Rolle für Banken, Versandhändler, Mobilfunkunternehmen und Energieversorger. Sie dienen dazu, vor Vertragsabschlüssen oder Warenlieferungen die Zahlungszuverlässigkeit von Kundinnen und Kunden einzuschätzen.

Die 2001 gegründete D.I.E. Firmenhistoriker GmbH ist auf Unternehmens- und Wirtschaftsgeschichte spezialisiert. Für die Schufa-Studie sichteten die Wissenschaftler nach eigenen Angaben Material aus 74 Archiven, Institutionen und Datenbanken in Deutschland, Polen, den USA, Argentinien und der Schweiz. Das Berliner Schufa-Gebäude samt Archiv war 1945 bei einem Bombenangriff zerstört worden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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