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Warum Maffay-Oerdings «Nashville» überrascht

Zwei Generationen, ein überraschender Sound: Warum Maffay und Oerding mit ihrem gemeinsamen Album jetzt alle verblüffen.

28.09.2026, 08:25 Uhr

Ein Album wie ein Abend am Lagerfeuer

Peter Maffay und Johannes Oerding haben in einem Studio im US-Bundesstaat Tennessee gemeinsam Musik aufgenommen – und daraus ist ein durchweg stimmiges Duett-Album entstanden. „Nashville“ mit zehn gemeinsamen Songs erscheint am 2. Oktober und liefert genau das, was der Titel und die Namen der beiden Musiker versprechen: viel Country- und Blues-Flair, handgemachte Klänge, starke Melodien und persönliche Texte.

Das Ergebnis ist ein warmes, entspanntes Album, das zwei Künstler aus unterschiedlichen Generationen zusammenbringt – und zwar erstaunlich selbstverständlich. Beim Hören drängt sich fast die Frage auf, warum Maffay und Oerding nicht schon früher ein solches Projekt gestartet haben.

Aus musikalischer Nähe wurde Freundschaft

Peter Maffay erinnert sich im dpa-Gespräch an die ersten beruflichen Begegnungen mit Johannes Oerding sehr positiv: Von Anfang an habe alles gepasst. Auch Oerding spricht mit großer Wertschätzung über die Zusammenarbeit. Für ihn sei Maffay nicht nur ein enger Freund, sondern weiterhin auch eine Ausnahmeerscheinung der deutschen Musikszene – eine Legende und ein herausragender Musiker.

Die beiden trennt zwar ein gutes Stück Lebenserfahrung: Maffay ist 77, in Rumänien geboren und lebt im Süden Deutschlands, Oerding ist 44 und stammt aus Hamburg. Musikalisch liegen sie jedoch nah beieinander. Beide teilen die Begeisterung für Blues, Country-Rock und ehrliche, erzählende Songs. Deshalb fiel die Wahl des Aufnahmeorts folgerichtig auf Nashville, einen der bedeutendsten Orte für genau diese Musikrichtungen.

Johannes Oerding im Volksparkstadion
Das gemeinsame Album „Nashville“ der beiden Musiker erscheint am 02.10.2026. (Archivbild) Quelle: Gregor Fischer/dpa

In fünf Tagen eingespielt – live und direkt

Entstanden ist das Album innerhalb von nur fünf Tagen, unterstützt von Musikerinnen und Musikern aus Nashville. Maffay blickt auf die Aufnahmen im Frühjahr 2025 als besonders inspirierende Zeit zurück. Die Atmosphäre sei voller Energie gewesen, und vieles habe sich ganz natürlich entwickelt.

Oerding betont vor allem den unmittelbaren Charakter der Platte: Jeder Ton sei live eingespielt worden, ohne künstliche Absicherung. Der Klang orientiere sich zwar an der Country-Tradition aus Nashville, dennoch bleibe das Album unverkennbar Maffay und Oerding. Ihre Handschrift zeige sich in den Kompositionen, den Texten und natürlich im Gesang.

Klarer Sound, markante Stimmen, viel Gefühl

Genau das ist auf „Nashville“ zu hören. Das Album wirkt in sich geschlossen und konsequent. Schon der Opener macht deutlich, wohin die Reise geht: ehrliche Instrumentierung, deutliche Botschaften und die markanten Stimmen beider Künstler. Wie in vielen ihrer bisherigen Lieder geht es auch hier um Mut, Entschlossenheit und darum, Dinge einfach anzupacken.

Musikalisch wechseln die Stücke gekonnt zwischen gefühlvollen Momenten und Songs, die sich für große Konzertmomente eignen – mal eher zum Mitschwenken mit dem Handylicht, mal zum rhythmischen Mitklatschen. Gleichzeitig wird hörbar, wie viele Gemeinsamkeiten Maffay und Oerding haben. Neben einer ähnlichen Haltung zum Leben verbindet sie auch die Erfahrung des Unterwegsseins und der Abschiede, die mit dem Musikerleben einhergehen. Davon erzählt etwa der Song „Nach Hause“.

Politische Töne in „Sisyphos“

Dass die beiden auch inhaltlich auf einer Wellenlänge liegen, zeigt sich besonders in „Sisyphos“. Der Titel trägt eine deutliche politische Botschaft. Zeilen über Frieden, Liebe und das Gefühl, dass die Welt aus dem Gleichgewicht geraten ist, verleihen dem Lied Gewicht. Gerade die Verbindung dieser Aussagen mit eingängigen Country-Rhythmen und einem Refrain, der sich leicht mitsingen lässt, macht den Song besonders wirkungsvoll.

Gute Laune, Kneipenflair und viel Freiheit im Studio

Daneben gibt es auf dem Album auch lockerere Stücke. „Kneipen-Skiffle“ spielt bewusst mit Country-Klischees und sorgt mit seinem beschwingten Ton für gute Laune. Auch „Schön, dass es dich gibt“ überzeugt mit entspannter Country-Blues-Stimmung.

Den Liedern ist anzuhören, dass bei den Aufnahmen kein Druck herrschte. Vielmehr scheint Raum für Spontaneität und Ausprobieren da gewesen zu sein. Oerding beschreibt den Ansatz so: Alles sei erlaubt gewesen. Atmung, kleine Unebenheiten, erste Impulse und selbst Fehler habe man bewusst auf der Platte gelassen, weil genau das die Musik lebendig mache.

Ein ungewöhnliches Projekt in Deutschland

Für Oerding ist bereits die Grundidee des Albums außergewöhnlich. Zwei Künstler aus verschiedenen Generationen, die sich am Nashville-Country orientieren und dafür neue deutschsprachige Songs schreiben – ein vergleichbares Projekt habe es in Deutschland bislang kaum gegeben. Gerade diese Mischung aus Duetten, Lebensthemen und gemeinsamem musikalischem Experiment mache „Nashville“ für ihn so wertvoll.

Tourstart im Frühjahr 2027

Wer die Songs nicht nur auf Platte hören möchte, bekommt im kommenden Jahr Gelegenheit dazu: Die „Nashville“-Tour beginnt am 15. April 2027 in Oberhausen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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