Wirtschaft

Warshs erster Zins-Hammer: Trump schon verärgert

Erster Zinsentscheid von Fed-Chef Warsh – und sofort ein Paukenschlag, der selbst Trump kalt erwischte.

18.06.2026, 07:30 Uhr

Kevin Warsh hat mit seiner ersten Zinsentscheidung als neuer Vorsitzender der US-Notenbank Fed viele überrascht – auch US-Präsident Donald Trump. Trotz anhaltend hoher Inflation entschied das Gremium einstimmig, den Leitzins erneut unverändert zu lassen. Damit bleibt die Spanne bereits zum vierten Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent.

Trump bemühte sich zunächst um Gelassenheit. Als er jedoch auf die Möglichkeit angesprochen wurde, dass die Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf eher straffer als lockerer ausfallen könnte, zeigte er sich deutlich verärgert. Vor Journalisten sagte er, das sei "kaum zu glauben", ziehe das Land herunter und sei "so ungewöhnlich".

Kommt es sogar zu einer Zinserhöhung?

Am Mittwoch signalisierten 9 von 18 befragten Fed-Vertretern mindestens eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Davon halten sechs sogar eine noch stärkere Straffung für denkbar. Acht weitere Mitglieder rechnen für 2026 mit einer Zinspause beziehungsweise unveränderten Zinsen. Nur ein Mitglied erwartet eine Zinssenkung.

Warsh selbst beteiligte sich nicht an diesen Projektionen. Er steht solchen Vorhersagen skeptisch gegenüber und erwägt stattdessen, künftig stärker auf neue Datenquellen aus dem Privatsektor zu setzen. Die bisherigen Grundlagen beruhen ihm zufolge zu sehr auf altmodischen Umfragemethoden.

Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erklärte, die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung sei angesichts der Projektionen und des Tons der Pressekonferenz gestiegen. Sicher sei ein solcher Schritt aber keineswegs. Ähnlich äußerte sich Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner, der einen Zinsschritt nach oben zwar nicht ausschließt, ihn aber weiterhin für eher unwahrscheinlich hält.

Experte erinnert an Interessenkonflikt

Weidensteiner betonte außerdem, dass für Warsh im Zweifel die Preisstabilität – also die Bekämpfung der Inflation – oberste Priorität habe. Mittelfristig könne das das Verhältnis zu Trump deutlich belasten, falls die von ihm geforderten Zinssenkungen ausbleiben.

Trump hatte sich in der Vergangenheit wiederholt für niedrigere Leitzinsen ausgesprochen. Aus seiner Sicht würden billigere Kredite das Wachstum stützen, den Immobilienkauf erleichtern und zugleich die Zinslast der hohen US-Staatsverschuldung mindern. Die Fed sieht darin jedoch ein Risiko: Sinkende Zinsen könnten den Preisauftrieb zusätzlich verstärken.

Energiepreise treiben die Inflation

Zuletzt hat sich die Inflation ohnehin wieder beschleunigt. Gründe sind unter anderem der Krieg mit Iran und die langanhaltende Blockade der Straße von Hormus, die das weltweite Energieangebot erheblich eingeschränkt hat. Unternehmen müssen deshalb deutlich mehr für Öl, Gas und Dünger bezahlen.

Auch die jüngsten Mai-Daten aus den USA belegen diesen Trend. Energie verteuerte sich im Jahresvergleich um 23,5 Prozent. Besonders stark legten die Benzinpreise zu: Kraftstoff kostet inzwischen rund 40 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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