Basketball

Titel-Schock? Bayern plötzlich gegen zwei Gegner

Bayern fehlt nur noch ein Sieg zum Titel – doch ein brisanter Trainer-Poker sorgt plötzlich für ein Basketball-Beben.

18.06.2026, 08:46 Uhr

Wirbel um Anton Gavel überschattet Finalserie: Bamberg pocht auf faire Lösung, Bayern schweigt

Die Diskussion um einen möglichen Wechsel von Erfolgscoach Anton Gavel zum FC Bayern sorgt mitten in der Endspielserie der Basketball-Bundesliga weiter für große Unruhe. Sportlich stehen die Münchner nach dem 91:83 bei Alba Berlin mit 2:1 in Führung und sind nur noch einen Sieg vom Meistertitel entfernt. Doch rund um das dritte Finalspiel drehte sich fast alles um die Zukunft des Bamberger Trainers.

Bayern äußert sich nicht

Von den Münchnern gab es öffentlich weiterhin keine inhaltliche Reaktion. Die Profis vermieden jeden Kommentar, auch Präsident Herbert Hainer schwieg. Ein Sprecher verwies lediglich auf Bamberg. Damit bleibt der FC Bayern bei den Vorwürfen und den laufenden Verhandlungen vorerst bei seiner Linie.

Stoschek macht den Fall öffentlich

Für zusätzliche Brisanz sorgte Bambergs Gesellschafter Michael Stoschek, der sich am Abend gezielt rund zwei Stunden vor dem dritten Finalspiel in Berlin über die "Bild" und das "Hamburger Abendblatt" äußerte und interne Details publik machte. Nach seiner Darstellung will Gavel die Bamberg Baskets sofort verlassen und nach München wechseln. Zudem habe der 41-Jährige bereits seine Kündigung eingereicht.

Stoschek reagierte darauf mit scharfer Kritik. Der langjährige Förderer des Bamberger Basketballs erklärte, ihn belaste die Angelegenheit so sehr, dass er mit dem Basketball am liebsten nichts mehr zu tun haben wolle.

Streit um die Gültigkeit des Vertrags

Auslöser des Konflikts ist offenbar eine juristische Frage rund um Gavels Vertrag, der eigentlich noch bis Sommer 2027 laufen soll. Laut Stoschek beruft sich der Trainer auf einen Formfehler: Eine digitale Unterschrift sei nicht schriftlich bestätigt worden und deshalb womöglich anfechtbar.

In der Basketball-Szene galt schon länger als wahrscheinlich, dass Gavel im Sommer die Nachfolge des scheidenden Svetislav Pešić in München antreten könnte. Durch die öffentlichen Aussagen hat das Thema nun jedoch eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Bamberg-Geschäftsführer Höhne wirbt für Einigung

Bambergs Geschäftsführer Philipp Höhne meldete sich inzwischen per YouTube-Video zu Wort und bemühte sich um Deeskalation. Er sprach von dem Wunsch nach einer fairen Lösung für alle Beteiligten und betonte, man habe dies schon seit Wochen so kommuniziert. Zugleich machte Höhne deutlich, dass aus seiner Sicht vor allem Gavel unter der Situation leide.

Höhne zeigte auch Verständnis für die sportliche Perspektive des Trainers. Dass Gavel durch seine Erfolge das Interesse der Bayern geweckt habe, sei nachvollziehbar. Ebenso sei es verständlich, dass ein Trainer den Schritt auf das höchstmögliche Niveau gehen wolle. Bamberg würde ihm diese Chance grundsätzlich gern ermöglichen – vorausgesetzt, es gebe eine akzeptable Lösung für den Club.

Bayern vor dem Titel – und mitten in der Trainerdebatte

Sportlich können die Bayern ihre Saison trotz aller Nebengeräusche erfolgreich beenden. Nach dem 2:1 in der Finalserie gegen Alba Berlin fehlt dem Team um Andreas Obst nur noch ein Sieg zur deutschen Meisterschaft. Spiel vier findet am Freitag um 20.00 Uhr statt. Gewinnen die Münchner, ist die Titelverteidigung perfekt. Bei einer Niederlage käme es zu einem entscheidenden fünften Spiel in München.

Keine Ablöse geplant

Besonders verärgert ist Stoschek darüber, dass Bayern für Gavel offenbar keine Ablöse zahlen möchte. Nach seinen Angaben habe die Münchner Delegation um Präsident Hainer in den Gesprächen genau darauf bestanden.

Der Unternehmer kritisierte dieses Vorgehen scharf und sprach von einem unfairen Verhalten des finanziell so starken Clubs gegenüber Bamberg. Auch am Tag nach Stoscheks Interview vermied Hainer bei einem Termin in München trotz Nachfragen jeden Kommentar zu den Vorwürfen.

Wechsel aus sportlicher Sicht nachvollziehbar

Inhaltlich erscheint ein Engagement Gavels in München durchaus logisch. Bereits im Mai hatten die Bayern Thorsten Leibenath als neuen Sport-Geschäftsführer verpflichtet. Leibenath und Gavel kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in Ulm, wo sie zusammen überraschend die Meisterschaft gewannen.

Dass Bamberg seinen Trainer langfristig kaum würde halten können, war intern wohl schon länger klar. Der nun gewählte Weg sorgt bei den Verantwortlichen allerdings für großen Ärger. Stoschek und Höhne werfen Gavel vor, sich mithilfe einer juristischen Spitzfindigkeit aus dem laufenden Vertrag lösen zu wollen. Stoschek machte dabei unmissverständlich klar, dass aus seiner Sicht nicht der Verein, sondern der Trainer den bestehenden Vertrag aufkündigen will.

Keine Einigung trotz Gesprächen

Stoschek betonte zwar, die Gespräche mit Bayern-Präsident Hainer seien in ordentlicher Atmosphäre verlaufen. In der Sache selbst habe es aber keinerlei Bewegung gegeben. Auch ein Versuch, über seinen langjährigen Bekannten Uli Hoeneß eine Lösung zu finden, blieb laut Stoschek ohne Erfolg.

Für Gavel geht es damit nicht nur um seine vertragliche Zukunft, sondern auch um seinen Ruf in Bamberg. Dort genießt der frühere Profi und heutige Trainer wegen seiner sportlichen Verdienste weiterhin hohes Ansehen.

Starke Saison von Bamberg gerät in den Hintergrund

Dabei hatte Bamberg zuletzt sportlich überzeugt. Mit dem überraschenden Pokalsieg und dem Einzug ins Playoff-Halbfinale spielte das Team eine herausragende Saison. Erst nach fünf Spielen gegen Alba Berlin war Endstation.

Doch statt über diese Erfolge zu sprechen, steht nun vor allem der heftige Streit um Anton Gavel und den FC Bayern im Mittelpunkt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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