Wirtschaft

VW-Knall: Dudenhöffer will die 35-Stunden-Woche kippen

40 Stunden, gleiches Geld: Dudenhöffer fordert bei VW schmerzhafte Einschnitte – und warnt vor extrem harten Jahren.

11.07.2026, 01:00 Uhr

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer plädiert angesichts der schwierigen Lage der deutschen Autobranche für eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bei Volkswagen – und zwar ohne zusätzlichen Lohnausgleich. Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte der Leiter des privaten Forschungsinstituts Center Automotive Research (CAR), damit ließen sich die hohen Fertigungskosten zumindest teilweise senken.

Zugleich stellte er die bisherige Tarifautonomie infrage – zumindest vorübergehend. Für einige Jahre müsse man neue Wege gehen, forderte Dudenhöffer und rief Politik, Gewerkschaften und Unternehmen zu gemeinsamen Gesprächen auf. Aus seiner Sicht werden auch die Beschäftigten Einschnitte hinnehmen müssen. Deutschland habe sich über Jahre einen hohen Wohlstand gesichert, während der internationale Konkurrenzdruck deutlich zugenommen habe.

"Müssen uns enorm anstrengen"

Trotz der aktuellen Probleme sieht der Ökonom langfristig Perspektiven für die deutschen Hersteller. In einem Zeitraum von fünf bis sieben Jahren hält er eine Erholung der Branche für möglich. Bis dahin werde die Phase jedoch äußerst schwierig. Die Unternehmen müssten sich dafür "enorm anstrengen", so Dudenhöffer.

Den Vorwurf, deutsche Autobauer hätten den Wandel zur Elektromobilität verschlafen, weist er zurück. Volkswagen sei der erste europäische Hersteller gewesen, der in ein reines Werk für Elektroautos investiert habe. Außerdem zeige die Konzernmarke Skoda, dass moderne und konkurrenzfähige Fahrzeuge aus dem Konzern kommen könnten. Ein pauschaler Vorwurf, die Branche habe die Entwicklung verpasst, greife daher aus seiner Sicht zu kurz.

IG-Metall-Protest bei VW
Was bringt die Zukunft für den VW-Konzern? Autoexperte Dudenhöffer hält einen Aufschwung für möglich. Quelle: Jan Woitas/dpa

Kritisch äußerte sich Dudenhöffer allerdings zu den Ergebnissen der jüngsten Aufsichtsratssitzung bei VW. Konkrete Beschlüsse seien ausgeblieben, wodurch die Unsicherheit bestehen bleibe. Das sei weder für Kunden noch für Beschäftigte oder Investoren hilfreich.

Berichte über tiefgreifenden Stellenabbau bei VW

Nach Informationen des Manager Magazins könnten bei Volkswagen weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen – und damit deutlich mehr als bislang angenommen. Die Bild berichtet sogar von bis zu 120.000 möglichen Stellenstreichungen. Zudem sollen vier deutsche Standorte des Konzerns besonders unter Druck stehen: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Offizielle Einzelheiten dazu hat Volkswagen bisher nicht veröffentlicht.

Zusätzlich belastet die Entwicklung beim Absatz den Konzern. VW teilte am Freitag mit, dass die Verkaufszahlen erneut gesunken seien. Im zweiten Quartal 2026 lag die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge um fast neun Prozent unter dem Vorjahreswert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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