Waldbrand in Andalusien weitet sich weiter aus
Der verheerende Waldbrand im Süden Spaniens hat sich in der Provinz Almería weiter ausgedehnt. Nach Angaben der Einsatzkräfte wurden inzwischen rund 6.600 Hektar Wald- und Buschland zerstört. Das entspricht ungefähr zwei Dritteln der Fläche von Sylt. Betroffen ist vor allem das Gebiet um die Gemeinden Los Gallardos und Bédar, etwa 70 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Almería.
Mindestens zwölf Menschen kamen ums Leben. Damit gilt das Feuer als tödlichster Waldbrand des 21. Jahrhunderts in Spanien. Gleichzeitig läuft die Suche nach weiteren möglichen Opfern und Vermissten weiter. Offiziell gelten noch 23 Menschen als vermisst, allerdings wurden bislang nur sieben Vermisstenanzeigen erstattet.
Leichte Entspannung bei den Löscharbeiten
Zuletzt entwickelte sich die Lage nach Angaben der Einsatzkräfte etwas günstiger. Höhere Luftfeuchtigkeit und schwächere Winde erleichterten die Brandbekämpfung. Spaniens Präsidentschaftsminister Félix Bolaños sagte am Einsatzleitstand, Teile des Feuers seien bereits nahezu stabilisiert, auch wenn die Lage in mehreren Abschnitten schwierig bleibe.
Rund 500 Einsatzkräfte sind weiterhin vor Ort. Die am Freitag teilweise gesperrte Autobahn A7 wurde inzwischen wieder für den Verkehr freigegeben.
Suche konzentriert sich auf Bédar
Besondere Sorge bereitet den Behörden weiter das Schicksal der Vermissten. Die Einsatzkräfte durchsuchen in der Gemeinde Bédar Häuser weiterhin systematisch einzeln. Dort hatte sich das Feuer nach Behördenangaben besonders schnell und unerwartet ausgebreitet.
Regionalpräsident Juanma Moreno hatte bereits betont, dass ein Vermisstenstatus nicht automatisch bedeute, dass die Betroffenen tot seien. Die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, besteht daher weiterhin.
Viele Opfer auf der Flucht von den Flammen eingeschlossen
Nach bisherigen Erkenntnissen starben viele der Opfer in der Nacht zum Freitag, als sie wenige Stunden nach Ausbruch des Feuers auf Straßen oder in Fahrzeugen von den Flammen eingeschlossen wurden. Nach Behördenangaben handelt es sich um Menschen, die fliehen wollten, dabei jedoch offenbar eine ungeeignete Fluchtroute wählten.
Zudem wurden acht Menschen schwer verletzt.
Wahrscheinlich mehrere Ausländer unter den Toten
Nach Einschätzung der Behörden spricht inzwischen fast alles dafür, dass sich unter den Todesopfern mehrere Briten und Belgier befinden. Eine endgültige Bestätigung steht jedoch weiter aus, weil die Identifizierung der Leichen schwierig ist. Dafür wurden auch DNA-Proben genommen.
Vor dem WM-Viertelfinale in Los Angeles, das Spanien gegen Belgien gewann, wurde der Opfer bereits mit einer halben Schweigeminute gedacht.
Auch Touristen mussten in Sicherheit gebracht werden
Das Feuer loderte in der Nähe beliebter Mittelmeerstrände wie der Playa de Mojácar. Knapp 1.500 Menschen mussten ihre Häuser sowie einen Campingplatz verlassen. Unter den Evakuierten waren auch Touristen, vor allem aus Großbritannien.
Behördenvertreter und Bürgermeister der betroffenen Orte hatten zuvor darauf hingewiesen, dass die Katastrophe womöglich auch deshalb so schwer ausfiel, weil Evakuierungswarnungen teils nicht beachtet wurden.
Brandursache: beschädigte Stromleitung im Fokus
Ausgebrochen war das Feuer am Donnerstagabend in Los Gallardos, einer Gemeinde mit rund 3.000 Einwohnern im Hinterland der Küste. Als wahrscheinliche Ursache gilt nach bisherigen Erkenntnissen eine beschädigte oder eingestürzte Stromleitung.
Waldbrand in Nürnberg gelöscht
Unterdessen ist ein großer Waldbrand in Nürnberg inzwischen gelöscht worden. Dort war am Freitagabend ein Waldstück von der Größe von etwa vier kleinen Fußballfeldern in Brand geraten. Verletzte wurden nicht gemeldet.
Ein Campingplatz und ein Open-Air-Konzert in der Nähe des Messegeländes waren vorsorglich geräumt worden. Laut Polizei waren zeitweise bis zu 300 Kräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst im Einsatz. Der Brand soll vermutlich im Bereich einer seit Jahren brachliegenden alten Westernstadt ausgebrochen sein.
Große Trockenheit verschärft die Brandgefahr
Nicht nur Spanien, auch Portugal und andere europäische Länder leiden seit Wochen unter zahlreichen Waldbränden. Nach Daten des europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS wurden in Spanien seit Jahresbeginn bereits mehr als 60.000 Hektar Fläche durch Feuer zerstört.
Auch in Deutschland wächst wegen anhaltender Trockenheit die Waldbrandgefahr. Nach Karten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) färben sich zunehmend mehr Regionen rot. Zur Wochenmitte wird in weiten Teilen Deutschlands Warnstufe 4, örtlich sogar Stufe 5, erwartet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber