Fußball

Merino schockt Belgien: Torwart patzt fatal

Vor dem Kracher gegen Frankreich: Ein fataler Patzer von Joker-Keeper Lammens bringt Spaniens Halbfinal-Ticket.

10.07.2026, 23:00 Uhr

Spanien dank Merino im WM-Halbfinale gegen Frankreich

Spanien steht erstmals seit dem WM-Triumph vor 16 Jahren wieder in der Runde der letzten Vier. Im Viertelfinale setzte sich der Europameister in Los Angeles nach einem Geduldsspiel mit 2:1 (1:1) gegen Belgien durch. Matchwinner war erneut Mikel Merino: Der Joker vom FC Arsenal traf in der 88. Minute zum entscheidenden Siegtreffer, nachdem er schon im Achtelfinale gegen Portugal das Weiterkommen gesichert hatte.

Der späte Treffer fiel nach einem Fehler des eingewechselten belgischen Torhüters Senne Lammens, der den verletzten Thibaut Courtois in der Schlussphase ersetzt hatte. Merino zeigte sich danach „überglücklich“ und sagte mit breitem Grinsen: „Man gewöhnt sich langsam dran.“ Schon bei der EM 2024 hatte er mit seinem Siegtreffer gegen Deutschland für Aufsehen gesorgt. Mit Blick auf das Halbfinale sagte er: „Es sind noch zwei Spiele, und dann hoffen wir, dass wir unseren Traum wahr lassen werden können.“

Fabián Ruiz hatte Spanien in der 30. Minute in Führung gebracht. Belgien glich kurz vor der Pause durch Charles De Ketelaere (41.) aus und beendete damit zugleich die beeindruckende Serie von Spaniens Torhüter Unai Simón, der zuvor 649 WM-Minuten ohne Gegentor geblieben war. Im Halbfinale wartet nun am 14. Juli in Dallas Topfavorit Frankreich.

Ruiz rechtfertigt das Vertrauen des Trainers

Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente überraschte mit seiner Aufstellung und ließ Pedri zunächst auf der Bank. Stattdessen begann Ruiz – und zahlte das Vertrauen schnell zurück. Vor 70.492 Zuschauern, darunter auch prominente Gäste wie Brad Pitt, Penélope Cruz und Javier Bardem, staubte der PSG-Profi aus rund sieben Metern zur Führung ab. Thibaut Courtois hatte einen Versuch von Dani Olmo zuvor nur abprallen lassen.

Spanien bestimmte die Partie von Beginn an klar, hatte mehr Ballbesitz, mehr Spielkontrolle und die gefährlicheren Aktionen. Schon nach einer Viertelstunde hatten die Spanier etwa doppelt so viele Pässe gespielt wie Belgien. Die Belgier taten sich lange schwer und mussten zudem unmittelbar vor dem Anpfiff umstellen: Youri Tielemans verletzte sich beim Aufwärmen und wurde kurzfristig durch Hans Vanaken ersetzt.

Belgien kommt durch De Ketelaere zurück

Auch Kevin De Bruyne rückte wieder in die Startelf, nachdem er im Achtelfinale gegen die USA noch nicht zum Einsatz gekommen war. Den größten Einfluss auf das belgische Spiel hatte aber Jeremy Doku, der mit seinen Dribblings immer wieder für Unruhe in der spanischen Defensive sorgte. Über ihn lief auch der Angriff zum Ausgleich: Nach Stationen über De Bruyne und Timothy Castagne kam der Ball zu De Ketelaere, der per Kopf zum 1:1 traf.

Für Unai Simón endete damit seine außergewöhnliche WM-Serie ohne Gegentor nach 649 Minuten. Zuvor hatte er bereits den WM-Rekord des Italieners Walter Zenga mit 517 Minuten übertroffen – übernommen hatte er die Bestmarke schon im Sechzehntelfinale gegen Österreich. Belgien war damit das erste Team dieser XXL-WM, das gegen Spaniens Keeper traf.

Courtois verletzt raus, Merino entscheidet das Spiel

Nach dem Seitenwechsel blieb Spanien das spielbestimmende Team. Lamine Yamal verpasste in der 52. Minute nur knapp die erneute Führung. Doch auch Belgien blieb gefährlich, etwa durch Maxim De Cuyper, dessen Schuss in der 55. Minute haarscharf am Pfosten vorbeiging. Die Einwechslung von Romelu Lukaku nach rund einer Stunde wurde von den belgischen Fans lautstark gefeiert.

Ein Rückschlag für Belgien folgte in der 71. Minute: Torhüter Courtois musste in seinem 21. WM-Spiel mit Oberschenkelproblemen vom Feld. Der Real-Madrid-Keeper ist damit hinter Manuel Neuer der Torwart mit den zweitmeisten WM-Einsätzen. Für ihn kam Lammens ins Spiel. Lange wurde der Ersatzkeeper kaum ernsthaft geprüft, doch bei der ersten wirklich gefährlichen Aktion unterlief ihm der entscheidende Fehler. Einen Versuch von Pau Cubarsí konnte er nicht festhalten, Merino reagierte am schnellsten und schob zum 2:1-Endstand ein.

Belgien haderte danach mit den vielen Ausfällen. Trainer Rudi Garcia sagte: „Gegen so eine Mannschaft darf man keine Fehler machen. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, vor allem, als wir ausgeglichen hatten. Manchmal zählen die Details, es hat heute einfach nicht gereicht.“ Mit Blick auf die Verletzten ergänzte er: „Das war natürlich nicht vorteilhaft für uns.“

Damit ist Spanien zurück im WM-Halbfinale – und darf sich nun auf das Gipfeltreffen mit Frankreich freuen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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