Die Deutsche Handelskammer in China hat vor der Reise von EU-Handelskommissar Maros Sefcovic nach Peking für einen pragmatischen Kurs im Handelskonflikt geworben. Nach Angaben von Oliver Oehms, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Kammer in Nordchina, sei es wichtig, China in den Gesprächen nicht nur als Quelle bestehender Probleme zu sehen, sondern auch als möglichen Partner.
Aus Sicht der Kammer sollte die EU ihre Reaktion stärker an den jeweiligen Problemen einzelner Wirtschaftszweige ausrichten. Oehms sprach sich dafür aus, Nutzen und Risiken sorgfältig gegeneinander abzuwägen und gezielte Maßnahmen für bestimmte Branchen zu wählen, statt auf breit angelegte Zölle oder allgemeine Vorschriften zu setzen.
Zugleich betonte er die positiven Effekte der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Deutsche Firmen bauten in China zunehmend Know-how auf, das auch den Zentralen in Deutschland zugutekomme und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern könne. Wo beide Seiten profitierten, solle die Wirtschaftspolitik diesen Austausch unterstützen.
Viele Unternehmen fürchten Nachteile bei weiterer Zuspitzung
Im Vorfeld des Besuchs veröffentlichte die Kammer Ergebnisse ihrer aktuellen Geschäftsklimaumfrage. Darin wurden Unternehmen gefragt, wie sich ihr China-Geschäft entwickeln würde, falls die laufenden Handelsgespräche zwischen der EU und China ohne konkrete Ergebnisse endeten und sich die Lage zu einem handfesten Handelskonflikt verschärfte.
33 Prozent der befragten Firmen rechnen in diesem Fall mit deutlichen Belastungen, weitere 47 Prozent erwarten zumindest spürbare Auswirkungen. Damit gehen insgesamt 80 Prozent von Folgen für ihr Geschäft aus. 14 Prozent sehen hingegen keinen Einfluss.
Treffen mit Chinas Handelsminister in Peking
Sefcovic wird am Donnerstag und Freitag in der chinesischen Hauptstadt erwartet. Dort sind Gespräche mit Handelsminister Wang Wentao geplant. Die Europäische Union fordert seit Längerem ein ausgewogeneres Handelsverhältnis mit China, da sie deutlich mehr Waren aus der Volksrepublik importiert als dorthin exportiert. Die chinesische Seite weist die Vorwürfe zu Handelsüberschüssen und Überkapazitäten zurück und bezeichnet die Kritik als protektionistisch.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber