Die ausgesetzten zusätzlichen US-Zölle auf chinesische Importe bleiben vorerst zwei Monate länger auf Eis. US-Finanzminister Scott Bessent sagte zum Auftakt des Staatsbesuchs von Chinas Präsident Xi Jinping in Washington beim Sender Fox News, beide Länder hätten sich auf eine Verlängerung der Frist vom 10. November auf den 10. Januar verständigt.
„Wir haben heute vereinbart, das sogenannte Busan-Abkommen zu verlängern“, sagte Bessent. Auffällig ist jedoch: Auch Stunden nach der Ankündigung gab es aus Peking keine Bestätigung. Das chinesische Handelsministerium reagierte nicht auf eine Anfrage, das Außenministerium erklärte sich für Bessents Mitteilung nicht zuständig.
Busan-Abkommen wird fortgesetzt
Nach Angaben Bessents setzt die neue Vereinbarung das im Oktober im südkoreanischen Busan vereinbarte Vorgehen fort. US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatten dort unter anderem beschlossen, hohe zusätzliche Sonderzölle vorerst auszusetzen.
„Das verschafft uns mehr Zeit, um zu prüfen, was wir auf wirtschaftlicher Ebene tun können“, sagte Bessent. Der Einigung seien mehrere Treffen mit Chinas Vizepremier He Lifeng vorausgegangen.
Der China-Experte Scott Kennedy vom US-Forschungsinstitut CSIS hatte im Vorfeld erklärt, Peking dränge auf eine Verlängerung bis zum Ende von Trumps Amtszeit. Washington wolle dagegen nur wenige zusätzliche Monate zugestehen, um den Druck auf China aufrechtzuerhalten.
Handelsstreit mit Folgen auch für Deutschland und Europa
Eine dauerhafte Einigung hätte weit über die USA und China hinaus Bedeutung. Viele Unternehmen verfolgen den Konflikt der beiden größten Volkswirtschaften mit Sorge. Deutschland und Europa sind über Lieferketten und Absatzmärkte eng mit beiden Ländern verbunden. Hohe US-Zölle auf chinesische Waren könnten außerdem dazu führen, dass chinesische Hersteller ihre Produkte verstärkt nach Europa umleiten.
Die EU-Handelskammer in China begrüßte die angekündigte Verlängerung. Sollten zusätzliche Exportkontrollen tatsächlich umgesetzt werden, hätte das ihrer Einschätzung nach lähmende Folgen für die Industrie. Zugleich bleibe die Unsicherheit mit Blick auf die Zeit nach dem 10. Januar erheblich.
Eskalation nach Trumps Amtsübernahme
Der Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften hatte sich im Frühjahr 2025 nach Trumps Amtsübernahme deutlich zugespitzt. Die USA erhöhten ihre Zölle auf chinesische Waren schrittweise auf bis zu 145 Prozent. Peking reagierte mit Gegenzöllen von bis zu 125 Prozent und verhängte Exportkontrollen auf strategisch wichtige Rohstoffe.
Bereits im Mai hatten beide Seiten in Genf eine zunächst 90-tägige Pause vereinbart. Im Oktober folgte in Busan die Verständigung, hohe zusätzliche Zölle vorerst auszusetzen. Mit der nun angekündigten Verlängerung soll diese Pause bis zum 10. Januar weiterlaufen.
Xi spricht von „entscheidendem Jahr“
Während Washington zum Beginn des Besuchs vor allem die Verlängerung der Zollpause hervorhob, schlug Xi grundsätzlichere Töne an. In einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten schriftlichen Erklärung bezeichnete er das laufende Jahr als „entscheidend“ für die Beziehungen beider Länder.
Die USA und China sollten Partner und nicht Rivalen sein, erklärte Xi. Ziel müssten stabile Beziehungen mit Zusammenarbeit, moderatem Wettbewerb, überwindbaren Differenzen und einer Perspektive auf Frieden sein.
Seltene Erden und KI bleiben Streitpunkte
Neben den Zöllen sorgen weiter Exportbeschränkungen für Spannungen. Peking kritisiert die US-Kontrollen für Halbleiter und Hochleistungschips, die etwa für Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz benötigt werden. Washington wiederum wirft China vor, bestimmte strategisch wichtige Rohstoffe gezielt zurückzuhalten.
Für die Ausfuhr seltener Erden müssen ausländische Unternehmen derzeit Genehmigungen beim chinesischen Handelsministerium beantragen. Handelskammern beschreiben das Verfahren als aufwendig und wenig transparent, da detaillierte Angaben zur Nutzung verlangt werden und Lizenzen teils ohne Begründung ausbleiben.
Die USA hatten China bereits vor der jetzigen Verlängerung vorgeworfen, Zusagen zu verlässlichen Lieferungen seltener Erden nicht einzuhalten. Peking begründet die Kontrollen offiziell damit, eine militärische Nutzung der Rohstoffe verhindern zu wollen.
Staatsbankett mit Musk, Bezos und Huang
Am Donnerstag standen ein feierlicher Empfang im Weißen Haus, bilaterale Gespräche und am Abend ein Staatsbankett auf dem Programm. Dazu wurden auch prominente Vertreter der US-Wirtschaft erwartet, darunter Elon Musk, Jeff Bezos, Tim Cook, Sundar Pichai und Nvidia-Chef Jensen Huang.
Für Freitag waren ein gemeinsamer Tee der Präsidentenpaare sowie ein Besuch im US-Nationalarchiv vorgesehen.
Für Xi ist es die erste USA-Reise seit 2023. Damals war er zum Apec-Gipfel nach Kalifornien gereist und hatte Trumps Vorgänger Joe Biden getroffen. Trump hatte Xi bei seinem Besuch in Peking Mitte Mai ins Weiße Haus eingeladen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber