Wirtschaft

Trotz Flaute: Warum KI jetzt mehr Onlinekäufe auslöst

Online statt Innenstadt: Warum immer mehr Deutsche im Netz bestellen – und Bequemlichkeit nur ein Teil der Wahrheit ist

03.06.2026, 10:48 Uhr

Onlinehandel in Deutschland wächst weiter – auch dank älterer Käufer und KI-Hilfen

Während viele Menschen beim Einkauf in der Innenstadt genauer aufs Geld achten, zeigt sich im Internet ein anderes Bild: In Deutschland wird häufiger und mehr online bestellt. Das geht aus dem aktuellen Online-Monitor des Handelsverbands Deutschland (HDE) hervor. Zunehmend greifen Kunden dabei auch auf KI-gestützte Helfer zurück, etwa um Preise schneller zu vergleichen.

Nach Einschätzung des HDE entwickelt sich der Onlinehandel damit besser als der stationäre Einzelhandel. Der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp erklärte, dass sich das E-Commerce-Geschäft teilweise von der schwachen Umsatzlage im übrigen Handel lösen könne. Für 2026 rechnet der Verband im Onlinehandel mit einem nominalen Umsatzplus von 4,3 Prozent. Im stationären Handel wird dagegen lediglich ein Zuwachs von 1,6 Prozent erwartet.

Ein Grund für das Wachstum liegt dem Verband zufolge darin, dass auch ältere Menschen immer stärker im Netz einkaufen. Besonders bei den über 55-Jährigen nahm die Zahl der Onlinekäufer 2025 deutlich zu. Mit einem Plus von 3,1 Prozent fiel das Wachstum in dieser Altersgruppe überdurchschnittlich aus.

Lebensmittel und Drogerieartikel legen online stark zu

Im Jahr 2025 wurden nach HDE-Angaben in Deutschland online neue Waren im Wert von etwas mehr als 92 Milliarden Euro verkauft. Das entspricht einem Anstieg von knapp 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wuchs der Internethandel prozentual deutlich stärker als der klassische Ladenverkauf.

Vor allem Produkte des täglichen Bedarfs verzeichneten kräftige Zuwächse. Bei Lebensmitteln und Drogeriewaren stieg der Onlineumsatz um 10,4 Prozent. Dahinter steht unter anderem die wachsende Nutzung von Lieferdiensten. In Bereichen wie Mode oder Elektronik ist der Anteil des Onlinegeschäfts allerdings schon seit Längerem besonders hoch.

Zwar hat sich die Konsumstimmung laut HDE-Konsumbarometer zuletzt etwas verbessert, insgesamt bleibt die Zurückhaltung der Verbraucher aber bestehen.

Warum der Onlinehandel davon weniger stark betroffen ist, erklärt E-Commerce-Expertin Karolin Junker de Neui von der Digitalberatung Etribes mit dem derzeit hohen Stellenwert eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses. Im Netz lasse sich dieses Bedürfnis besser erfüllen, weil Preisvergleiche dort einfacher seien. Hinzu kämen weitere Vorteile wie eine größere Auswahl und mehr Bequemlichkeit. Ein Einkaufsbummel in die Innenstadt koste schließlich Zeit und Geld.

Klassischer Einkaufsbummel verliert an Bedeutung

Auch Umfragen bestätigen diesen Trend. Nach einer repräsentativen Erhebung des Instituts Appinio kaufen 65 Prozent bei Kleidung und Schuhen inzwischen überwiegend online und gehen nur noch selten in ein Geschäft. Bei Elektronik und Mobiltelefonen liegt dieser Wert bei 58 Prozent, bei Haushaltsgeräten und Technik bei 54 Prozent.

Junker de Neui spricht daher in bestimmten Warengruppen von einem Abschied vom traditionellen Einkaufsbummel. Für die Erhebung wurden im April 1.000 Menschen im Alter von 15 bis 65 Jahren befragt.

Die Ausgaben für Konsumgüter verteilen sich mittlerweile nahezu gleichmäßig auf Onlinehandel und stationäre Geschäfte – wobei der Internetanteil weiter wächst. Jeder Zweite gab an, häufiger online einzukaufen als noch im Vorjahr. Fast ebenso viele bestellen etwa gleich oft wie zuvor.

Dass viele Verbraucher nicht noch öfter online shoppen, hat vor allem praktische Gründe. Am häufigsten genannt wurden fehlende Möglichkeiten, Produkte anzufassen oder anzuprobieren. Außerdem stören viele Kunden komplizierte Rücksendungen und lange Lieferzeiten.

KI wird geschätzt, soll aber nicht alles selbst entscheiden

Bei der Wahl eines Onlineshops spielt laut Appinio vor allem der Preis die wichtigste Rolle. Ebenfalls entscheidend sind schnelle Lieferungen, die Verfügbarkeit der Waren, Sonderaktionen und Rabatte sowie Bewertungen anderer Käufer. Bemerkenswert ist dabei: Sechs von zehn Befragten schenken einem KI-Assistenten inzwischen mehr Vertrauen als einer klassischen Kundenrezension.

Künstliche Intelligenz gewinnt beim Onlineshopping insgesamt weiter an Bedeutung. Viele Verbraucher nutzen solche Systeme vor allem, um Geld zu sparen. 60 Prozent wünschen sich, dass KI bei der Preisoptimierung hilft.

Wenn es jedoch um eigenständige Entscheidungen geht, ziehen viele eine klare Grenze. Ebenfalls 60 Prozent lehnen autonome Käufe durch KI ab. Selbst bei Alltagsartikeln wie Waschmittel möchte etwa jeder Zweite weiterhin jede Kaufentscheidung selbst treffen.

Die Expertin verweist darauf, dass auch die Lieferung von Lebensmitteln nach Hause früher für viele kaum vorstellbar gewesen sei. Ihrer Einschätzung nach dürfte die Offenheit der Verbraucher gegenüber neuen Technologien im Einkauf dennoch weiter zunehmen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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