Die ersten regionalen Tarifverhandlungen in der deutschen Metall- und Elektroindustrie sind in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wie üblich ohne Angebot der Arbeitgeber gestartet. Die IG Metall fordert für die Beschäftigten 5 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Als Untergrenze gilt aus Sicht der Gewerkschaft ein Ausgleich für die zuletzt deutlich gestiegene Inflation.
Bundesweit betrifft die Tarifrunde rund 3,7 Millionen Beschäftigte unter anderem in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und in der Rüstungsbranche.
In Nordrhein-Westfalen arbeiten nach Branchenangaben etwa 640.000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie, in Baden-Württemberg rund 900.000. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hält eine kräftige Lohnerhöhung weiter für nicht finanzierbar. Zur Begründung verweist der Verband auf eine verschärfte Deindustrialisierung und den Verlust hunderttausender Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren. Als einen wichtigen Faktor nennen die Arbeitgeber die hohen Personalkosten.
Der Verhandlungsführer von Südwestmetall, Peter Sebastian Krause, erklärte in Ludwigsburg, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stehe auf dem Spiel. Statt über höhere Löhne zu sprechen, brauche es aus seiner Sicht diesmal spürbare Entlastungen für die Firmen. In Nordrhein-Westfalen verwies Arbeitgeber-Verhandlungsführer Arndt G. Kirchhoff auf einen extremen Kostendruck. Dabei spiele die Höhe der Arbeitskosten eine entscheidende Rolle.
Bis Freitag dieser Woche stehen noch erste Verhandlungsrunden in weiteren wichtigen Tarifgebieten an, darunter Bayern sowie die Mittelgruppe mit Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
Für zusätzliche Diskussionen hatte in Baden-Württemberg zuletzt Mercedes-Benz gesorgt. Das Unternehmen brachte eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ins Spiel. Die derzeitige 35-Stunden-Woche ist jedoch im Manteltarifvertrag festgelegt. Dieser ist in der laufenden Tarifrunde kein Thema, da er nicht gekündigt wurde. Verhandelt wird diesmal ausschließlich über die Bezahlung.
Kampfbereitschaft bei der IG Metall
Die IG Metall zeigte sich in beiden Regionen kämpferisch. Sowohl in Baden-Württemberg als auch in Nordrhein-Westfalen unterstrich sie im Vorfeld ihre Entschlossenheit. Nach Angaben des NRW-Bezirksleiters und Verhandlungsführers Knut Giesler ist die Bereitschaft zu Auseinandersetzungen deutlich größer als in den vergangenen Jahren.
Die Friedenspflicht endet mit Ablauf des 31. Oktober. Danach wären Warnstreiks möglich. Bereits fest terminiert ist zuvor die zweite Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg am 27. Oktober.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber