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Niedrigwasser: Droht dem Bodensee der Kollaps?

Bodensee auf Krisen-Kurs: Nur ein extrem nasser Herbst und Winter kann den Pegel jetzt noch retten.

07.10.2026, 16:27 Uhr

Der Bodensee führt in diesem Jahr ungewöhnlich wenig Wasser. Nach Einschätzung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ist eine rasche Normalisierung derzeit nicht absehbar. Damit sich die Pegelstände dauerhaft erholen, bräuchte es nach Angaben der Behörde einen deutlich zu nassen Herbst und Winter mit Niederschlägen weit über dem saisonalen Durchschnitt.

Aktuell wurde am Pegel Konstanz ein Wasserstand von 248 Zentimetern gemessen. Das sind rund 89 Zentimeter weniger als im langjährigen Mittel für Anfang Oktober, wie aus dem aktuellen Bericht des Niedrigwasser-Informationszentrums hervorgeht. In den nächsten Tagen sei zwar ein leichter Anstieg möglich, insgesamt bleibe die Lage jedoch zu trocken.

Auch aus der Schweiz kommen Warnsignale: Die nationale Trockenheitsplattform stuft Teile des Bodenseeeinzugsgebiets mit Stufe 4 als stark gefährdet ein. Besonders ins Gewicht fällt, dass der Alpenrhein, wichtigster Zufluss des Sees, derzeit außergewöhnlich wenig Wasser führt.

Typischer Sommeranstieg blieb fast aus

Auffällig ist vor allem, dass der sonst übliche sommerliche Pegelanstieg in diesem Jahr nahezu ausgeblieben ist. Ende September lag der Wasserstand sogar unter dem Niveau des Frühjahrs. Üblicherweise erreicht der Bodensee seinen tiefsten Stand erst im Februar oder März. Der niedrigste jemals seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850 registrierte Pegel wurde Ende Februar und Anfang März 1858 mit 2,26 Metern gemessen.

Nach Einschätzung der LUBW kommt die aktuelle Situation durch mehrere Faktoren zustande. Im vergangenen Winter fiel in den Alpen vergleichsweise wenig Schnee. Dadurch fehlte im Frühjahr ein wichtiger Teil des Schmelzwassers, das normalerweise über den Alpenrhein in den Bodensee gelangt. Gleichzeitig gab es in den warmen Monaten zu wenig Regen und wegen der hohen Temperaturen eine starke Verdunstung.

Niedrigwasser am Bodensee
Es braucht einen deutlich zu nassen Herbst und Winter, damit sich die Wasserstände nachhaltig erholen können. Quelle: Felix Kästle/dpa

Auch der September brachte kaum Entlastung. Vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes zufolge fielen in Baden-Württemberg nur etwa 19 Liter Regen pro Quadratmeter. Das entspricht lediglich rund 27 Prozent des langjährigen Durchschnitts für diesen Monat. Für eine nachhaltige Verbesserung seien deshalb deutlich niederschlagsreichere Monate nötig.

Niedrigwasser zeigt sich regional unterschiedlich

Besonders deutlich wird die Lage an flachen Uferbereichen, etwa am Untersee. Dieser kleinere Teil des Bodensees reicht von Konstanz beziehungsweise der Reichenau in Richtung Stein am Rhein und liegt größtenteils an der deutsch-schweizerischen Grenze. Dort musste der Schiffsverkehr in der vergangenen Woche teilweise eingestellt werden.

Am Obersee ist der Effekt nicht überall so markant, weil dieser Teil des Bodensees größer und tiefer ist. An flachen Uferzonen ist aber auch dort gut zu erkennen, wie stark sich das Wasser bereits zurückgezogen hat.

Erholung hängt von Regen und Schnee ab

Wann sich der Bodensee wieder spürbar füllt, lässt sich laut LUBW derzeit nicht verlässlich abschätzen. Kräftige Niederschläge könnten kurzfristig für Entspannung sorgen. Für das kommende Frühjahr werde außerdem entscheidend sein, wie viel Niederschlag im Winter in den Alpen als Schnee gespeichert wird und später als Schmelzwasser in den See gelangt.

Langfristig verändert der Klimawandel nach Einschätzung der Behörde die Bedingungen im Bodenseeraum. Höhere Temperaturen wirken sich unter anderem auf Schneefall, Schneespeicherung und Schmelzprozesse im alpinen Einzugsgebiet aus. Die LUBW weist jedoch darauf hin, dass auch künftig beides möglich bleibt: sehr hohe Wasserstände ebenso wie extremes Niedrigwasser. Der aktuelle Wassermangel bedeute daher nicht, dass der Bodensee grundsätzlich auszutrocknen droht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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