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Forscher filmen den Schockmoment: Wal verfängt sich

Zufallsfund schockiert: Ein Schweinswal sendet im Netz offenbar Notsignale – was Forscher daraus für seinen Schutz lernen.

26.08.2026, 11:15 Uhr

Schweinswal in Fischernetz geraten: Forschende dokumentieren Beifang vor Cornwall

Wale, Delfine und andere Meerestiere sterben immer wieder als sogenannter Beifang in Fischernetzen – auch in europäischen und deutschen Gewässern. Ein Forschungsteam der Universität St. Andrews in Schottland konnte nun zufällig einen solchen Fall vor der Küste Südwestenglands akustisch mitschneiden. Die im Fachjournal Open Science vorgestellten Daten liefern seltene Einblicke in das Verhalten von Schweinswalen in einer solchen Extremsituation.

Die Wissenschaftler hatten 2019 vor Cornwall ein Stellnetz mit einem akustischen Überwachungssystem ausgestattet. In der Nähe des Netzes hielten sich zwei Gewöhnliche Schweinswale (Phocoena phocoena) auf und suchten zunächst mehrere Minuten lang nach Nahrung. Dann verfing sich eines der Tiere im Netz. Nach Einschätzung der Forschenden war der knapp 1,2 Meter lange Schweinswal vermutlich noch nicht ausgewachsen.

Während das Tier versuchte, sich zu befreien, gab es mehr als 50 Laute von sich. Mehrfach hob es das Netz an, ehe es nach einigen Minuten schließlich erstickte. Auch der zweite Schweinswal sendete mehrere Rufe aus. Nach Ansicht des Teams könnten diese Lautäußerungen als mögliche Notsignale an Artgenossen gedeutet werden. Laut den Forschenden wurde ein solcher Vorfall bislang noch nie in dieser Detailtiefe dokumentiert.

Nach Angaben der Universität St. Andrews ist das Verfangen in Fischereigerät weltweit die häufigste direkt vom Menschen verursachte Todesursache bei Delfinen und Schweinswalen. Allein in britischen Gewässern sterben demnach jedes Jahr schätzungsweise rund 1.000 Schweinswale in Stellnetzen. Zudem liegen dort Tausende Kilometer solcher Netze im Wasser.

Schweinswal-Tage in Wilhelmshaven
Immer wieder verenden Tiere wie Schweinswale in Fischernetzen. (Archivbild) Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Hoffnung auf bessere Schutzmaßnahmen

Für den Meeresbiologen Jamie Macaulay macht die Aufnahme die ganze Härte des Beifang-Problems deutlich. Zugleich sehen die Fachleute darin aber auch eine Chance: Die neuen Erkenntnisse könnten helfen, wirksamere Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Denkbar seien etwa Netze, die Schall besser reflektieren und damit für Schweinswale leichter wahrnehmbar sind. Auch Konstruktionen, aus denen sich größere und kräftigere Tiere eher befreien könnten, werden als mögliche Lösung genannt.

Macaulay betont jedoch, dass es nicht darum gehe, die Stellnetzfischerei grundsätzlich abzuschaffen. Ziel sei vielmehr, wissenschaftlich fundierte, praktikable und nachhaltige Wege zu finden, um den Beifang zu verringern und entsprechende Maßnahmen schneller umzusetzen.

Auch in der Ostsee ein bekanntes Problem

Das Bundesamt für Naturschutz weist darauf hin, dass Schweinswale auch in der deutschen Ostsee regelmäßig als Beifang in Stellnetzen enden. Allerdings werde nur ein kleiner Teil dieser Fälle tatsächlich gemeldet oder erfasst. Eine wichtige Rolle spiele deshalb das sogenannte Totfundmonitoring gestrandeter Tiere. Nach Angaben der Behörde stieg die Zahl der jährlich an der deutschen Ostseeküste gefundenen toten Schweinswale zwischen 2000 und 2014 von 25 auf 129 – und damit auf mehr als das Vierfache.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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