Banken-Stresstest: Mehrheit der Institute in Deutschland gilt als widerstandsfähig
Die meisten Banken und Sparkassen in Deutschland könnten nach Einschätzung von Bafin und Bundesbank selbst einen schweren weltweiten Konjunktureinbruch verkraften. Die Institute seien insgesamt solide und robust aufgestellt, sagte Bafin-Bankenaufseher Nikolas Speer in Frankfurt bei der Vorstellung der Ergebnisse eines gemeinsamen Stresstests.
Gleichzeitig zeigte die Untersuchung, dass mehrere Dutzend Häuser in dem simulierten Krisenfall die vorgegebenen Kapitalanforderungen nicht mehr erfüllen würden. Diese Institute stünden deshalb unter besonderer Beobachtung. Falls nötig, werde die Aufsicht frühzeitig eingreifen, betonte Speer.
Im Vergleich zum vorherigen Krisentest vor zwei Jahren hat sich die Lage bei den betroffenen Instituten verbessert. Damals waren nach Angaben der Bafin mehr als 50 Geldhäuser unter die Kapitalvorgaben gefallen. Beim aktuellen Test sind es laut Speer nur noch grob halb so viele.
Stresstest und zusätzliche Befragung
Seit April haben Bafin und Bundesbank 1.113 kleine und mittelgroße Banken geprüft. Damit wurden fast 90 Prozent der Kreditinstitute in Deutschland erfasst. Ergänzend dazu mussten die Häuser in einer Umfrage Angaben zu ihrer aktuellen Ertragslage, ihrer Risikosituation und ihren Erwartungen machen.
Der Stresstest bildet über drei Jahre hinweg ein schweres Krisenszenario ab. Ausgangspunkt ist eine Zuspitzung geopolitischer Konflikte, die zu mehr Handelshemmnissen, Problemen in den Lieferketten und höheren Rohstoffpreisen führen könnte. Unterstellt wurde zudem ein Rückgang des Welthandels mit negativen Folgen für Wachstum und Beschäftigung. Hinzu kamen angenommene Zinsanstiege sowie deutliche Einbrüche an den Aktien- und Anleihemärkten.
Unter diesen Bedingungen würde die harte Kernkapitalquote der Banken und Sparkassen insgesamt um etwa 3,8 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent sinken. Die Institute hätten damit spürbar weniger Reserven, um weitere Belastungen aufzufangen.
Unsichere Aussichten belasten den Ausblick
Bundesbank-Vorstand Michael Theurer verwies auf die anhaltend schwer kalkulierbare geopolitische Lage. Diese erschwere den wirtschaftlichen Ausblick. Umso wichtiger sei es, dass Kreditinstitute ihre Geschäfts- und Kapitalplanung vorsichtig ausrichten. Nur so könnten sie auch unerwartete Schocks verkraften, eine solide Kapitalbasis sichern und die Finanzierung von Unternehmen und privaten Haushalten fortsetzen.
Regelmäßige Stresstests gehören seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zum Instrumentarium der Aufseher. Ziel ist es, Risiken in den Bilanzen und Schwächen in Geschäftsmodellen frühzeitig sichtbar zu machen. Je nach Ergebnis können Banken verpflichtet werden, zusätzliches Kapital vorzuhalten, um in künftigen Krisen besser abgesichert zu sein.
Vereinfacht lässt sich ein solcher Test mit einem privaten Haushaltscheck vergleichen: Reichen Einnahmen, Rücklagen oder Versicherungen noch aus, wenn mehrere finanzielle Belastungen gleichzeitig auftreten? Für Banken geht es im Kern um dieselbe Frage: Ob ihre Puffer auch in einer extremen Krisenlage tragen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber