Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen KI-Chatbots, um über persönliche und vertrauliche Angelegenheiten zu sprechen. Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Anbieter dieser Technologien beim Thema Datenschutz gering. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Schweizer Softwareunternehmens Proton.
Laut der repräsentativen Befragung haben 68 Prozent der Chatbot-Nutzerinnen und -Nutzer in Deutschland bereits mindestens einmal ein sensibles Thema mit einer KI besprochen. Besonders häufig geht es dabei um Fragen zur psychischen Gesundheit. Darüber hinaus teilen viele Befragte mit den Systemen auch Informationen zu Finanzen, Beziehungen, Beruf, Sexualität, Geheimnissen oder familiären Problemen.
Verfügbarkeit und fehlende Bewertung als Gründe
Nach Einschätzung der Studienautoren ersetzt künstliche Intelligenz das persönliche Umfeld aber nicht vollständig. Freunde und Familie bleiben bei heiklen Themen weiterhin die wichtigsten Ansprechpartner. Für die Nutzung von Chatbots sprechen vor allem deren ständige Erreichbarkeit und der Umstand, dass sie ohne persönliche Vorurteile oder peinliche soziale Situationen reagieren.
Großes Misstrauen beim Datenschutz
Die Studie zeigt zugleich eine ausgeprägte Skepsis gegenüber den Unternehmen hinter den KI-Diensten. 40,5 Prozent der Befragten sagten, sie hätten wenig oder gar kein Vertrauen darin, dass ihre sensiblen Daten ausreichend geschützt werden.
Besonders groß ist die Sorge vor einer wirtschaftlichen Nutzung der Gespräche: 51 Prozent befürchten, dass aus ihren Angaben individuelle Werbe- oder Marketingprofile erstellt werden könnten. 43 Prozent sehen zudem das Risiko, dass ihre Inhalte zum Training neuer KI-Modelle verwendet werden.
Wunsch nach mehr Datenschutz
Strengere Sicherheitsstandards könnten laut der Erhebung dazu führen, dass Nutzer offener mit Chatbots sprechen. 71 Prozent gaben an, bevorzugt einen KI-Chatbot zu nutzen, der ausdrücklich auf Datenschutz ausgerichtet ist. Knapp 44 Prozent erklärten außerdem, sie würden eher intime Details preisgeben, wenn garantiert wäre, dass diese nicht für das Training der Modelle eingesetzt werden.
Für die Untersuchung befragte Proton zwischen dem 22. Juli und dem 2. August 2026 insgesamt 4.014 aktive Nutzer von KI-Chatbots in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber