Schwache Pilzsaison in Bayern setzt sich fort
Die Pilzsaison in Bayern verläuft weiterhin deutlich schlechter als üblich. Sowohl Freizeit-Sammler als auch Fachleute stoßen in Wäldern und auf Wiesen derzeit auf ungewöhnlich wenige Pilze. Darauf weisen der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), die Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) und die Universität Bayreuth hin. Als wichtige Ursache nennen sie die zunehmende Trockenheit in den Sommermonaten, die im Zuge der Klimakrise häufiger werde und zahlreiche Pilzarten belaste.
Nach Einschätzung von BMG-Vorsitzendem Christoph Hahn ist nicht ein einzelnes Dürrejahr das Hauptproblem, sondern die wachsende Zahl solcher Extremphasen. Viele Arten könnten trockene Zeiten zwar grundsätzlich überstehen. Kritisch werde es jedoch dann, wenn auf Trockenjahre kaum noch Erholungsphasen folgen.
An vielen Orten seien die Böden weiterhin stark ausgetrocknet. Zwar hätten die jüngsten Regenfälle regional etwas Entlastung gebracht, doch oft reiche die Feuchtigkeit noch nicht aus, damit das unterirdische Pilzgeflecht Fruchtkörper an der Oberfläche ausbilden könne. Diese sichtbaren Pilze seien wichtig, weil sie der Vermehrung und der Verbreitung von Sporen dienten.
LBV-Expertin Lotte Krüger betonte, dass fehlende Funde nicht automatisch bedeuteten, dass Pilzarten verschwunden seien. Das eigentliche Geflecht lebe verborgen im Boden und könne dort so lange überdauern, bis sich die Bedingungen verbesserten. Deshalb bestehe die Hoffnung, dass sich die Saison lediglich nach hinten verschoben habe. Allerdings dränge die Zeit, denn etwa im Bayerischen Wald und in den Alpen könne es ab Mitte Oktober bereits zu ersten Bodenfrösten kommen.
Erfassung bedrohter Wiesenpilze
Um seltene Großpilzarten besser zu schützen, haben LBV, BMG und die Universität Bayreuth im Herbst 2025 ein gemeinsames Vorhaben begonnen, das vom Bayerischen Naturschutzfonds unterstützt wird. In diesem Rahmen läuft nun eine bayernweite Erfassung gefährdeter Wiesenpilze.
Eine schwache Saison stelle das Projekt nach Angaben der Beteiligten jedoch nicht infrage. Die Kartierung sei auf drei Jahre angelegt und berücksichtige natürliche Unterschiede zwischen einzelnen Jahren. Zusätzlich untersucht die Universität Bayreuth Umwelt-DNA aus Bodenproben. Dadurch lassen sich zahlreiche Arten auch dann nachweisen, wenn oberirdisch keine Fruchtkörper zu sehen sind.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber