Stihl-Chef drängt auf Debatte über längere Arbeitszeiten in der Metallindustrie
Der Unternehmer Nikolas Stihl fordert die Tarifparteien in der deutschen Metall- und Elektroindustrie zu schnellen Gesprächen über eine längere Wochenarbeitszeit ohne zusätzlichen Lohnausgleich auf. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Forst- und Gartengeräteherstellers Stihl sagte der Deutschen Presse-Agentur in Waiblingen, die 35-Stunden-Woche sei in wirtschaftlich starken Zeiten tragbar gewesen, passe aber nicht mehr zur aktuellen Lage. Die Sozialpartner müssten sich ihrer Verantwortung stellen und das Thema offensiv angehen.
Stihl sieht dabei vor allem die IG Metall in der Pflicht, da von ihrer Seite am Ende die nötigen Zugeständnisse kommen müssten. Angesichts einer Entwicklung hin zu rund 500.000 verlorenen Industriearbeitsplätzen sei es notwendig, alles zu unternehmen, um den Abwärtstrend zu stoppen.
Nach Ansicht Stihls könnte eine längere Arbeitszeit bei gleichbleibendem Gehalt die Arbeitskosten vergleichsweise rasch senken. Neue Brisanz erhielt die Debatte zuletzt durch Mercedes-Benz: Inmitten der Wirtschaftskrise hatte Aufsichtsratschef Martin Brudermüller im Handelsblatt für eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche zum bisherigen Lohn plädiert. In tarifgebundenen Unternehmen der deutschen Autoindustrie gilt bislang überwiegend die 35-Stunden-Woche, so auch bei Mercedes-Benz. Gesetzlich vorgeschrieben ist dieses Modell jedoch nicht. Die IG Metall reagierte auf den Vorstoß des Unternehmens mit bundesweiten Protestaufrufen bei dem Autobauer.
Tarifrunde beginnt im Herbst
Im Herbst starten die nächsten Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Stihl geht davon aus, dass die Diskussionen schwierig werden. Die 35-Stunden-Woche sei einst nach harten Auseinandersetzungen eingeführt worden. Entsprechend groß dürfte nun der Widerstand sein, wenn daran gerüttelt werde. Eine unkomplizierte Tarifrunde erwartet er daher nicht.
Beim Umgang mit dem Thema wirbt Stihl für pragmatische Lösungen. Je näher Vertreter der IG Metall an den Beschäftigten seien, desto eher würden sie die tatsächlichen Herausforderungen erkennen, sagte er. Kritisch äußerte er sich dagegen über die Gewerkschaftszentrale in Frankfurt. Dort wirkten die Positionen aus seiner Sicht stark verhärtet und ideologisch geprägt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber