Wirtschaft

Creditreform: Firmenpleiten auf Rekordhoch seit 2013

Firmenpleiten auf Rekordkurs: So schlimm war es seit über zehn Jahren nicht – und das Ende der Welle ist noch nicht da.

23.06.2026, 10:30 Uhr

Mehr Firmenpleiten in Deutschland: Trend spitzt sich weiter zu

Die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft führt zu immer mehr Unternehmensinsolvenzen. Nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform werden bis zum Ende des ersten Halbjahres rund 12.900 Firmen Insolvenz angemeldet haben. Das entspräche einem Plus von fast acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und wäre zugleich der höchste Stand seit dem ersten Halbjahr 2013, als 13.310 Fälle registriert wurden.

Creditreform sieht den Höhepunkt dieser Entwicklung noch nicht erreicht. Der Leiter der Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch, geht davon aus, dass sich die Lage erst entspannt, wenn die deutsche Wirtschaft wieder spürbar wächst. Nach derzeitiger Einschätzung sei damit frühestens 2027 zu rechnen. Für das laufende Jahr erwarten Ökonomen lediglich ein sehr geringes Wachstum, während die Folgen des Iran-Kriegs die Hoffnungen auf eine Erholung zusätzlich dämpfen.

Krieg und Energiepreise verschärfen die Lage

Schon vor der jüngsten geopolitischen Zuspitzung stand die Wirtschaft unter Druck. Hohe Energiekosten, zurückhaltende Verbraucher und umfangreiche Bürokratie belasten viele Betriebe seit Längerem. Durch den Iran-Krieg hat sich die Situation weiter verschärft, vor allem wegen steigender Energiepreise, die Unternehmen wie auch private Haushalte treffen.

Die meisten Insolvenzen entfielen im ersten Halbjahr mit knapp 7.900 Fällen auf den Dienstleistungssektor, zu dem auch das Gastgewerbe zählt.

Besonders deutlich stieg die Zahl der Pleiten bei größeren Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Hier registrierte Creditreform ein Plus von 28,6 Prozent. Betroffen waren unter anderem die Revo-Hospitality-Gruppe, die Baumarktkette Hellweg und der Spielwarenhändler Rofu Kinderland.

Leerstände in Innenstädten
Wenn die Menschen für Energie und Lebensmittel mehr zahlen müssen, halten sie sich beim Konsum zurück. Das bekommt der Einzelhandel zu spüren. (Symbolbild) Quelle: Michael Brandt/dpa

Auch junge Firmen geraten schneller in Not

Zugenommen hat die Zahl der Insolvenzen auch bei erst kürzlich gegründeten Unternehmen. Innerhalb der ersten zwei Jahre nach dem Markteintritt mussten 1.140 Gründerinnen und Gründer aufgeben. Das sind 25,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Nach Einschätzung von Creditreform lässt das schwierige wirtschaftliche Umfeld kaum Spielraum für Fehlentscheidungen oder falsche Kalkulationen.

Die Folgen für den Arbeitsmarkt sind erheblich: Insgesamt sieht Creditreform rund 165.000 Arbeitsplätze durch die Insolvenzen des ersten Halbjahres gefährdet. Im Vorjahreszeitraum lag diese Zahl noch bei 143.000.

Die geschätzte Schadenssumme belief sich auf 28,5 Milliarden Euro und lag damit leicht unter dem Vergleichswert des Vorjahres von 31,2 Milliarden Euro.

Mehr Privatinsolvenzen bei Verbrauchern

Nicht nur Unternehmen, auch immer mehr Verbraucher geraten in finanzielle Schwierigkeiten. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Creditreform 38.800 Verbraucherinsolvenzen gezählt. Das sind 2,3 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Allerdings fiel der Anstieg schwächer aus als in den beiden Jahren zuvor und blieb unter früheren Höchstständen. Zwar setzen steigende Lebenshaltungskosten und die Inflation viele Haushalte unter Druck, doch der Arbeitsmarkt gilt weiterhin als vergleichsweise stabil. Gleichzeitig wurden zuletzt vor allem im verarbeitenden Gewerbe zunehmend gut bezahlte Stellen abgebaut.

Offizielle Statistik bestätigt Entwicklung

Auch die amtlichen Zahlen zeigen klar nach oben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes meldeten die Amtsgerichte im ersten Quartal 6.275 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 6,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Für das Gesamtjahr 2025 wurden bundesweit 24.064 Unternehmensinsolvenzen registriert – so viele wie seit 2014 nicht mehr. Bereits in den Jahren 2023 und 2024 war die Zahl der Firmenpleiten deutlich gestiegen, nachdem die staatlichen Corona-Hilfen ausgelaufen waren, die viele Unternehmen zuvor noch gestützt hatten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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