Wirtschaft

Warum die EU Millionen in Münchens Chip-Tests steckt

Ohne sie läuft nichts – doch Chip-Tests werden zum Problem. Ein Münchner Start-up könnte jetzt den Durchbruch liefern.

23.06.2026, 12:13 Uhr

Deutschland kann die QuantumDiamonds GmbH beim Aufbau einer neuen Fertigungsstätte für Halbleiter-Prüftechnik in München mit einem Zuschuss von 76 Millionen Euro fördern. Die EU-Kommission hat die staatliche Beihilfe genehmigt und erklärt, sie werde dazu beitragen, die Rolle Europas und seine Unabhängigkeit in der Halbleiter-Wertschöpfungskette zu stärken. Das Münchner Start-up will mit einem neuartigen Verfahren zur Prüfung von Mikrochips international Fuß fassen.

Die Kommission überprüft grundsätzlich, ob staatliche Hilfen den Wettbewerb in der EU verfälschen könnten. Im Fall von QuantumDiamonds sieht Brüssel jedoch keine Probleme.

Nach Angaben der EU geht es um die Entwicklung und Produktion moderner Mess- und Prüfsysteme für die Halbleiterbranche, die auf innovativen Quantensensoren basieren. Diese Technik soll eine hochauflösende, dreidimensionale Analyse moderner Chips ermöglichen. In München soll damit der erste EU-Produktionsstandort für solche neuartigen Systeme entstehen.

Beitrag zur europäischen Halbleiterkette

QuantumDiamonds hatte bereits im Dezember Investitionen von insgesamt 152 Millionen Euro für den Aufbau des Werks angekündigt. Schon damals war von möglicher Förderung durch den Bund und den Freistaat Bayern im Rahmen des Europäischen Chip-Gesetzes die Rede.

Das Unternehmen hat sich im Gegenzug zu mehreren Auflagen verpflichtet: Bei Engpässen sollen bestimmte Aufträge bevorzugt bearbeitet werden. Außerdem soll ein Teil der Anlage in einer frühen Phase auch Start-ups und Forschungslaboren offenstehen. Zusätzliche projektbezogene Gewinne, die über die bisherigen Erwartungen hinausgehen, sollen teilweise mit Deutschland geteilt werden.

Diese Zusagen sollen laut EU-Kommission positive Effekte für Europas Halbleiterindustrie haben, etwa durch eine stabilere Versorgung und die Qualifizierung von Fachkräften. Die Behörde betonte zudem, das Vorhaben stärke das europäische Halbleiter-Ökosystem insgesamt und erhöhe die Versorgungssicherheit. Ohne öffentliche Unterstützung, so die Einschätzung der Kommission, würde die Investition nicht in Europa umgesetzt. Die Höhe der Förderung orientiere sich an einer nachgewiesenen Finanzierungslücke.

EU setzt verstärkt auf Chip-Produktion

Die Mikroelektronik gilt als zentrale Zukunftstechnologie. Die Europäische Union will ihren Anteil an der weltweiten Halbleiterproduktion bis 2030 auf 20 Prozent verdoppeln. Aktuell liegt er der Kommission zufolge bei etwa 10 Prozent. Mikrochips sind Grundlage zahlreicher Alltags- und Industriegüter, von Smartphones und Computern bis hin zu Fahrzeugen.

Erst vor kurzem hatte die EU-Kommission weitere Vorschläge vorgelegt, um die Chip-Fertigung in Europa voranzubringen. Geplant sind unter anderem Anreize für die Mitgliedstaaten, bei öffentlichen Ausschreibungen stärker auf in Europa produzierte Halbleiter zu setzen. Hinzu kommen schnellere Genehmigungen, engere Zusammenarbeit innerhalb der EU und ein neues Exzellenzlabel für führende Halbleiterregionen, das zusätzliche Investoren anziehen soll.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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