Wirtschaft

So will die EU Zugreisen ins Ausland einfacher machen

EU plant die Ticket-Revolution: Internationale Bahnreisen sollen leichter werden – mit mehr Schutz bei Ausfällen und Verspätungen.

13.05.2026, 11:52 Uhr

Internationale Zugreisen in der EU sollen nach dem Willen der Europäischen Kommission deutlich unkomplizierter werden. Fahrgäste sollen künftig auf Plattformen Tickets für zusammenhängende Verbindungen verschiedener Bahnunternehmen buchen können und dadurch bei Verspätungen oder Zugausfällen besser abgesichert sein.

Die Kommission schlägt vor, dass Reisende online leichter alle Möglichkeiten für eine Strecke von A nach B vergleichen können. Große Ticket-Plattformen sollen demnach auch Fahrscheine anderer Anbieter anzeigen und verkaufen müssen, sofern diese Betreiber das wünschen.

Besonders wichtig wäre die Änderung bei Reisen mit mehreren Bahnunternehmen: Werden mehrere Teilstrecken auf einer Plattform in einem einzigen Buchungsvorgang gekauft, soll dies künftig immer als ein einziges Ticket gelten. Das hätte praktische Vorteile bei der Buchung und würde zugleich die Fahrgastrechte stärken.

Rechte bei Verspätung und Anschlussverlust

Kommt ein Zug zu spät an und wird dadurch ein Anschluss im Ausland verpasst, sollen Reisende mit einem solchen durchgehenden Ticket künftig das Recht haben, ohne zusätzliche Kosten auf anderem Weg an ihr Ziel zu kommen, etwa mit einem späteren Zug. Alternativ sollen sie sich auch für eine Erstattung des Tickets entscheiden können.

Wer die Reise fortsetzt, soll zudem unter anderem Anspruch auf Mahlzeiten und gegebenenfalls auf eine Unterkunft haben, wenn wegen der Störung eine Übernachtung nötig wird. Zuständig für diese Ansprüche wäre nach dem Vorschlag das Eisenbahnunternehmen, das die Störung verursacht hat. Voraussetzung ist allerdings, dass für den Umstieg eine ausreichende Umstiegszeit vorgesehen war.

Wo bisher das Problem liegt

Bislang müssen Reisende bei grenzüberschreitenden Bahnfahrten mit unterschiedlichen Betreibern ihre Tickets oft auf mehreren Plattformen kaufen. Selbst wenn eine Verbindung gemeinsam angeboten wird, werden häufig zwei getrennte Fahrscheine ausgestellt. Damit entstehen auch zwei separate Verträge.

Wenn dann der erste Zug verspätet ist und der Anschluss verpasst wird, können Fahrgäste derzeit meist nicht einfach den nächsten Zug bis zum Ziel nehmen. In der Regel haben sie nur für die Verspätung des ersten Zuges Anspruch auf Entschädigung nach EU-Recht. Anders ist es schon heute nur dann, wenn die Reise tatsächlich als durchgehendes Ticket gilt.

Teilweise schon freiwillige Lösungen

Einige Bahnunternehmen haben sich bereits auf freiwillige Regelungen verständigt. Dazu zählen unter anderem die Deutsche Bahn, die ÖBB, die französische SNCF und Eurostar. Unter bestimmten Bedingungen nehmen sie verspätete Fahrgäste auch heute schon ohne Aufpreis im nächsten verfügbaren Zug mit. Diese Absprachen sind jedoch bislang nicht verbindlich im EU-Recht festgeschrieben.

Bevor die neuen Regeln gelten können, müssen noch die EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament zustimmen. Die Kommission verfolgt mit dem Vorhaben auch das Ziel, mehr Menschen zum Umstieg auf die Bahn zu bewegen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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