Arbeitnehmer in Deutschland werden durch die zuletzt gestiegenen Preise für Benzin und Diesel nach Einschätzung von Fachleuten des Ifo-Instituts in Dresden nicht stärker belastet als in früheren Jahren. Ausschlaggebend dafür sind die über lange Zeit gewachsenen Einkommen. Nach Berechnungen des Instituts musste ein durchschnittlich Verdienender im April rund fünf Minuten arbeiten, um einen Liter Benzin bezahlen zu können.
In den vergangenen 35 Jahren habe dieser Wert meist zwischen drei und sechs Minuten gelegen. Selbst wenn Super auf 2,40 Euro und Diesel auf 2,50 Euro je Liter klettern würden, läge die dafür nötige Arbeitszeit häufig noch unter dem Niveau der Jahre 2006 bis 2013, erklärte Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Dresdner Ifo-Niederlassung.
Energie verteuerte sich nach Beginn des Ukraine-Kriegs stärker
Die jüngsten Preisaufschläge bei Energie im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran bewegen sich laut Experten in einer Größenordnung früherer Öl- und Wirtschaftskrisen, fallen aber schwächer aus als nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022. Darauf weisen auch Daten des Statistischen Bundesamts zur Entwicklung von Kraftstoff- und Heizölpreisen in den vergangenen fünf Jahrzehnten hin.
Demnach lagen die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen im März etwa 20 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Leichtes Heizöl verteuerte sich im selben Zeitraum um 44,4 Prozent.
Zum Vergleich: Direkt nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs war der Anstieg deutlich kräftiger. Im März 2022 mussten Verbraucher für Kraftstoffe durchschnittlich 46,8 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Bei leichtem Heizöl lag das Plus gegenüber März 2021 sogar bei 144,4 Prozent.
Hohes Ausgangsniveau dämpft die Wirkung des Iran-Kriegs
Nach Einschätzung der Statistiker wirkt sich der Krieg im Iran derzeit deshalb weniger stark auf die Preise aus, weil Energie schon zuvor ein hohes Niveau erreicht hatte. Dadurch fallen die zusätzlichen Verteuerungen geringer ins Gewicht als noch 2022.
Starke Ausschläge bei den Energiepreisen hat es in internationalen Krisenzeiten immer wieder gegeben. Während der ersten Ölkrise 1973/74 verteuerten sich Kraftstoffe innerhalb eines Jahres um knapp 32 Prozent. In der zweiten Ölkrise 1979/80 lag der Zuwachs bei 28 Prozent. Auch in der Finanzkrise 2008/09 schwankten die Preise an den Weltmärkten erheblich. In der Corona-Pandemie brachen sie zunächst ein, bevor sie sich ab Mitte 2020 wieder erholten.
Niedrige Einkommen trifft die Entwicklung stärker
Besonders stark belastet werden nach Einschätzung des Dresdner Ifo-Instituts Haushalte mit wenig Einkommen. Der Tankrabatt der Bundesregierung habe dagegen Menschen mit niedrigen und hohen Einkommen in ähnlichem Maß entlastet. Zudem zeigten Mobilitäts- und Steuerdaten, dass ein hoher Kraftstoffverbrauch meist mit einem höheren Einkommen verbunden sei.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion