Wirtschaft

So sparen Haushalte mit flexiblem Strom richtig Geld

Strom zur falschen Zeit verbraucht? Mit digitalen Zählern könnten Mieter und Hausbesitzer überraschend viel sparen.

08.09.2026, 14:12 Uhr

Hohe Stromkosten: Deutschland kommt bei digitalen Stromzählern nur langsam voran

Deutsche Haushalte könnten bei den Stromkosten deutlich entlastet werden, wenn der Einbau digitaler Stromzähler schneller vorankäme. Nach Berechnungen des Energiekonzerns Eon und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft ließe sich durch einen flexibleren Stromverbrauch allein in diesem Jahr theoretisch bis zu 1,65 Milliarden Euro einsparen – sowohl für Hausbesitzer als auch für Mieter.

Analoge Stromzähler bremsen Einsparungen aus

In der Praxis bleibt dieses Potenzial bislang jedoch weitgehend ungenutzt. In den meisten Häusern sind weiterhin analoge Stromzähler installiert. Diese erfassen zwar die verbrauchte Strommenge, nicht aber, zu welcher Tageszeit der Strom genutzt wird. Dadurch fehlt für viele Verbraucher der Anreiz, Geräte wie Waschmaschine oder Geschirrspüler gezielt dann laufen zu lassen, wenn Strom günstiger ist.

Der Grund: Die Preise an der Strombörse schwanken im Tagesverlauf. Besonders teuer ist Strom häufig am frühen Morgen und am frühen Abend. Günstiger ist er dagegen meist mittags und in der Nacht, sagte Serafin von Roon, Geschäftsführer der Forschungsstelle für Energiewirtschaft.

Milliarden Kilowattstunden ließen sich auf günstigere Zeiten verschieben

Für ihre Untersuchung haben Eon und die Forschungsstelle berechnet, welcher Teil des Stromverbrauchs in privaten Haushalten nicht an feste Uhrzeiten gebunden ist. Demnach könnten in diesem Jahr rund 18,3 Terawattstunden zeitlich verlagert werden – das entspricht 18,3 Milliarden Kilowattstunden.

Bis 2031 könnte dieses Volumen nach Einschätzung der Autoren auf 34 Terawattstunden steigen, auch wegen des weiteren Ausbaus erneuerbarer Energien. Zum Vergleich: Der jährliche Stromverbrauch Bayerns liegt bei etwa 80 Terawattstunden.

Eigentümer im Vorteil, Mieter oft ohne finanziellen Anreiz

Wer ein eigenes Haus mit Solaranlage auf dem Dach und Batteriespeicher besitzt, kann den Stromverbrauch meist leichter an günstige Zeiten anpassen. Für Mieter ist das deutlich schwieriger. Hinzu kommt, dass übliche Stromtarife mit festen Preisen pro Kilowattstunde oft keinen finanziellen Vorteil bieten, wenn Haushaltsgeräte zu bestimmten Tageszeiten eingeschaltet werden.

Umstellung auf digitale Zähler soll bis 2030 weitgehend abgeschlossen sein

Auch in Deutschland ist der Austausch alter Zähler gegen digitale Modelle inzwischen vorgeschrieben. Die Einführung erfolgt jedoch schrittweise. Die Bundesregierung will den großflächigen Einbau bis 2030 weitgehend abschließen.

Aus der Branche kommt Kritik am langsamen Tempo. „Im Vergleich zu anderen Ländern sind wir total langsam“, sagte Filip Thon, Geschäftsführer von Eon Energie Deutschland. Länder wie Italien, die Niederlande, skandinavische Staaten und Großbritannien seien bei Smart Metern bereits seit Jahren deutlich weiter.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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