Höttges mahnt zu mehr Zuversicht bei Künstlicher Intelligenz
Telekom-Vorstandschef Tim Höttges hat Deutschland und Europa dazu aufgerufen, Künstlicher Intelligenz deutlich offener zu begegnen. Auf der Digitalmesse Digital X in Köln sagte er, hierzulande bremse eine weit verbreitete Skepsis den Fortschritt. Während in China großer Optimismus herrsche und im Silicon Valley ein enormer Drang nach neuen Technologien spürbar sei, kämen beide Regionen bei KI wesentlich schneller voran als Deutschland.
Als Beispiel verwies Höttges auf sogenannte „Dark Factories“ in China. Dabei handelt es sich um Fabriken, in denen KI-gesteuerte Roboter die Arbeit übernehmen und deshalb nicht einmal Licht benötigt wird. Solche Anlagen brächten erhebliche Produktivitätsvorteile. In der industriellen Fertigung sei KI gewissermaßen das steuernde Gehirn. Statt über den Vorsprung Chinas zu klagen, müsse Europa selbst entschlossener handeln, sagte Höttges.
Er bezeichnete KI als eine enorme Chance für Deutschland und Europa. Mit ihrer Hilfe könnten bestehende Nachteile bei Software aufgeholt, Abläufe effizienter gestaltet und Kosten gesenkt werden. Zugleich betonte er, dass der Mensch weiterhin eine zentrale Rolle spielen werde. Seine Begeisterung für das Thema sei echt und gehe über bloße Manager-Rhetorik hinaus, so Höttges.
KI beschleunigt den Kundenservice
Besonders deutlich werde der Nutzen von KI im Kundenservice. Nach Angaben des Telekom-Chefs werden inzwischen rund 60 Prozent der Kundenanfragen des Konzerns von KI-Assistenten bearbeitet. Davon profitierten beide Seiten: Kunden erhielten schneller eine Antwort, und Beschäftigte könnten sich intensiver um komplexere Anliegen kümmern.

Auch persönlich setzt Höttges im Arbeitsalltag auf KI, etwa beim Beantworten von E-Mails. Nach eigenen Worten erledigt er rund 80 Prozent der eingehenden Mails selbst und nutzt dabei digitale Unterstützung. Mit einem Augenzwinkern merkte er an, seine Sekretärin habe dadurch vergleichsweise wenig zu tun.
Trotz aller Chancen warnte Höttges vor einem unkritischen Umgang mit der Technologie. KI müsse dem Menschen dienen und dürfe nicht lediglich dazu führen, dass einige wenige große US-Konzerne ihre Gewinne weiter steigern.
Telekom prüft Teilnahme an EU-Projekt für KI-Rechenzentrum
Darüber hinaus kündigte Höttges an, dass die Deutsche Telekom voraussichtlich an einer EU-Ausschreibung für ein milliardenschweres KI-Rechenzentrum, eine sogenannte AI-Gigafactory, teilnehmen will. Das Unternehmen arbeite an einer Investition in Milliardenhöhe im Rahmen des europäischen Verfahrens. Unter passenden Bedingungen sei die Telekom bereit, in Deutschland die notwendige Infrastruktur bereitzustellen.
Nach den Worten des Konzernchefs laufen die Vorbereitungen für die Bewerbung mit hoher Intensität. Die Frist für die Einreichung endet am 12. November.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber