Wirtschaft

Schufa kontert Kritik: Was steckt wirklich im neuen Score?

Gibt die Schufa Firmen mehr preis als Verbrauchern? Neue Vorwürfe stellen ihre Transparenz infrage – die Auskunftei schlägt zurück.

30.09.2026, 11:16 Uhr

Neue Kritik an der Schufa wegen mangelnder Transparenz

Die Schufa steht erneut wegen angeblich fehlender Offenheit in der Kritik. Nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung soll die Auskunftei bei der Umstellung ihrer Bonitätsbewertung im März den Eindruck vermittelt haben, künftig gebe es nur noch einen einzigen, für Verbraucher leicht verständlichen Score.

Den Berichten zufolge stimmt das jedoch nur teilweise. Demnach habe die Schufa im Hintergrund weitere, deutlich komplexere Bewertungsmodelle entwickelt und diese bereits Unternehmenskunden zur Verfügung gestellt – unter anderem für die Vergabe von Immobilienkrediten. Die SZ kritisiert, dass Verbraucher in der Schufa-App zwar einen angeblich transparenten Wert sehen, bei Krediten oder Vertragsabschlüssen aber weiterhin nach Kriterien beurteilt würden, die sie weder kennen noch beeinflussen können.

Neuer Basis-Score soll den "Blackbox"-Vorwurf entkräften

Auch als Reaktion auf den Vorwurf, ihre Verfahren seien eine undurchsichtige "Blackbox", hat die Schufa mit Sitz in Wiesbaden seit dem 17. März einen vereinfachten Score eingeführt. Dieser basiert auf zwölf Kriterien und kann bis zu 999 Punkte erreichen. Berücksichtigt werden etwa das Alter des ältesten Bankkontakts, die älteste Kreditkarte oder mögliche Zahlungsstörungen.

Nach Darstellung der Schufa sollen Verbraucher damit nachvollziehen können, wie ihre Bonität zustande kommt. Zu den aktuellen Medienberichten erklärte das Unternehmen, das Ziel bestehe darin, die bisher rund 50 unterschiedlichen Bonitätsscores langfristig auf nur noch wenige zu reduzieren. Der neue Score solle dabei die zentrale Kennzahl für Verbraucher werden und bis Ende 2028 nach Erwartungen der Schufa für mehr als 80 Prozent aller Bonitätsbewertungen stehen.

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Die seit Juli 2020 amtierende Schufa-Chefin Tanja Birkholz hat angekündigt, die Geheimniskrämerei zu beenden. (Archivild) Quelle: Florian Wiegand/dpa

Eigener Score für Bau- und Immobilienfinanzierungen

Für Hypotheken gab es laut Schufa bereits bisher einen gesonderten Score, der jedoch nur selten angefragt worden sei. Das Unternehmen begründet einen eigenen Wert für Immobilienkredite mit deren besonderem Charakter: hohe Summen und lange Laufzeiten machten eine spezielle Bewertung sinnvoll.

Nach eigenen Angaben hat die Schufa deshalb zusätzlich zum neuen Verbraucherscore auch einen verständlich aufgebauten Hypothekenscore entwickelt. Sobald dieser im Markt für Immobilienkredite für Verbraucher eine größere Rolle spiele, wolle man ihn ebenfalls verpflichtend mit allen Kriterien in der App anzeigen und öffentlich erläutern.

Firmenkunden können weitere Bonitätsdaten erhalten

Darüber hinaus bietet die Schufa Unternehmen auf Wunsch zusätzliche Informationen an. Banken können demnach etwa erfahren, wie viele Kredite eine Person insgesamt hat oder wie hoch die Summe ihrer laufenden Kredite und Leasingverträge ist. Solche zusammengefassten Bonitätsdaten könnten Firmen in ihre eigenen Risikomodelle einfließen lassen, so die Schufa.

Nach Angaben der Auskunftei nutzen bislang nur wenige große Kunden dieses Angebot. Die Unternehmen würden aus diesen aggregierten Daten anhand ihrer eigenen statistischen Verfahren eigene Bewertungen ableiten. Verbraucher könnten die zugrunde liegenden Informationen aber jederzeit über ihre Schufa-Datenkopie oder in der App einsehen.

Schufa verweist auf Rolle der Banken

Zugleich betont die Schufa seit Langem, dass sie nicht selbst über die Vergabe von Krediten entscheidet. Ihre Scores und Bonitätsinformationen seien lediglich ein Faktor unter mehreren. Ob ein Kredit gewährt werde und zu welchen Bedingungen, legten Banken und andere Unternehmen nach eigenen Regeln fest.

Trotzdem haben die Daten von Auskunfteien wie Schufa, Creditreform oder Crif in der Praxis großes Gewicht. Sie dienen Banken, Versandhändlern, Mobilfunkfirmen und Energieanbietern als wichtiger Maßstab. Die Schufa verfügt nach eigenen Angaben über Daten von rund 68 Millionen Menschen in Deutschland.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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