Das Ende des Prozesses um die mutmaßliche Entführung der beiden jüngsten Kinder von Christina Block rückt näher. Vor dem Landgericht Hamburg setzt die 53-jährige Unternehmerin ihre umfangreiche Einlassung fort und versucht erneut, das Gericht von ihrer Unschuld zu überzeugen. Über Stunden arbeitet sie chronologisch offene Fragen, Ergänzungen und aus ihrer Sicht entstandene Widersprüche auf. An ihrer zentralen Darstellung hält sie fest: Von einer geplanten Aktion in der Silvesternacht 2023/24 habe sie nichts gewusst.
„Ich wusste nicht, dass so etwas geplant war.“
Block: Keine Kenntnis von der Rückholaktion
Block ist angeklagt, nach dem eskalierten Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, ihren damals zehnjährigen Sohn und ihre 13 Jahre alte Tochter vom Wohnort des Vaters Stephan Hensel in Dänemark nach Deutschland bringen zu lassen. Sie weist die Vorwürfe zurück.
In dem seit mehr als einem Jahr laufenden Verfahren sitzen insgesamt sieben Angeklagte auf der Anklagebank. Darunter ist auch Blocks Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling, dem Beihilfe vorgeworfen wird. Nur ein 37-jähriger Mann aus Israel hat die Vorwürfe eingeräumt. Für alle Beschuldigten gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
„Ich weiß doch, dass meine Kinder mich lieben“
Block schilderte erneut den familiären Konflikt mit ihrem Ex-Mann. Nach ihrer Darstellung habe dieser die Kinder im August 2021 nach einem Wochenendbesuch nicht zurückgebracht. Den Kontakt zu ihnen habe sie danach verloren. Mit Blick auf das spätere Wiedersehen sagte sie, man dürfe nicht vergessen, dass sie ihre Kinder zuvor zweieinhalb Jahre lang nicht gesehen habe.
Die Unternehmerin sagte, sie sei alles andere als ein perfekter Mensch und keine perfekte Mutter. Zugleich betonte sie, die Kinder seien vor Sommer 2021 in Hamburg glücklich gewesen. Die spätere Ablehnung führt sie auf den Einfluss des Vaters zurück; dieser bestreitet das. Block sagte: „Ich weiß doch, dass meine Kinder mich lieben.“
Sie schilderte außerdem, wie schön es für sie gewesen sei, Sohn und Tochter wieder in Hamburg zu haben. Am 5. Januar 2024 habe sie die Kinder nach einer Hamburger Gerichtsentscheidung zu ihrem Ex-Mann zurückbringen lassen. In ihren Kalender habe sie an diesem Tag „Noch mal entrissen“ eingetragen. Während ihrer Erklärung bat sie den Tränen nah um eine kurze Pause.
Eugen Block enttäuscht – Schuldzuweisungen weist sie zurück
Die Unternehmerin, Tochter des „Block House“-Gründers Eugen Block, erklärte zudem, ihr Vater sei enttäuscht gewesen, dass es ihr trotz aller Bemühungen über Jahre nicht gelungen sei, die Kinder zurückzubekommen. Sie habe sich dafür geschämt. Über ihren Vater sagte sie, dieser habe oft die Haltung, „einfach alles besser zu wissen“.
Einige Aktionen, etwa eine Geschenkübergabe im Dezember 2023, seien nach ihrer Darstellung nicht mit ihr, sondern allein zwischen ihrem Vater und dem ebenfalls angeklagten Familienanwalt Andreas Costard abgesprochen worden. Zugleich wies Block Berichte zurück, sie wolle die Verantwortung auf andere schieben. „Ich beschuldige Herrn Dr. Costard nicht, und auch nicht meinen Vater“, sagte sie.
Streitpunkt Treffen im Elysée-Hotel
Eine zentrale Rolle im Prozess spielt weiter die Frage, ob es am 28. Dezember 2023 ein Treffen zwischen Block und den mutmaßlichen Entführern im Hamburger Elysée-Hotel gab. Block verneinte das erneut deutlich. Sie könne sicher sagen, dass sie an einem solchen Treffen nicht teilgenommen habe.
Damit widersprach sie der Darstellung von David Barkay, dem Chef der Sicherheitsfirma. Dieser hatte vor Gericht ausgesagt, sein gesamtes Team sei aus Israel nach Hamburg gereist und habe Block im Hotel getroffen. Sie habe dem maskierten Team demnach dafür gedankt, gekommen zu sein, um die Kinder zu retten. Barkay sagte zudem, er habe den Eindruck gehabt, im Namen der Familie zu handeln.
Block bestätigte allerdings, Barkay bei diesem Hotelbesuch kurz getroffen zu haben. Nach ihrer Darstellung sei dabei kein Wort über das gesprochen worden, was später in der Silvesternacht geschah. Man habe unter anderem kurz über die finanzielle Lage seiner Firma und über die Kinder gesprochen. Mit den übrigen Teammitgliedern sei sie nach eigener Aussage nicht in einem Raum gewesen.
Vertraute „Olga“ und der Vorwurf der Täuschung
Block erklärte, eine enge Mitarbeiterin Barkays, die in Hamburg unter dem Namen „Olga“ auftrat, sei für sie 2023 zu einer Vertrauten geworden. Diese habe ihr Barkay als „Gentleman“ beschrieben. Heute fühle sie sich von ihm getäuscht. Zugleich sagte sie: „Es schmerzt mich von tiefstem Herzen, was meinen Kindern geschehen ist.“
Kissen und Kuscheltiere? Block weist auch das zurück
Außerdem widersprach Block dem Vorwurf, sie habe den Israelis im Hotel persönliche Gegenstände der Kinder wie Kissen oder Kuscheltiere übergeben. Zwar zeigen Aufnahmen einer Überwachungskamera, dass sie damals mit einer Tüte das Hotel betrat. Dazu sagte sie, möglicherweise habe sie lediglich Küchenutensilien vom Weihnachtsmenü in die Hotelküche zurückgebracht.
Zugleich räumte sie ein, in den Monaten zuvor immer wieder Gegenstände an Personen übergeben zu haben, die Kontakt zu den Kindern herstellen sollten. Auch „Olga“ habe sie früher nach solchen Dingen gefragt. Nach Angaben Blocks hatten die Kinder nach der Entführung bei der Polizei erklärt, sie hätten von den Kidnappern Kissen und Kuscheltiere erhalten.
Finanzierung der Aktion erneut bestritten
Wie bereits zuvor wies Block zurück, die Rückholaktion bezahlt zu haben. Sie bestätigte, im Oktober 2023 insgesamt 75.000 Euro von ihrem Konto abgehoben zu haben. Dieses Geld sei jedoch für eine einvernehmliche Lösung im Sorgerechtsstreit vorgesehen gewesen. Eine Verhandlungslösung mit ihrem Ex-Mann sei für sie damals weiterhin denkbar gewesen.
Nach ihren Angaben erfuhr sie erst später, dass auch ihre Mutter Christa Block 60.000 Euro an den Familienanwalt überwiesen und zusätzlich 120.000 Euro in bar abgehoben hatte. Davon habe sie erst 2024 bei der Durchsicht von Kontoauszügen ihrer Mutter erfahren. Christa Block war im Juli vergangenen Jahres gestorben. Wofür das Geld bestimmt gewesen sei, könne sie nicht sagen.
Frühere Aussage in Teilen korrigiert
Bereits am Vortag hatte Block damit begonnen, ihre frühere Erklärung in einzelnen Punkten zu präzisieren. Dabei räumte sie ein, dass es schon beim ersten Gespräch mit Barkay Anfang 2023 um ihre Kinder gegangen sei. Nach ihrer jetzigen Darstellung habe es damals aber lediglich um die Beschaffung von Informationen gegangen, die ihr im Sorgerechtsstreit helfen sollten. Dass sie das zunächst anders dargestellt hatte, erklärte sie damit, sich daran nicht mehr erinnert zu haben.
Damit korrigierte sie ihre frühere Aussage vom Prozessbeginn im Juli 2025, wonach Barkays Firma zunächst nur mit Fragen der Cybersicherheit in der Block-Gruppe befasst gewesen sei. Barkay hatte diese Version in seiner Zeugenaussage als falsch bezeichnet und erklärt, dieses Thema habe erst deutlich später eine Rolle gespielt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber