Samsung meldet Rekordgewinn – Aktie fällt dennoch deutlich
Samsung Electronics erwartet für das zweite Quartal einen operativen Gewinn von 89,4 Billionen Won (etwa 51 Milliarden Euro) und damit den höchsten Quartalswert der Firmengeschichte. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum würde das einem Anstieg von mehr als 1.800 Prozent entsprechen.
Es ist bereits das dritte Quartal in Folge, in dem der südkoreanische Technologiekonzern einen neuen Bestwert erzielt. Zum Vergleich: Für das gesamte Jahr 2025 hatte Samsung einen operativen Gewinn von 43,6 Billionen Won ausgewiesen – also weniger als die Hälfte der nun erwarteten Summe für nur ein Quartal. Einen separaten Nettogewinn nennt das Unternehmen in der ersten Mitteilung wie üblich nicht.
Treiber des Gewinnsprungs ist vor allem der anhaltende Boom rund um künstliche Intelligenz. Weltweit steigt der Bedarf an Rechenzentren und leistungsfähigen Prozessoren stark. Davon profitiert besonders das Geschäft mit Speicherchips, in dem Samsung global führend ist. Weil die Nachfrage die Produktionskapazitäten übersteigt, haben zudem die höheren Halbleiterpreise die Erträge zusätzlich angeschoben.
Trotz Rekordzahlen gerät die Aktie unter Druck
An der Börse kam die Nachricht dennoch nicht gut an. Die Samsung-Aktie verlor am Dienstag bis Handelsschluss knapp 7 Prozent, zwischenzeitlich lag sie sogar rund 10 Prozent im Minus.
Marktbeobachter führen das unter anderem darauf zurück, dass die starken Ergebnisse bereits seit längerer Zeit erwartet worden waren. Viele Investoren hatten die positiven Aussichten demnach schon eingepreist. Entsprechend reichte selbst ein historisch starkes Quartal nicht aus, um die hohen Erwartungen noch einmal zu übertreffen.

Zudem wächst die Skepsis, ob das derzeitige Tempo der KI-Investitionen dauerhaft gehalten werden kann. Einige Anleger nutzten die Zahlen offenbar, um Gewinne mitzunehmen und ihre Positionen abzusichern.
Hohe Gewinne, aber auch enorme Ausgaben
Einige Ökonomen sehen in der Reaktion der Märkte bereits einen ersten ernsthaften Belastungstest für den KI-Boom. Trotz hervorragender Geschäftszahlen bleibe die Unsicherheit groß, weil viele führende KI-Unternehmen bislang noch keine dauerhaft tragfähigen Geschäftsmodelle vorgelegt hätten, mit denen sich die gewaltigen Investitionen nachhaltig rechtfertigen ließen.
Zusätzlich steht Samsung im Wettbewerb mit dem heimischen Rivalen SK Hynix, der vom KI-Trend besonders stark profitiert. Das Unternehmen aus Icheon hatte früh auf HBM-Chips (High Bandwidth Memory) gesetzt, die derzeit stark gefragt sind. SK Hynix gilt inzwischen als wichtigster Lieferant dieser Speicherchips für den US-Konzern Nvidia.
Im Juni hatte SK Hynix Samsung sogar kurzzeitig als wertvollstes Unternehmen Südkoreas nach Börsenwert überholt. Inzwischen liegt Samsung wieder vorne.
Gleichzeitig steigen die Investitionen in der Branche massiv. Ende Juni stellte Präsident Lee Jae Myung eines der größten industriepolitischen Vorhaben in der Geschichte Südkoreas vor. Geplant sind Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe für Chipfertigung, Rechenzentren und Robotik. Kernstück ist ein Halbleiter-Cluster im Südwesten des Landes mit einem Volumen von umgerechnet rund 450 Milliarden Euro, das vor allem von Samsung und SK Hynix aufgebaut werden soll.
Rekordgewinne befeuern Debatte über Verteilung
Die außergewöhnlich hohen Gewinne der großen Chipkonzerne haben in Südkorea auch eine Debatte über die Verteilung des Wohlstands ausgelöst. Ende Mai akzeptierten Mitglieder der Samsung-Gewerkschaft nach Streikdrohungen einen Kompromiss mit dem Management. Dieser sieht für Beschäftigte der besonders profitablen Halbleitersparte Jahresprämien von mehreren Hunderttausend Euro pro Person vor. Präsident Lee hatte einige Forderungen aus Gewerkschaftskreisen zwischenzeitlich als „exzessiv“ bezeichnet.
Während die großen Tech-Unternehmen von der starken KI-Nachfrage profitieren und hohe Löhne sowie Boni zahlen, ist die Lage in anderen Branchen deutlich angespannter. Vor allem bei den unter 30-Jährigen ist die Arbeitslosigkeit zuletzt spürbar gestiegen. Hinzu kommt die Sorge, dass der KI-Boom zwar der Tech-Industrie nutzt, zugleich aber zahlreiche Jobs – insbesondere im verarbeitenden Gewerbe – überflüssig machen könnte.
Bei den nun vorgelegten Zahlen handelt es sich zunächst nur um eine erste Schätzung. Detaillierte Ergebnisse will Samsung voraussichtlich später im Monat veröffentlichen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber