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Rolling Stones: Warum es ihnen noch immer Spaß macht

Kaum zu glauben: Auf «Foreign Tongues» klingen die Stones explosiv wie nie. Wie Jagger singt – und warum im Studio getanzt wird.

07.07.2026, 09:04 Uhr

Mit 83 erstaunlich präsent: Die Rolling Stones legen mit „Foreign Tongues“ nach

Mick Jagger wird in diesem Monat 83 Jahre alt – zu hören ist ihm das auf dem neuen Rolling-Stones-Album allerdings nicht. Auf „Foreign Tongues“, der insgesamt 25. Platte der Band, wirkt seine Stimme auffallend vital. Besonders die entspannte Single „Jealous Lover“ mit ihrem R&B- und Soul-Einschlag zeigt, wie locker Jagger noch immer ins Falsett wechselt.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in London erklärte der 82-Jährige, das sei ganz organisch entstanden. Den Song habe er am Klavier geschrieben und zunächst komplett im Falsett gesungen. Erst im Studio habe er beschlossen, verschiedene Stimmlagen einzubauen. Wirklich schwierig sei das für ihn nicht, sagte Jagger.

Gitarrist Ronnie Wood zeigte sich dennoch beeindruckt. Jagger habe die Band damit überrascht, wie viel Kraft weiterhin in seiner Stimme stecke. Für Wood setzt der Sänger mit jeder Aufnahme die Messlatte erneut höher.

Klassischer Stones-Klang mit viel Abwechslung

Schon die ersten Stücke machen klar, dass die Rolling Stones auf „Foreign Tongues“ ihren typischen Sound nicht verloren haben. Den Auftakt bildet der raue Bluesrocker „Rough And Twisted“, der direkt an die frühen musikalischen Wurzeln der Band erinnert.

Danach folgt mit „In The Stars“ eine hymnische Midtempo-Nummer für große Bühnen. Der Refrain strahlt Optimismus aus, dazu kommt ein Gitarrenriff, das vertraut wirkt und irgendwo zwischen „Start Me Up“ und „Rock And A Hard Place“ liegt. So eingängig und popnah klangen die Stones schon länger nicht mehr.

Rolling Stones zeitlos gut: «Es macht immer noch Spaß»
Das neue Rolling-Stones-Album «Foreign Tongues» erscheint am 10. Juli. Quelle: Universal Music/dpa

Vielseitigkeit gehört seit jeher zum Markenzeichen der Band, und auch diesmal ist das Album stilistisch breit aufgestellt. Jagger beschreibt das Prinzip dahinter so, dass eine Platte frisch und zeitlos wirke, wenn möglichst viele unterschiedliche Richtungen zusammenkämen. Auf „Foreign Tongues“ reicht die Palette von Rock über tanzbare Songs und Country bis zu Balladen.

Als auffälligster Dance-Track sticht „Never Wanna Lose You“ hervor – getragen von einer pulsierenden Basslinie und einem mitreißenden Groove. „Hit Me In The Head“ setzt dagegen ganz auf rohe Rock-Energie.

Melancholie, Tribute und politische Spitzen

Mit „Back in Your Life“ ist auch eine gefühlvolle, melancholische Ballade auf dem Album vertreten. Ronnie Wood sagte, sein ausgedehntes Gitarrensolo sei durch den Tod zweier prägender Musiker beeinflusst worden: Brian Wilson von den Beach Boys und Soul-Pionier Sly Stone.

Beide hätten sein Leben stark geprägt, so Wood, und ihr Tod innerhalb derselben Woche sei ein schwerer Verlust gewesen. Vor allem an Brian Wilson habe er während des Spiels gedacht – dann habe sich das Solo fast wie von selbst entwickelt.

Auch politische Untertöne sind diesmal wieder deutlicher zu hören. Die Country-Folk-Ballade „Ringing Hollow“ klingt zunächst wie ein Liebeslied über eine vergangene Beziehung. Erst nach und nach wird klar, dass sich der Text auf die USA bezieht. Jagger singt darin sinngemäß, dass Lady Liberty nicht gut aussehe, wenn sie das Gesicht verziehe.

In „Mr Charm“ verteilt er außerdem einen Seitenhieb gegen den „verrückten Mogul Mr. Musk“.

Mehr Schwung als auf „Hackney Diamonds“

Bereits 2023 meldeten sich die Rolling Stones mit „Hackney Diamonds“ eindrucksvoll zurück, ihrem ersten Studioalbum seit 18 Jahren. Nur drei Jahre später legen sie mit „Foreign Tongues“ aus Sicht vieler sogar noch stärker nach. Ronnie Wood sprach davon, dass die Band genau diesen alten Schwung brauche – jenen Geist aus den 60er- und frühen 70er-Jahren, wie er in den Zeiten von Produzent Jimmy Miller zu spüren war. Miller betreute einst Klassiker wie „Let It Bleed“ (1969) und „Exile on Main St.“ (1972).

Wie schon beim Vorgänger saß auch diesmal Andrew Watt am Produzentenpult. Der 35-Jährige arbeitete zuletzt unter anderem mit Paul McCartney. Der Ex-Beatle ist auf „Foreign Tongues“ ebenfalls zu hören und spielt bei „Covered in You“ den Bass.

Wood lobte Watt für seine jugendliche Energie, seine Begeisterung und sein musikalisches Verständnis. Er könne seine Ideen nicht nur formulieren, sondern auch praktisch vorführen, singe selbst ein wenig und spiele mehrere Instrumente. Gerade deshalb nehme die Band seine Vorschläge ernst.

Steve Jordan bringt neue Wucht ins Studio

Nach dem Tod von Charlie Watts ist „Foreign Tongues“ das zweite Stones-Album mit Schlagzeuger Steve Jordan. Mit seinem druckvollen Stil verleiht er den Songs viel Schub. Wood beschrieb ihn als regelrechte Explosion, die das Vermächtnis von Watts fortführe – allerdings mit noch mehr Wucht im Beat.

Die Band veröffentlichte außerdem Aufnahmen aus dem Studio, auf denen Jagger gemeinsam mit Jordan tanzt. Dahinter steckt mehr als nur gute Laune: Jagger erklärte, er müsse mit Jordan rhythmisch vollkommen im Einklang sein, so wie früher mit Charlie Watts. Das Tanzen helfe ihm zu spüren, ob der Groove eines Songs wirklich stimme. Es sehe locker aus, sei für ihn aber Teil der Arbeit.

Die Szenen zeigen zugleich, wie entspannt und lebendig die Atmosphäre bei den Aufnahmen war. Ronnie Wood sagte, die Band könne lange keinen Kontakt haben – doch sobald sie wieder zusammenkomme, sei die alte Energie sofort zurück, oft sogar stärker als früher. Jagger brachte es knapp auf den Punkt: „Es macht immer noch Spaß.“

Genau das hört man dem Album an. Auch nach mehr als sechs Jahrzehnten Bandgeschichte klingen die Rolling Stones auf „Foreign Tongues“ überraschend frisch. Statt bloßer Rückschau liefern sie ein Rock-’n’-Roll-Album, das nicht von Nostalgie lebt, sondern aus eigener Kraft überzeugt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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