Fußball

Nach WM-Startpleite: Fliegt Tunesiens Trainer jetzt?

WM-Drama bei Tunesien: Fliegt der Trainer schon nach dem ersten Spiel? Sein Nachfolger soll bereits feststehen.

15.06.2026, 15:10 Uhr

Tunesiens Nationaltrainer offenbar schon entlassen

Der WM-Teilnehmer Tunesien hat sich während des laufenden Turniers offenbar von Nationalcoach Sabri Lamouchi getrennt. Nach dpa-Informationen reagierte die Verbandsspitze damit auf das deutliche 1:5 zum Auftakt gegen Schweden in Monterrey.

Für den 54 Jahre alten Franzosen könnte die erste WM-Partie damit bereits das letzte Spiel als Trainer der Nordafrikaner gewesen sein. Vor den beiden verbleibenden Gruppenspielen gegen Japan am Sonntag (06.00 Uhr/MagentaTV) und die Niederlande am Freitag, 26. Juni (ARD und MagentaTV), soll nun der erfahrene Mondher Kbaier übernehmen.

Der 56-Jährige kennt die Auswahl bestens: Er betreute Tunesiens Nationalmannschaft bereits von 2019 bis 2022. Danach arbeitete er bei Raja Casablanca in Marokko sowie beim Club Africain in Tunis. Als Technischer Direktor des Verbands war Kbaier schon mit dem Team zur Weltmeisterschaft nach Mexiko gereist.

Debakel gegen Schweden

Die tunesische Mannschaft mit den Bundesliga-Profis Rani Khedira vom 1. FC Union und Ellyes Skhiri von Eintracht Frankfurt war gegen Schweden nahezu chancenlos. Für die Skandinavier traf Yasin Ayari früh in der 7. Minute und noch einmal tief in der Nachspielzeit (90.+6). Außerdem waren Alexander Isak (30.), Viktor Gyökeres (59.) und Mattias Svanberg erfolgreich.

Den einzigen Treffer für Tunesien erzielte der frühere Herthaner Omar Rekik in der 43. Minute. Bei der WM 2022 in Katar hatten die Tunesier in der Vorrunde noch den späteren Finalisten Frankreich bezwungen – vier Jahre später geriet der Start ins Turnier nun jedoch zum Debakel.

"Das ist eine schmerzliche Niederlage. Sie tut weh. Den Wettbewerb mit einer solch herben Niederlage zu beginnen, ist schwer", sagte Lamouchi nach dem Spiel. Zu diesem Zeitpunkt ahnte er offenbar noch nicht, dass es wohl seine letzte Pressekonferenz als Nationaltrainer gewesen sein könnte.

Nur ein Sieg unter Lamouchi

Lamouchi hatte das Amt erst im Januar dieses Jahres übernommen. In den fünf Länderspielen unter seiner Leitung gelang lediglich ein Sieg, ein 1:0 gegen WM-Außenseiter Haiti. Schon in der Vorbereitung auf das Turnier hatte Tunesien wenig überzeugt: Gegen Österreich gab es ein 0:1, gegen Belgien in der Generalprobe sogar ein 0:5.

Schwieriger Kader als zusätzliche Belastung

Tunesische Medien hatten schon vor Beginn der Weltmeisterschaft von einem schwer zu führenden Kader geschrieben. Demnach harmonierten erfahrene und neu berufene Spieler nur unzureichend, zudem sei ein nötiger personeller Umbruch unter Lamouchis Vorgänger immer wieder verschleppt worden. Bereits beim Afrika-Cup im vergangenen Winter war Tunesien mit einem enttäuschenden Achtelfinal-Aus gegen Mali gescheitert.

Sollte Kbaier nun tatsächlich übernehmen, wartet auf ihn sofort eine heikle Mission. In Gruppe F steht Tunesien nach dem Fehlstart massiv unter Druck und braucht in den verbleibenden Partien dringend Punkte.

Lamouchis Laufbahn von Rückschlägen geprägt

Als aktiver Profi galt Lamouchi als technisch herausragender Spieler und stand unter anderem bei AS Monaco, Parma, Inter Mailand und Olympique Marseille unter Vertrag. Auch als Trainer erlebte er jedoch mehrfach unglückliche Wendungen.

Mit der Elfenbeinküste erreichte er zwar die WM 2014 in Brasilien, schied dort aber trotz eines Auftaktsiegs gegen Japan noch in der Gruppenphase aus – weil Griechenland im letzten Vorrundenspiel in der Nachspielzeit zum 2:1 traf.

Auch mit Nottingham Forest verpasste er 2020 den großen Erfolg nur knapp. Der Traditionsclub stand kurz vor dem Aufstieg in die Premier League, ehe nach der Corona-Unterbrechung der Einbruch folgte.

Den schnellsten Trainerwechsel bei einer Weltmeisterschaft erlebte Lamouchi damit immerhin nicht: 2018 trennte sich Spanien schon zwei Tage vor dem ersten Spiel von Julen Lopetegui, nachdem dessen Verhandlungen mit Real Madrid öffentlich geworden waren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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