Drägerwerk-Chef Stefan Dräger fordert in der Diskussion über ein mögliches weitreichendes PFAS-Verbot in der EU ein Eingreifen der Bundesregierung. Aus seiner Sicht könnte Berlin den Vorschlag noch beeinflussen, wenn neben fachlichen auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen politisch neu bewertet würden. Er erwarte deshalb ein Signal der Regierung, um den Industriestandort Deutschland zu schützen.
PFAS sind per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, also eine große Gruppe industriell gefertigter Chemikalien mit wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften. Von ihnen sind mehr als 10.000 Verbindungen bekannt. Weil sie in Umwelt und Organismus kaum abgebaut werden, gelten sie als besonders langlebig. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass einzelne Stoffe gesundheitliche Risiken bergen.
Nach Ansicht von Dräger hätte die derzeit diskutierte Regulierung gravierende Folgen für viele Unternehmen und sei nicht nur für seinen Konzern existenzgefährdend. Er plädiert dafür, besonders wichtige PFAS weiterhin zuzulassen, sofern sie nicht giftig und nicht wasserlöslich sind. Voraussetzung sei allerdings eine strenge Kontrolle entlang der gesamten Kette von Herstellung über Nutzung bis zur Entsorgung. Zwar gehörten PFAS wegen ihrer Beständigkeit nicht in die Umwelt, sagte Dräger, doch nicht jede Verbindung sei automatisch gefährlich.
Die Bezeichnung „Ewigkeitschemikalien“ weist der Unternehmenschef zurück. Seiner Auffassung nach werde der Begriff von Umweltaktivisten genutzt, um gezielt Stimmung zu machen.
Bewertung soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden
PFAS unterliegen bereits heute zum Teil internationalen, europäischen und nationalen Vorgaben. Auf EU-Ebene läuft seit 2023 ein umfassendes Beschränkungsverfahren, das von Behörden aus fünf europäischen Staaten, darunter Deutschland, angestoßen wurde. Diskutiert werden mehrere Varianten. Ein vollständiges Verbot gilt inzwischen als eher unrealistisch. Die laufende Bewertung soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Dräger kritisierte zudem, dass der Vorstoß aus Deutschland nicht auf einer Entscheidung des Bundestags beruhe. Deshalb fehle aus seiner Sicht die demokratische Legitimation.
Der 63-jährige Stefan Dräger führt das 1889 in Lübeck gegründete Familienunternehmen in fünfter Generation. Der börsennotierte Konzern beschäftigte im vergangenen Jahr mehr als 16.000 Menschen und setzte fast 3,5 Milliarden Euro um. Die Mehrheit der Stammaktien befindet sich im Besitz der Familie Dräger.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber