Der Wohnungsmangel bremst nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland. In einem Gutachten der Ökonomen, die das Ministerium von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) beraten, heißt es, hohe Mieten belasteten private Haushalte und erschwerten den Wechsel in produktivere Jobs. Dadurch werde fehlender Wohnraum zunehmend zu einem Hindernis für das Wirtschaftswachstum.
Der Vorsitzende des Beirats, Felix Bierbrauer, betonte, dass der gesamten Volkswirtschaft Chancen entgingen, wenn Menschen besser bezahlte Stellen nicht annehmen könnten, weil am neuen Arbeitsort keine bezahlbare Wohnung verfügbar sei. Aus seiner Sicht ist der Bau zusätzlicher Wohnungen in wirtschaftlich starken Regionen daher eine zentrale wirtschaftspolitische Aufgabe.
Hohe Mieten schmälern den Nutzen eines Umzugs
Dem Gutachten zufolge richtet sich die Binnenwanderung in Deutschland immer seltener nach regionalen Lohnunterschieden. Gleichzeitig würden höhere Einkommen zunehmend durch steigende Wohnkosten aufgezehrt. Wer heute wegen eines Jobs umziehe, habe oft kaum mehr Geld übrig als zuvor, sagte Bierbrauer mit Blick auf stark gestiegene Mieten bei Neuverträgen. Damit verliere der Wechsel von einer Region mit niedrigen Löhnen in eine Hochlohnregion an Reiz.
Um gegenzusteuern, empfiehlt der Beirat unter anderem, Kommunen stärker dazu zu bewegen, neues Bauland bereitzustellen. Derzeit gebe es dabei Fehlanreize: Städte und Gemeinden müssten oft die Folgekosten für zusätzliche Schulen, Kitas, Sportanlagen und Verkehrswege tragen, während die Wertsteigerungen bei Grundstücken häufig privaten Eigentümern zugutekämen. Deshalb schlagen die Ökonomen vor, Eigentümer und Bauherren stärker an diesen Lasten zu beteiligen, etwa über eine ausgeweitete Infrastrukturkostenumlage oder einen Planungswertausgleich.
Außerdem regt der Beirat an, ältere Bebauungspläne pauschal für mehr Geschossfläche zu öffnen. Auch innerhalb bestehender Wohngebiete sollten behutsame Erweiterungen einfacher möglich sein. So könnte neuer Wohnraum entstehen, ohne jedes Vorhaben einzeln gegen lokalen Widerstand durchsetzen zu müssen. Zusätzlich bringen die Fachleute steuerliche Entlastungen für berufsbedingte Umzüge ins Gespräch.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber