Bayerns Verteilnetzbetreiber planen massiven Netzausbau bis 2045
Bayerns regionale Stromnetzbetreiber wollen ihre Netze in den kommenden zwei Jahrzehnten deutlich ausbauen. Bis 2045 sollen nach aktuellen Planungen rund 106.000 Kilometer neue Stromleitungen entstehen. Davon entfallen etwa 100.000 Kilometer auf das Nieder- und Mittelspannungsnetz, weitere 6.000 Kilometer sind im Hochspannungsbereich vorgesehen. Das teilten die Lechwerke in Augsburg mit.
Für den Ausbau werden Investitionen von rund 50 Milliarden Euro veranschlagt. Die überarbeiteten Ausbaupläne der Netzbetreiber mit jeweils mehr als 100.000 Kundinnen und Kunden sind öffentlich auf VNBdigital einsehbar, dem Online-Portal des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft zum Netzausbau.
Umbau wegen Energiewende und Kraftwerksausstieg
Hintergrund der Vorhaben ist der tiefgreifende Umbau des Energiesystems. Weil Deutschland nahezu zeitgleich aus der Atomkraft und der Kohleverstromung aussteigt, müssen auch die Stromnetze angepasst werden. Größter Verteilnetzbetreiber im Freistaat ist das Bayernwerk. Ebenfalls jeweils mehr als 100.000 Kundinnen und Kunden versorgen Allgäunetz, LEW Verteilnetz, Mainfranken Netze, N-ERGIE Netz sowie die Stadtwerke München, Augsburg, Regensburg und Ulm/Neu-Ulm.
Stromverbrauch könnte regional auf das Drei- fache steigen
Als Zielmarke gilt das Jahr 2045, da die Bundesregierung bis dahin Klimaneutralität erreichen will. Nach Einschätzung der bayerischen Verteilnetzbetreiber wird sich die Einspeisung von Solar- und Windstrom im Freistaat innerhalb der nächsten knapp 20 Jahre auf etwa 100 Gigawatt pro Jahr erhöhen und damit etwa auf das Zweieinhalbfache wachsen. Im Jahr 2024 lagen die Werte laut Statistischem Landesamt bei 45 Gigawattstunden. Daten für 2025 und 2026 liegen noch nicht vor.
Gleichzeitig rechnen die Betreiber damit, dass der Strombedarf je nach Region auf das Doppelte bis Dreifache ansteigen wird.
Mehr E-Autos, elektrische Heizungen und Speicher
Als Hauptgründe nennen die Unternehmen vor allem die zunehmende Zahl von Elektroautos sowie den Wechsel vieler Haushalte zu strombetriebenen Heizsystemen. Hinzu kommt, dass künftig deutlich mehr Speicheranlagen an das Netz angeschlossen werden müssen.
Dem steigenden Bedarf steht allerdings eine rückläufige Stromerzeugung in Bayern gegenüber. Während 2012 im Freistaat noch mehr als 90 Gigawattstunden pro Jahr produziert wurden, waren es 2024 laut amtlichen Daten nur noch 60 Gigawattstunden. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Ausstieg aus der Kernenergie.
Netzbetreiber warnen vor langen Verfahren
Die Verteilnetzbetreiber appellieren an die Bundesregierung, den Ausbau nicht durch langwierige Verwaltungsprozesse auszubremsen. Nach ihren Angaben dauern Planungs- und Genehmigungsverfahren zwischen sechs und zehn Jahren – und damit deutlich länger als der eigentliche Bau der Leitungen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber