Bei der Herstellung von PET-Getränkeflaschen in Deutschland kommt inzwischen deutlich mehr recycelter Kunststoff zum Einsatz als noch vor wenigen Jahren. Das zeigt eine Untersuchung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM). Demnach lag der Anteil des sogenannten Rezyklats im vergangenen Jahr bei etwa 58 Prozent – rund sieben Prozentpunkte mehr als 2023. Der Trend zeigt schon länger nach oben: 2019 hatte der Anteil noch bei ungefähr 34 Prozent gelegen, 2021 bei 45 Prozent.
Damit wird die EU-Vorgabe von mindestens 25 Prozent klar übertroffen. Auch die ab 2030 geplante Erhöhung auf 30 Prozent dürfte für Deutschland nach derzeitigem Stand problemlos erreichbar sein. Auftraggeber der Studie war die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK), die die Entwicklung als Erfolg bewertet. Als wichtigen Treiber nennt der Verband das Ziel vieler Unternehmen, ihre CO2-Bilanz zu verbessern.
PET ist die Abkürzung für Polyethylenterephthalat, einen weit verbreiteten Kunststoff für Getränkeflaschen. Gemeint sind sowohl Einwegflaschen mit 25 Cent Pfand, die nach der Rückgabe zerkleinert und zu neuem Material für Flaschen verarbeitet werden, als auch Mehrwegflaschen aus Kunststoff, die in Deutschland meist mit 15 Cent bepfandet sind und nach der Rücknahme erneut befüllt werden.
Die Recyclingwirtschaft drängt schon länger darauf, mehr Rezyklat einzusetzen. Nur so lohne sich das Geschäft mit der Wiederverwertung, zugleich könne dies die Klimabilanz verbessern. Die IK vertritt dabei die Interessen der Hersteller von Kunststoffverpackungen, also jener Unternehmen, die recyceltes Material von der Recyclingbranche beziehen.
„Eine wirksame Umweltpolitik braucht eine starke industrielle Basis im Inland“, erklärte Isabell Schmidt von der IK mit Verweis auf die Studienergebnisse. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft entstehe nicht allein durch gesetzliche Vorschriften.
Umweltverbände warnen vor dem Fokus auf Einweg
Umweltschützer bewerten die Entwicklung differenzierter. Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sagte, der höhere Rezyklatanteil bei PET sei grundsätzlich positiv, weil dadurch weniger Erdöl zur Herstellung neuen Plastiks benötigt werde. Allerdings liege der Anteil bei anderen Kunststoffarten deutlich niedriger. PET nehme deshalb eher eine Sonderrolle ein und sei nicht repräsentativ für den gesamten Plastikkonsum.
Aus Sicht der DUH verdeckt die gute Entwicklung bei PET zudem größere strukturelle Probleme. Nach Zahlen des Umweltbundesamtes gehe der Trend weiterhin zulasten von Mehrweg. Dessen Anteil am Getränkemarkt liege nur noch bei 34,5 Prozent, obwohl das Verpackungsgesetz eigentlich 70 Prozent Mehrweg als Ziel vorsieht. Einweg-Plastikflaschen blieben damit klar dominierend.
Wohlgemuth betonte außerdem, dass auch das Recycling von Einwegflaschen energieintensiv sei. Das Material werde eingeschmolzen und anschließend neu verarbeitet – ein Prozess, der Ressourcen verbrauche.
Aus Umweltsicht schneiden PET-Mehrwegflaschen besser ab, da sie rund 25-mal wiederbefüllt werden können. Glas-Mehrwegflaschen erreichen sogar bis zu 50 Umläufe, bevor sie eingeschmolzen und neu hergestellt werden müssen. Für die DUH steht deshalb fest: Allein mit Recycling lasse sich die Plastikproblematik nicht lösen. Entscheidend sei ein stärkerer Ausbau von Mehrwegsystemen, um Ressourcen zu schonen und Klimaziele einzuhalten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber