Wirtschaft

Ökostrom-Knaller: Schon 61 Prozent!

Wind und Sonne liefern immer mehr Strom – und ausgerechnet heiße Sommer könnten Ökostrom bald unverzichtbar machen.

01.10.2026, 04:30 Uhr

Strom aus Wind- und Solaranlagen spielt in Deutschland eine immer größere Rolle. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 war der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch so hoch wie noch nie in diesem Zeitraum. Nach Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kamen 60,7 Prozent des verbrauchten Stroms aus Ökostromquellen. Dazu zählen Windkraft, Photovoltaik, Biomasse, Wasserkraft sowie der biogene Anteil von Abfällen.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet das einen Zuwachs um vier Prozentpunkte. Gleichzeitig legte auch der Bruttostromverbrauch zu. Von Januar bis September erzeugten Anlagen für erneuerbare Energien insgesamt 237,5 Milliarden Kilowattstunden Strom – 8,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Vor allem Windkraft und Photovoltaik treiben den Anstieg

Ausschlaggebend für diese Entwicklung war vor allem die deutlich höhere Stromproduktion aus Windenergie an Land und auf See sowie aus Solaranlagen. Weniger Niederschläge führten hingegen zu einem Rückgang bei der Wasserkraft. Auch die Stromerzeugung aus Biomasse fiel leicht geringer aus.

Trotz des Rekordwerts ist das politische Ziel von 80 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030 noch nicht erreicht. Nach Ansicht von BDEW-Chefin Kerstin Andreae muss die Bundesregierung deshalb zügig eine Einigung beim Erneuerbare-Energien-Gesetz erzielen und das geplante Maßnahmenpaket zum schnelleren Ausbau der Verteilnetze auf den Weg bringen. Zudem seien einfachere Verfahren und Umweltprüfungen nötig, damit neue Anlagen schneller gebaut werden können.

Mehr Strombedarf durch Klimawandel erwartet

Die Fachleute des ZSW rechnen in den kommenden Jahren mit einem steigenden Strombedarf – auch als Folge des Klimawandels. Mehr heiße Tage und tropische Nächte dürften dazu führen, dass Klimaanlagen häufiger eingesetzt werden. Das stelle zusätzliche Anforderungen an Stromnetze und Lastmanagement, erklärte ZSW-Chef Frithjof Staiß. Besonders dezentrale Photovoltaikanlagen könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten, vor allem in Kombination mit Batteriespeichern, die auch abends und nachts Strom bereitstellen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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