Wirtschaft

Nvidia & Co: USA im Börsenrausch – Deutschland stürzt ab

KI katapultiert US-Tech an die Spitze – Deutschland stürzt im Börsenranking ab. Doch einige Konzerne sorgen für Hoffnung.

03.07.2026, 04:20 Uhr

USA bauen Vorsprung an den Börsen aus – Deutschland nur noch mit Siemens in den Top 100

Der Boom rund um Künstliche Intelligenz stärkt vor allem die großen US-Konzerne und verschiebt die Kräfteverhältnisse an den internationalen Aktienmärkten weiter zugunsten Amerikas. Deutschland ist in der aktuellen Rangliste der 100 wertvollsten börsennotierten Unternehmen weltweit laut einer EY-Analyse nur noch mit Siemens vertreten. Der Münchner Dax-Konzern belegt Rang 72. SAP und Allianz, die zu Jahresbeginn noch in den Top 100 standen, rutschten bis zum Ende des ersten Halbjahres auf die Plätze 114 und 115 ab.

KI-Euphorie treibt vor allem US-Techriesen

Besonders stark profitieren die Vereinigten Staaten von ihren großen Technologieunternehmen und der Begeisterung der Anleger für KI. Acht der zehn teuersten Konzerne der Welt stammen aus den USA. Neu in dieser Spitzengruppe ist SpaceX: Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk kommt kurz nach dem Börsengang auf Platz sechs und wird mit 2,25 Billionen Dollar bewertet.

An der Spitze des Rankings steht Nvidia. Der Chipkonzern erreichte zum Stichtag 30. Juni einen Börsenwert von rund 4,8 Billionen Dollar. Dahinter folgen Alphabet mit 4,3 Billionen, Apple mit 4,2 Billionen und Microsoft mit 2,8 Billionen Dollar. Neben den USA schaffen es in die Top 10 nur noch TSMC aus Taiwan und der saudische Ölkonzern Saudi Aramco.

Wie groß der Abstand geworden ist, zeigt der Vergleich mit Deutschland: Siemens als wertvollstes deutsches Unternehmen bringt es auf einen Börsenwert von 247 Milliarden Dollar.

Apple
Der iPhone-Hersteller Apple zählt zu den Konzernen mit Billionen-Börsenwert (Archivbild) Quelle: Michael Kappeler/dpa

Mehr als die Hälfte der Top 100 kommt aus den USA

Unter den 100 wertvollsten börsennotierten Unternehmen stammen 56 aus den Vereinigten Staaten. Dahinter folgen China mit zwölf Firmen sowie Großbritannien und Japan mit jeweils fünf.

EY-Manager Henrik Ahlers spricht von einer tiefgreifenden Verschiebung an den globalen Börsen. Unternehmen, denen Investoren eine Schlüsselrolle in der KI-Wertschöpfung zutrauen, würden derzeit mit besonders hohen Bewertungen versehen. Das betreffe vor allem Chiphersteller, Plattformunternehmen sowie Anbieter von Cloud-Infrastruktur und Rechenzentren.

Europa droht erneut zurückzufallen

Trotz Warnungen vor einer möglichen Überhitzung im KI-Sektor sieht EY für Europa vor allem ein strukturelles Problem. Der Kontinent müsse aufpassen, bei einer Schlüsseltechnologie nicht erneut den Anschluss zu verlieren. Als zentrale Hindernisse nennt die Studie zersplitterte Kapitalmärkte und eine im Vergleich schwächer ausgeprägte Kultur für Risikokapital.

Deutschland wirtschaftlich stark, an der Börse aber schwach vertreten

Nach Einschätzung von EY gelingt es Deutschland zu selten, junge Wachstumsunternehmen an den Kapitalmarkt zu bringen und daraus große Tech-Konzerne zu entwickeln. Dass die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nur noch mit einem Unternehmen in den Top 100 vertreten ist, sei ein Warnsignal. Zum Vergleich: 2007 waren laut EY noch sieben deutsche Unternehmen unter den 100 wertvollsten Börsenfirmen der Welt.

Deutschland punkte weiterhin mit industrieller Stärke und hoher Ingenieurskunst. An den Börsen werde derzeit jedoch vor allem technologische Zukunftsfähigkeit belohnt. Hinzu kommt die schwierige Lage der Autoindustrie, die die Aktienkurse deutscher Hersteller zusätzlich belastet.

Einzelne deutsche Unternehmen legen dennoch zu

Ganz ohne positive Entwicklungen bleibt der deutsche Markt jedoch nicht. Siemens Energy verbesserte sich von Platz 168 auf 128 und erreichte einen Börsenwert von 162 Milliarden Dollar. Infineon machte ebenfalls einen deutlichen Sprung: Der Halbleiterkonzern stieg von Rang 401 auf 185, während sich der Börsenwert auf 121 Milliarden Dollar verdoppelte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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