Der deutsche Leitindex Dax hat am Donnerstag erstmals seit Januar wieder ein Rekordniveau erreicht. Im Tagesverlauf stieg das Börsenbarometer auf 25.656 Punkte und ging letztlich mit einem Plus von 2,16 Prozent im Vergleich zum Vortag aus dem Handel.
Auch an den europäischen Märkten zeigte sich Stärke: Der EuroStoxx 50 kletterte zwischenzeitlich ebenfalls auf ein Rekordhoch. In den USA markierte zudem der Dow Jones kurz nach Handelsbeginn einen neuen Höchststand.
Als wichtiger Auslöser gelten neue Arbeitsmarktdaten aus den USA. Die Zahlen für Juni deuten darauf hin, dass sich die Einstellungsdynamik in den Vereinigten Staaten deutlich verlangsamt hat und den jüngsten Aufschwung am Arbeitsmarkt bremst. Am Markt wurde das als Hinweis gewertet, dass sich eine erste Zinserhöhung in den USA womöglich weiter nach hinten verschiebt.
Zusätzlichen Rückenwind liefern anhaltende Hoffnungen rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Zudem setzen Anleger trotz Rückschlägen weiter auf eine Verhandlungslösung im Iran-Krieg. Nicht zuletzt hat sich die Stimmung für die Konjunktur in Europa aufgehellt.
Gelungener Start in die zweite Jahreshälfte
Nach einem bereits starken ersten Halbjahr ist dem Dax damit ein überzeugender Auftakt in die zweite Jahreshälfte gelungen. Zuletzt war der deutsche Leitindex seinen internationalen Pendants eher hinterhergelaufen, obwohl viele wichtige Börsenbarometer in den USA, Asien und Europa in den vergangenen Wochen und Monaten bereits eine Rekordrally hingelegt hatten.
Unterstützt wurde die Entwicklung zuletzt auch durch Hoffnungen auf eine tragfähige Lösung im Iran-Krieg. In der Folge gaben die zuvor stark gestiegenen Ölpreise weiter nach. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete zuletzt nur noch rund 71 US-Dollar.
Lage an der Straße von Hormus bleibt unsicher
Für den Ölmarkt bleibt die Straße von Hormus von zentraler Bedeutung. Durch die Meerenge wird normalerweise ein erheblicher Teil des weltweit benötigten Rohöls, Flüssiggases und auch von Düngemitteln transportiert. Die Passage war über Wochen faktisch blockiert, zwischenzeitlich konnten wieder Schiffe die Route nutzen. Die Lage gilt jedoch weiter als unsicher und verändert sich teils fast täglich.
Die Wiederöffnung der Meerenge ist ein zentrales Element des Rahmenabkommens, auf das sich Vertreter aus Washington und Teheran vor knapp drei Wochen verständigt hatten. Die USA dringen auf eine freie Passage für alle Schiffe ohne zusätzliche Gebühren. Der Iran hatte nach den Angriffen der USA und Israels auf das Land mit Drohungen und Attacken den Schiffsverkehr dort faktisch zum Erliegen gebracht.
KI-Fantasie stützt auch deutsche Werte
Von der KI-Fantasie profitiert auch der deutsche Aktienmarkt. Im Dax zählen unter anderem Technologiewerte wie Infineon und Siemens Energy zu den Unternehmen, denen Investoren gute Chancen wegen des steigenden Strombedarfs durch KI-Anwendungen zutrauen.
Bereits im Januar hatte der Dax die Marke von 25.000 Punkten übersprungen. Ende März war der Index im Zuge des Iran-Kriegs zeitweise auf rund 22.300 Zähler gefallen.
Marktbeobachter verweisen zudem darauf, dass sich der Dax zunehmend von der schwachen Entwicklung der deutschen Wirtschaft abkoppelt. Trotz gesenkter Wachstumsprognosen für Deutschland bleibt der Index gefragt – auch weil die Dax-Konzerne etwa 80 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaften und damit weniger stark vom heimischen Markt abhängen. Bereits 2025 hatte der Dax um 23 Prozent zugelegt – so stark wie seit 2019 nicht mehr.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber