Europameister Spanien hat bei der WM auch Österreich klar beherrscht und sich mit einem ungefährdeten 3:0 (1:0) den Einzug in die nächste Runde gesichert. Die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente beendete im Stadion von Los Angeles die Hoffnungen des Teams von Ralf Rangnick frühzeitig. Mikel Oyarzabal mit einem Doppelpack (36./89.) und Pedro Porro (66.) trafen für die Iberer.
Trotz des deutlichen Erfolgs wollte sich Spaniens Trainer nicht mit dem Auftritt zufriedengeben. „Im nächsten Spiel können wir uns immer noch verbessern. Wir wollen mehr“, sagte de la Fuente nach dem Abpfiff. Sein Team sei „unersättlich“ und habe den eigenen Höhepunkt noch nicht erreicht. Oyarzabal sprach derweil von einem komplizierten Spiel – auch wenn Spaniens Sieg über weite Strecken nie ernsthaft gefährdet war.
Am 6. Juli geht es für Spanien in Dallas weiter – dann wartet Portugal um Cristiano Ronaldo. Zudem baute Torhüter Unai Simón seine starke Serie aus: Der spanische Keeper blieb WM-übergreifend nun 519 Minuten ohne Gegentor und übertraf damit die bisherige Bestmarke des Italieners Walter Zenga mit 517 Minuten.
Yamal überzeugt und ist wieder bei 100 Prozent
Zum Spieler der Partie wurde diesmal nicht Doppelpacker Oyarzabal, sondern Lamine Yamal gewählt. Der 18-Jährige war einer der auffälligsten Spanier, auch wenn ihm ein eigener Treffer verwehrt blieb. Im Los-Angeles-Stadion wurde beinahe jede seiner Aktionen von den 70.492 Zuschauern lautstark gefeiert, auf den Rängen war kein Spielername häufiger auf Trikots zu sehen als seiner.
Yamal erklärte nach der Partie, dass er sich nach und nach wieder ganz wie er selbst fühle. Nach seiner Oberschenkelverletzung, die ihn seit April gebremst und ihm das Saisonfinale gekostet hatte, steigerte de la Fuente seine Einsatzzeiten im Turnier Schritt für Schritt: gegen Kap Verde ab der 71. Minute, gegen Saudi-Arabien für eine Halbzeit, gegen Uruguay bis zur 76. Minute und gegen Österreich bis zur 85. Minute. Nun meldete der Barça-Profi: „Ich bin bei 100 Prozent.“ Auch bei Nico Williams gab es Entwarnung – ein weiteres Zeichen dafür, dass Spanien nach einem zähen Turnierstart immer besser in Fahrt kommt.
Österreich beginnt ordentlich, dann übernimmt Spanien
Österreich startete mutig und kam früh zur ersten guten Gelegenheit. Eine Hereingabe von Marcel Sabitzer verpasste Michael Gregoritsch nur knapp, sodass der Augsburger aus kurzer Distanz nicht mehr entscheidend an den Ball kam (17.). Gregoritsch gehörte zu drei Neuen in der Startelf und ersetzte unter anderem Marko Arnautovic.
Kapitän David Alaba hatte vor dem Spiel angekündigt, man wolle sich nicht verstecken und den eigenen Stil durchziehen. Nach der Anfangsphase übernahm jedoch Spanien zunehmend die Kontrolle. Die Mannschaft von de la Fuente ließ den Ball sicher laufen und setzte Österreich immer stärker unter Druck.
Schlager hält lange dagegen
Dani Olmo leitete mit einer starken Einzelaktion die erste große spanische Phase ein, wurde aber im letzten Moment gestoppt (29.). Nach dem anschließenden Eckball jubelte Spanien zwar kurz über das vermeintliche 1:0 durch Marc Cucurella, doch der Treffer zählte nicht, weil Alexander Schlager zuvor behindert worden war. Kurz darauf parierte der österreichische Keeper stark gegen Oyarzabal (33.), ehe Yamal freistehend über das Tor schoss. Ein Distanzversuch von Alaba blieb in dieser Phase die einzige nennenswerte Offensivaktion der Österreicher.
Wenig später fiel dann doch die verdiente Führung. Cucurella spielte den entscheidenden Pass hinter die Abwehr, Oyarzabal lief ein und schob den Ball trotz des heranstürmenden Alaba flach ins Tor. Noch vor der Pause verhinderte Schlager mit einer Hand einen direkten Freistoß von Alex Baena, der an die Latte klatschte. Danach kam Yamal erneut frei zum Abschluss, scheiterte aber ebenfalls am starken Salzburger Schlussmann.
Auch Rangnicks Wechsel bringen keine Wende
Mit dem knappen Rückstand war Österreich zur Halbzeit noch gut bedient. Rangnick reagierte und wechselte im defensiven Mittelfeld doppelt: Florian Grillitsch und Carney Chukwuemeka kamen für Xaver Schlager und Nicolas Seiwald. Doch die Probleme blieben dieselben. Österreich verlor zu oft schnell den Ball, und das sonst so starke Gegenpressing griff gegen die technisch sauberen Spanier kaum.
Nach rund einer Stunde brachte Rangnick mit Arnautovic und Sasa Kalajdzic zusätzliche Offensivkräfte. Fast sofort entstand daraus die beste österreichische Chance: Kalajdzic setzte einen Kopfball unter Druck aber über das Tor (61.). Damit blieb auch Simóns Rekordserie unangetastet.
Das 2:0 entschied die Partie praktisch. Wieder hielt Österreich dem spanischen Druck nicht stand: Eine Flanke von Baena verwertete Porro in der 66. Minute per Kopf. Danach kontrollierte Spanien Ball und Gegner weiter souverän.
Kurz vor Schluss hätte Yamal beinahe selbst noch getroffen, doch Alaba klärte seinen Drehschuss auf der Linie (85.). Den Schlusspunkt setzte erneut Oyarzabal, der nach einer weiteren Vorarbeit von Cucurella in der 89. Minute zum 3:0-Endstand traf.
Nach dem Spiel zeigte sich Österreich realistisch. Sabitzer sagte: „Man muss sagen, dass die einfach besser sind als wir. Der Sieg ist verdient für Spanien.“ Auch Rangnick erkannte die Überlegenheit des Gegners an und sprach von einem „herausragend guten Gegner“.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber