Grönemeyer rügt Politik wegen mangelnder Kommunikation
Herbert Grönemeyer hat der Politik bei der Verleihung des Deutschen Nationalpreises in Berlin deutliche Vorwürfe gemacht. Der 70-jährige Musiker kritisierte, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu wenig mit den Bürgerinnen und Bürgern gesprochen worden sei. Gleichzeitig forderte er die Menschen auf, sich stärker selbst einzubringen.
Mit Blick auf frühere und aktuelle Regierungen sagte Grönemeyer, politische Führung habe sich zuletzt oft durch Schweigen oder unklare Botschaften ausgezeichnet. Angela Merkel habe nach dem Satz „Wir schaffen das“ wieder geschwiegen, Olaf Scholz habe mit dem Begriff „Zeitenwende“ zwar ein Signal gesetzt, danach aber ebenfalls wenig erklärt. Auch die heutige Koalition wirke sprachlich und inhaltlich häufig unsicher. Statt öffentlichem Streit brauche es aus seiner Sicht klare Kompromisse, Entscheidungen und sichtbares Regierungshandeln.
Vergleich mit dem Fußball
Zur Veranschaulichung zog Grönemeyer einen Vergleich zum Sport. Er verwies auf Nationalspieler Felix Nmecha von Borussia Dortmund und Aleksandar Pavlović vom FC Bayern, die im Ligaalltag Konkurrenten seien. In der Nationalmannschaft aber arbeiteten sie gemeinsam am Erfolg, statt sich auf dem Platz zu streiten. Genau diese Haltung wünsche er sich auch in der Politik: weniger Gerede, mehr Ergebnisse.
Appell an die Zivilgesellschaft
Der Sänger, bekannt durch Lieder wie Bochum, erhielt den Deutschen Nationalpreis für sein gesellschaftliches Engagement. Seine Dankesrede nutzte er zugleich für einen Aufruf an die Gesellschaft. Es brauche nicht zwingend eine übergeordnete Leitfigur, sagte er sinngemäß — die Bürgerinnen und Bürger könnten selbst Verantwortung übernehmen. Gefragt sei jetzt eine Bewegung von Menschen, die sich füreinander einsetzt.

Optimistischer Blick nach vorn
Grönemeyer warb außerdem dafür, mit Zuversicht auf die Zukunft zu schauen. In der Gesellschaft steckten starke demokratische und humanistische Werte, an die man sich erinnern müsse. Als Beispiel nannte er das Jahr 2015, als vielerorts in Deutschland Geflüchtete unterstützt und aufgenommen wurden.
Angst vor dem Kommenden wolle er nicht haben, betonte der Musiker. Als Angehöriger der Boomer-Generation trage er Verantwortung gegenüber den Jüngeren — und nehme diese Verantwortung bewusst an.
Preis und Förderauszeichnung
Mit dem Deutschen Nationalpreis zeichnet die Deutsche Nationalstiftung seit 1997 jedes Jahr Menschen und Organisationen aus, die sich in besonderer Weise für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Zusätzlich wird ein Förderpreis vergeben, der vor allem Projekte unterstützt, die junge Menschen zusammenbringen. Beide Auszeichnungen sind zusammen mit 50.000 Euro dotiert. Der diesjährige Förderpreis geht an das Projekt Rhapsody in School.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber