Wirtschaft

Meta-Chef erzwingt Aktienumbau mit Umzugsdrohung

Milliardärsteuer droht: Muss Zuckerberg Meta-Aktien verkaufen? Mit einem Trick will er trotzdem die volle Kontrolle behalten.

22.10.2026, 05:50 Uhr

Meta ordnet Aktienstruktur neu – Zuckerberg sichert Einfluss trotz möglicher Vermögensabgabe

Meta-Chef Mark Zuckerberg hat beim Facebook-Mutterkonzern eine neue Aktienstruktur durchgesetzt. Auslöser ist eine mögliche Sonderabgabe in Kalifornien: Im November könnten die Wähler über eine einmalige Steuer von fünf Prozent auf sehr große Vermögen entscheiden. Da Zuckerberg zur Begleichung einer solchen Forderung wohl Meta-Anteile verkaufen müsste, wollte er verhindern, dass sein Stimmrechtsanteil von rund 60 Prozent sinkt und damit seine Kontrolle über den Konzern geschwächt wird.

Nach Gesprächen mit Zuckerberg will Meta den Aktionären nun zusätzlich stimmrechtslose Aktien zuteilen – je ein neues Papier pro bestehender Aktie. Dadurch könnte Zuckerberg bei Bedarf Anteile veräußern, ohne seine Machtposition im Unternehmen einzubüßen. Bloomberg beziffert sein Vermögen derzeit auf 247 Milliarden Dollar, umgerechnet etwa 220 Milliarden Euro.

Druck mit Umzugsdrohung

Aus Unternehmensunterlagen geht hervor, dass Zuckerberg im Zuge der Verhandlungen auch mit einem Wegzug aus Kalifornien Druck machte. Meta sitzt in Menlo Park im Silicon Valley, und der 42-jährige Firmengründer gilt weiterhin als stark ins operative Geschäft eingebunden.

Bereits im Sommer hatte Zuckerberg erklärt, die geplante Steuer könne ihn dazu bewegen, Kalifornien zu verlassen. Später verschärfte er laut den Unterlagen den Ton: Am 9. September soll er angekündigt haben, sein Haus im benachbarten Palo Alto innerhalb von vier Tagen zum Verkauf zu stellen, falls keine Einigung zustande komme.

Meta
Meta setzt viele Milliarden auf die KI-Karte. (Archivbild) Quelle: Andrej Sokolow/dpa

Ein solcher Schritt wäre als Zeichen gewertet worden, dass Zuckerberg im Alltag von Meta weniger präsent wäre. Inzwischen sagte er zu, mindestens acht Jahre lang einen Wohnsitz in Kalifornien zu halten – oder, sollte die Firmenzentrale verlegt werden, im jeweiligen neuen Bundesstaat. Mehrere Tech-Milliardäre haben Kalifornien wegen der möglichen Abgabe bereits den Rücken gekehrt.

Mehr Spielraum für hohe KI-Ausgaben

Meta verweist darauf, dass die neue Struktur auch finanzielle Flexibilität für die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz schafft. Allein in diesem Jahr will der Konzern mindestens 135 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur stecken, rund 120 Milliarden Euro. Damit hob Meta die Untergrenze der Prognose erneut um fünf Milliarden Dollar an. Am oberen Ende bleibt das Unternehmen bei 145 Milliarden Dollar.

Zuckerberg treibt den Bau von Rechenzentren für KI mit hohem Tempo voran, um im Wettbewerb mit Unternehmen wie OpenAI aufzuholen beziehungsweise mitzuhalten.

Werbegeschäft bleibt zentraler Geldbringer

Finanziert werden die KI-Offensive weiterhin vor allem durch das starke Anzeigengeschäft. Im vergangenen Quartal legte der Konzernumsatz im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 64,6 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn stieg auf 9,86 Milliarden Dollar, nachdem im Vorjahreszeitraum 2,7 Milliarden Dollar verdient worden waren.

Auch bei den Nutzerzahlen ging es weiter nach oben: Zuletzt griffen 3,64 Milliarden Menschen auf mindestens eine Meta-App zu, nach 3,6 Milliarden drei Monate zuvor. Zum Konzern gehören neben Facebook auch WhatsApp, Instagram und Threads, Metas Konkurrenzangebot zu X, dem früheren Twitter.

Milliardenforderung wegen Cambridge Analytica

Kurz vor Veröffentlichung der Geschäftszahlen wurde zudem bekannt, dass Meta im Zusammenhang mit dem alten Datenschutzskandal um Cambridge Analytica eine hohe Strafe droht. Geschworene im US-Bundesstaat New Mexico kamen zu dem Schluss, dass Facebook-Nutzer in Fragen des Datenschutzes und der Meinungsfreiheit getäuscht worden seien.

Der zuständige Richter errechnete zunächst eine Strafsumme von knapp 219,5 Milliarden Dollar, setzte den Betrag letztlich jedoch auf 25 Milliarden Dollar fest. Meta erklärte dazu, man sei zuversichtlich, sich in einem Berufungsverfahren durchsetzen zu können.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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