Kane rettet England spät ins Achtelfinale und singt erleichtert „Wonderwall“
England hat mit großer Mühe das Achtelfinale der WM erreicht und eine peinliche Überraschung gerade noch verhindert. Die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel gewann nach frühem Rückstand mit 2:1 (0:1) gegen die Demokratische Republik Kongo. Matchwinner war Kapitän Harry Kane, der mit seinen Toren in der 75. und 86. Minute die Wende brachte. Im Achtelfinale wartet nun Co-Gastgeber Mexiko.
Nach dem Abpfiff war die Erleichterung bei den Three Lions deutlich zu spüren. Kane ballte die Faust und sang anschließend gemeinsam mit seinen Mitspielern und den Fans im Stadion „Wonderwall“. Kurz danach sagte der Stürmer: „Es war ein verrücktes Spiel. Der Torwart hat einige unglaubliche Bälle gehalten. Aber man muss einfach immer weiter machen und auf seine Momente warten.“ In der K.-o.-Phase müsse man geduldig bleiben und durchhalten, betonte der Angreifer.
Früher Schock für England
Tuchel hatte vor der Partie erklärt, sein Team auf alle denkbaren Szenarien vorbereitet zu haben – sogar auf ein mögliches Elfmeterschießen. Zugleich warnte der 52-Jährige eindringlich vor den Kongolesen, die mit dem Einzug in die K.-o.-Runde bereits ihre Erwartungen übertroffen hatten und mit großem Glauben an die eigene Stärke auftraten.
Doch England wurde früh kalt erwischt. Nach einer Flanke aus dem rechten Halbfeld kam der Ball zu Brian Cipenga. Der Offensivspieler zog in den Strafraum und schoss aus spitzem Winkel überraschend in die kurze Ecke. Torhüter Jordan Pickford wirkte, als habe er mit einem Querpass gerechnet, und sah bei dem Treffer in der 7. Minute nicht gut aus.
Mpasi hält England lange auf Distanz
Cipenga, dessen erste Nominierung durch Nationaltrainer Sébastien Desabre in seiner Heimat einst noch Verwunderung ausgelöst hatte, rechtfertigte seine Berufung erneut eindrucksvoll. Der Dribbler aus der zweiten spanischen Liga hatte bereits im entscheidenden Playoff gegen Jamaika das Tor von Axel Tuanzebe vorbereitet und damit den Weg zur ersten WM-Teilnahme der DR Kongo seit 52 Jahren mit geebnet.
England brauchte bis nach der ersten Trinkpause, um zu klaren Chancen zu kommen. Dann wurde es aber gefährlich: Jude Bellingham scheiterte in der 30. Minute mit einem Kopfball aus kurzer Distanz stark an Lionel Mpasi. Wenig später rettete der in England geborene Aaron Wan-Bissaka nach einem Abschluss von Marcus Rashford auf der Linie. Auf der Gegenseite traf Yoane Wissa nach Vorarbeit von Wan-Bissaka nur den Pfosten.
Diskussion um nicht gegebenen Elfmeter
Kurz vor der Pause sorgte eine Szene im Strafraum für großen Ärger bei den Engländern. Kane drang in den Sechzehner ein, ging nach einem Kontakt mit Mpasi zu Boden, doch Schiedsrichter Adham Makhadmeh aus Jordanien entschied nicht auf Elfmeter. Auch nach Videobeweis blieb es dabei.
Tuchel reagierte fassungslos, Kane raufte sich die Haare. TV-Experte Jürgen Klopp sagte bei MagentaTV, ein Kontakt sei eindeutig vorhanden gewesen, aus Sicht des Schiedsrichters könne er die Bewertung aber nachvollziehen, weil Kane möglicherweise als springend wahrgenommen worden sei. Alan Shearer bewertete die Szene dagegen klar als Strafstoß.
Vor dem Halbzeitpfiff hatte England noch zwei weitere gute Möglichkeiten, blieb aber glücklos: Bellingham scheiterte in der Nachspielzeit ebenso an Mpasi wie Kane wenig später.
Tuchels emotionaler Appell – dann schlägt Kane zu
Nach dem Seitenwechsel erhöhte England den Druck weiter. Rashford traf zunächst nur das Außennetz und scheiterte kurz darauf mit einem abgefälschten Schuss erneut an Mpasi, der stark reagierte. Tuchel wechselte daraufhin auf den Flügeln und brachte Bukayo Saka sowie Anthony Gordon.
Während einer weiteren Trinkpause gestikulierte der englische Trainer ununterbrochen und redete lautstark auf seine Spieler ein. Auf den Rängen wuchs die Unruhe, Fehlpässe wurden immer häufiger mit Buhrufen begleitet.
In der Schlussphase fand England dann doch noch die entscheidende Antwort. Gordon flankte in der 75. Minute, Kane köpfte ins lange Eck zum Ausgleich. Elf Minuten später drehte der Torjäger auf engem Raum stark auf und schlenzte den Ball überragend ins rechte obere Eck. Mit seinem späten Doppelpack bewahrte er England vor dem Aus und sorgte für kollektive Erleichterung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber