Wirtschaft

Mega-Deal: C. H. Beck schluckt dtv-Mehrheit

Paukenschlag in München: C.H. Beck übernimmt bei dtv das Ruder – und die Wettbewerbshüter winken den Deal einfach durch.

25.06.2026, 11:25 Uhr

C. H. Beck übernimmt Mehrheit an dtv

Der Münchner Verlag C. H. Beck darf die Mehrheit an der dtv Verlagsgesellschaft erwerben. Das Bundeskartellamt in Bonn hat den Zusammenschluss der beiden Verlagshäuser genehmigt. C. H. Beck war bislang bereits an dtv beteiligt und übernimmt nun zusätzlich den Anteil der Ganske Verlagsgruppe. Damit wird das Unternehmen Mehrheitsgesellschafter. Der Carl Hanser Verlag sowie ein weiteres Unternehmen bleiben weiterhin beteiligt. Nach Angaben der Wettbewerbshüter wird C. H. Beck künftig jedoch allein die Kontrolle über dtv ausüben. Die Übernahme soll laut Verlag zum 1. Juli wirksam werden. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.

Gegründet wurde dtv im Jahr 1960 zunächst als reiner Taschenbuchverlag für Zweitverwertungen. Der Name leitet sich von „Deutscher Taschenbuchverlag“ ab.

Inzwischen umfasst das Programm längst mehr als Taschenbücher. Der Verlag veröffentlicht unter anderem Romane, Biografien, Sachbücher, Ratgeber sowie Kinder- und Jugendbücher. Zu den jüngsten Erfolgen zählen eine Thomas-Mann-Biografie von Tilmann Lahme und Wolfgang Büschers Sahara-Reiseerzählung „Der Weg“. Pro Jahr bringt dtv rund 400 neue Titel heraus. Nach Einschätzung des Bundeskartellamts zählt der Verlag zu den größten konzernunabhängigen Publikumsverlagen im deutschsprachigen Raum.

Kartellamt sieht keine größeren Wettbewerbsprobleme

C. H. Beck beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 900 Menschen und veröffentlicht jährlich etwa 1.200 Neuerscheinungen. Das Programm reicht von Literatur über Recht, Steuern und Wirtschaft bis hin zu Wissenschaft und Sachbuch. Zu den jüngeren Veröffentlichungen gehört auch Marie-Janine Calics „Balkan-Odyssee“, das in diesem Jahr mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch ausgezeichnet wurde. Das Werk beleuchtet die Flucht von Künstlern vor dem NS-Regime in den Jahren 1933 bis 1941.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte, C. H. Beck habe vor allem bei juristischen Fachinformationen eine starke Marktposition. Die nun genehmigte Übernahme betreffe jedoch überwiegend die Bereiche Belletristik, Sachbuch, Ratgeber sowie Kinder- und Jugendbuch. In diesen Sparten gebe es weiterhin zahlreiche konkurrierende Verlage.

Den Ausstieg aus dem Gesellschafterkreis begründet die Ganske Verlagsgruppe mit einer stärkeren Fokussierung auf ihre strategischen Ziele und künftige Wachstumsfelder. Jonathan Beck, Mitglied der Geschäftsführung von C. H. Beck, sprach von einer guten Gelegenheit, das langjährige Engagement bei dtv auszubauen und die positive Entwicklung des Verlags weiter zu unterstützen. Der 1763 gegründete Verlag wird von der Verlegerfamilie Beck inzwischen in siebter Generation geführt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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