C. H. Beck erhält grünes Licht für dtv-Mehrheit
Der Münchner Verlag C. H. Beck darf die Mehrheit an der dtv Verlagsgesellschaft übernehmen. Das Bundeskartellamt in Bonn hat den Zusammenschluss der beiden Verlagshäuser genehmigt. C. H. Beck war bereits an dtv beteiligt und übernimmt nun zusätzlich den Anteil der Ganske Verlagsgruppe. Künftig hält das Unternehmen damit direkt rund 60 Prozent der Anteile.
Der Carl Hanser Verlag sowie ein weiteres Unternehmen bleiben weiterhin an dtv beteiligt. Nach Angaben der Wettbewerbshüter wird C. H. Beck jedoch künftig allein die Kontrolle über den Verlag ausüben. Die Übernahme soll laut Verlag zum 1. Juli wirksam werden. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.
Gegründet wurde dtv im Jahr 1960 zunächst als reiner Taschenbuchverlag für Zweitverwertungen. Der Name leitet sich von „Deutscher Taschenbuchverlag“ ab. Ursprünglich waren 13 Verlage an dtv beteiligt, ihre Zahl verringerte sich im Lauf der Jahre jedoch deutlich.
Hinzu kommt eine frühere Veränderung im Gesellschafterkreis: Nachdem sich der Kinderbuchverlag Oetinger zurückgezogen hatte, übernahmen Beck und Hanser dessen Beteiligungsgesellschaft mit einem Anteil von 20 Prozent an dtv jeweils zur Hälfte. Rechnerisch entfallen damit indirekt weitere 10 Prozent auf C. H. Beck.
Inzwischen umfasst das Programm von dtv längst mehr als Taschenbücher, auch Hardcover gehören seit Längerem dazu. Der Verlag veröffentlicht unter anderem Belletristik, Biografien, Sachbücher, Ratgeber sowie Kinder- und Jugendbücher. Zu den jüngsten Verkaufserfolgen zählen eine Thomas-Mann-Biografie von Tilmann Lahme und Wolfgang Büschers Sahara-Reiseerzählung „Der Weg“. Pro Jahr bringt dtv rund 400 neue Titel heraus. Nach Einschätzung des Bundeskartellamts zählt der Verlag zu den größten konzernunabhängigen Publikumsverlagen im deutschsprachigen Raum.
Kartellamt sieht keine größeren Wettbewerbsprobleme
C. H. Beck beschäftigt nach eigenen Angaben gut 900 Menschen und veröffentlicht jährlich rund 1.200 Neuerscheinungen. Das Programm reicht von Literatur über Recht, Steuern und Wirtschaft bis hin zu Wissenschaft und Sachbuch. Zu den jüngeren Veröffentlichungen gehört auch Marie-Janine Calics „Balkan-Odyssee“, das in diesem Jahr mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch ausgezeichnet wurde. Das Werk beleuchtet die Flucht von Künstlern vor dem NS-Regime in den Jahren 1933 bis 1941.
Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte, C. H. Beck verfüge insbesondere bei juristischen Fachinformationen über eine starke Marktstellung. Die nun genehmigte Übernahme betreffe jedoch vor allem die Bereiche Belletristik, Sachbuch, Ratgeber sowie Kinder- und Jugendbuch. In diesen Segmenten gebe es weiterhin eine Vielzahl konkurrierender Verlage.
Den Ausstieg aus dem Gesellschafterkreis begründet die Ganske Verlagsgruppe mit einer stärkeren Schärfung ihrer strategischen Ausrichtung und einer Konzentration der Ressourcen auf künftige Wachstumsfelder. Jonathan Beck, Mitglied der Geschäftsführung von C. H. Beck, sprach von einer guten Gelegenheit, das langjährige Engagement bei dtv auszubauen und die erfolgreiche Entwicklung des Verlags weiter zu begleiten. Der 1763 gegründete Verlag wird von der Verlegerfamilie Beck inzwischen in siebter Generation geführt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber