Wirtschaft

Job-Schock: Wird KI jetzt zum Kündigungsgrund?

KI treibt die Produktivität an – doch viele Fachkräfte denken ans Gehen. Warum Firmen jetzt handeln müssen, um Talente zu halten

24.10.2026, 05:30 Uhr

KI verändert MINT-Berufe deutlich – teils mit Folgen für die Personalfluktuation

Der wachsende Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändert die Arbeitsrealität in den MINT-Feldern spürbar. Unter MINT fallen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Laut einer aktuellen Umfrage berichtet rund ein Drittel der Fachkräfte in Deutschland, dass innerhalb der vergangenen zwölf Monate Kolleginnen oder Kollegen wegen KI-bezogener Veränderungen ihr Team oder Unternehmen verlassen haben.

Grundlage ist eine Befragung von 817 MINT-Beschäftigten in Deutschland, die im Sommer vom Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der britischen Personalberatung SThree durchgeführt wurde.

Stark veränderte Aufgaben und Überlastung als Wechselgründe

Als häufigsten Auslöser für KI-bedingte Abgänge nennen 52,2 Prozent der Betroffenen, dass sich ihre Tätigkeit so stark gewandelt habe, dass sie kaum wiederzuerkennen sei. 46,5 Prozent sehen zu geringe Entwicklungsmöglichkeiten, während 36,9 Prozent angeben, die Arbeitsbelastung sei zu hoch geworden.

Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung im Bereich Life Sciences, also in Biowissenschaften und Medizin. Dort berichten 56,8 Prozent der Befragten von Abgängen im Team im Zusammenhang mit KI. In der IT liegt der Anteil mit 28,9 Prozent deutlich niedriger, im Engineering bei 29,6 Prozent.

Mehr Effizienz und überwiegend positive Haltung

Trotz dieser Veränderungen fällt das Gesamtbild nicht nur kritisch aus. Unter denjenigen, die KI bereits nutzen, sagen 66,8 Prozent, dass ihr Team heute produktiver arbeitet als noch vor zwei Jahren. Die dadurch gewonnene Zeit fließt laut Umfrage vor allem in strategische Aufgaben (38,0 Prozent), Weiterbildung (29,0 Prozent) sowie zusätzliche Verantwortungsbereiche (29,4 Prozent).

Auch emotional wird der KI-Einsatz am Arbeitsplatz mehrheitlich positiv bewertet. Am häufigsten verbinden die Befragten damit Begriffe wie „anregend“ (38,0 Prozent), „Neugier“ (37,0 Prozent) und „spannend“ (32,7 Prozent). Deutlich seltener werden negative Gefühle wie „Druck“ (11,7 Prozent) oder „Angst“ (9,3 Prozent) genannt.

Beschäftigte wünschen klare Leitlinien und mehr Weiterbildung

Damit Unternehmen ihre Fachkräfte in Zeiten des schnellen technologischen Wandels halten können, sehen viele Beschäftigte vor allem drei Hebel: passgenaue Weiterbildungsangebote, transparente Regeln für den Umgang mit KI und eine frühzeitige Einbindung der Mitarbeitenden durch das Management.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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