Wirtschaft

Job-Schock bei O2: Telefónica streicht über 1.000 Stellen

Jetzt trifft der Sparkurs O2: Telefónica will Jobs abbauen – und das Management nennt den Schritt unausweichlich.

09.07.2026, 19:42 Uhr

O2 Telefónica plant umfangreichen Stellenabbau

O2 Telefónica will in Deutschland offenbar spürbar Personal reduzieren. Das Unternehmen erklärte auf Anfrage, man befinde sich in einem weitreichenden Umbau, der die Wettbewerbsfähigkeit auf lange Sicht sichern solle. In diesem Zusammenhang würden zusammen mit den Arbeitnehmervertretern verschiedene Schritte geprüft und besprochen. Weitere Details nannte die deutsche Tochter des spanischen Telefónica-Konzerns nicht.

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen könnten mehr als 1.000 Jobs wegfallen. Das entspräche ungefähr jedem sechsten bis siebten Arbeitsplatz. Zu Jahresbeginn hatte Telefónica Deutschland 6.820 Beschäftigte. In ersten Bereichen gibt es demnach bereits Vereinbarungen, nach denen Mitarbeiter freiwillig ausscheiden und dafür eine Abfindung erhalten. Zuerst hatte darüber „teltarif.de“ berichtet.

Der Verlust von 1&1 belastet das Geschäft

Ein wesentlicher Grund für den Druck auf das Unternehmen ist der Wegfall eines wichtigen Partners. Über Jahre nutzte der Konkurrent 1&1 das Mobilfunknetz von O2 Telefónica und zahlte dafür entsprechende Entgelte. 2024 wechselte 1&1 jedoch überraschend zu Vodafone. Bis Ende 2025 wurden rund 12 Millionen Mobilfunkkunden aus dem O2-Netz in das Vodafone-Netz übertragen. Für O2 bedeutete das sinkende Einnahmen und einen deutlichen Rückgang beim operativen Gewinn.

O2 Telefónica betreut rund 18 Millionen Mobilfunk-Vertragskunden. Hinzu kommen Prepaid-Nutzer sowie Geschäfte mit Partnern. Trotzdem hinterließ der Abschied von 1&1 klare Spuren in der Bilanz: 2025 sank der Umsatz um 3,8 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) fiel sogar um 8,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Auch das erste Quartal brachte noch keine Trendwende.

O2-Chef Santiago Argelich Hesse
Gelingt ihm der Turnaround? O2-Chef Santiago Argelich Hesse ist erst seit Jahresbeginn im Amt. Quelle: Wolf von Dewitz/dpa

Neben Mobilfunk bietet das Münchner Unternehmen zwar auch Festnetz-Internet an, doch dieses Segment hat nur begrenzte Bedeutung. Eigene Festnetzinfrastruktur besitzt O2 nicht in relevantem Umfang, stattdessen werden Leitungen anderer Anbieter genutzt, wofür Mietkosten anfallen.

Neuer Chef soll den Konzern neu ausrichten

Der schwierige Markt und die schwächere Entwicklung bekam auch der langjährige Deutschlandchef Markus Haas zu spüren. Er musste Ende 2025 seinen Posten abgeben. Seit Jahresbeginn führt nun Santiago Argelich Hesse das Unternehmen. Der Deutsch-Spanier soll O2 wieder auf Kurs bringen und insbesondere das bislang schwache Geschäft mit Firmenkunden stärken.

Bereits vor kurzem hatte O2 angekündigt, den Vorstand von sieben auf sechs Mitglieder zu verkleinern. Das wurde bereits als Sparsignal gewertet. Mit dem nun diskutierten Personalabbau würde der Sparkurs deutlich größere Teile der Belegschaft erfassen.

Auch Vodafone musste bereits sparen

Mit seinen Problemen steht O2 am deutschen Telekommunikationsmarkt nicht allein da. Auch Vodafone Deutschland hatte in den vergangenen Jahren mit Schwierigkeiten zu kämpfen und leitete Einsparungen ein. Innerhalb von drei Jahren strich die deutsche Tochter des britischen Konzerns rund 3.000 Stellen und beschäftigt inzwischen noch etwas mehr als 13.000 Menschen.

Kaum Wachstum auf dem deutschen Mobilfunkmarkt

Der deutsche Mobilfunkmarkt gilt weitgehend als ausgeschöpft. Große Wachstumsimpulse werden nicht mehr erwartet, weil die meisten Verbraucher bereits versorgt sind und höhere Monatspreise nur schwer durchsetzbar erscheinen. Stattdessen steigt häufig die Leistung: Viele Anbieter erhöhen das Datenvolumen, ohne gleichzeitig die Tarife deutlich anzuheben.

Zudem wird es für Netzbetreiber schwieriger, sich voneinander abzuheben. Ein leistungsfähiges Netz wird von vielen Kunden inzwischen als selbstverständlich angesehen und nicht mehr als besonderes Verkaufsargument. Gleichzeitig haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren Milliarden in Ausbau und Modernisierung investiert. Diese Investitionen in höhere Erlöse umzuwandeln, bleibt jedoch eine Herausforderung.

O2 hat beim Netzausbau aufgeholt

Bei der Netzabdeckung hat O2 Telefónica seinen Rückstand zuletzt verkleinert. Nach Angaben der Bundesnetzagentur erreichte das Unternehmen im Dezember 88,6 Prozent der Fläche Deutschlands mit 4G und 76,2 Prozent mit 5G. Die Telekom lag bei 92,5 Prozent für 4G und 87,9 Prozent für 5G. Vodafone kam auf 91,7 Prozent bei 4G und 75,7 Prozent bei 5G.

Noch vor wenigen Jahren war O2 im Vergleich der drei großen Anbieter klar Schlusslicht. Inzwischen konnte der Konzern deutlich aufholen. Um das frühere schwache Image abzuschütteln, setzte O2 auf eine selbstironische Werbekampagne. Einer der Slogans für das „Besser-als-du-denkst-Netz“ spielte bewusst mit alten Vorurteilen: Das schlechte O2-Netz sei eben auch nicht mehr das, was es einmal war.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen