Bayern

Hitze-Schock: Bauern bangen um Ernte und Kosten

Hitze-Schock auf Bayerns Feldern: Weizen und Raps leiden massiv – droht Bauern jetzt die nächste bittere Ernte?

09.07.2026, 14:14 Uhr

Schlechte Ernte in Teilen Bayerns befürchtet

Nach einem trockenen und sehr heißen Verlauf des Jahres rechnen viele landwirtschaftliche Betriebe in Bayern für die Ernte 2026 bestenfalls mit durchschnittlichen Ergebnissen. In einigen Regionen dürfte die Ausbeute jedoch deutlich schlechter ausfallen. Darauf wies Bauernpräsident Günther Felßner bei der traditionellen Erntefahrt im Landkreis Mühldorf am Inn hin.

Besonders stark betroffen sind nach seinen Angaben Weizen und Raps. Ursache seien die anhaltende Trockenheit sowie die außergewöhnlich starke Hitzewelle Ende Juni. Wie gut oder schlecht die Ernte am Ende ausfällt, dürfte in diesem Jahr noch stärker vom jeweiligen Standort abhängen als sonst.

Klimawandel ist für die Landwirtschaft Alltag

Agrarministerin Michaela Kaniber erklärte, dass Bäuerinnen und Bauern nicht mehr über den Klimawandel diskutierten, sondern dessen Folgen längst täglich bewältigen müssten. Aus ihrer Sicht komme es nun vor allem darauf an, schnelle Hilfen für die Landwirtschaft bereitzustellen.

Bayern unterstütze als erstes Bundesland in größerem Umfang die Mehrgefahrenversicherung. Diese gelte inzwischen auch für Grünland, Ackerflächen, Hopfen und Baumschulen. Für das Jahr 2026 hätten bereits mehr als 7.000 Betriebe Förderanträge gestellt.

Nach Ansicht der Ministerin ist außerdem die Forschung gefordert. Es müsse geklärt werden, welche Kulturen in zehn oder zwanzig Jahren unter veränderten klimatischen Bedingungen noch sinnvoll angebaut werden können. Zugleich betonte sie die Bedeutung von Pflanzenschutzmitteln für die Sicherung der Ernten.

Mit Blick auf die laufende Erntezeit appellierte Kaniber zudem an Verkehrsteilnehmer, Rücksicht auf landwirtschaftliche Fahrzeuge zu nehmen. Wer hinter einem Traktor fahre, solle sich bewusst machen, dass dort Lebensmittel transportiert würden. Außerdem warb sie für den Kauf regional erzeugter Produkte.

Wetterextreme und wirtschaftlicher Druck

Laut Hermann Greif vom Bayerischen Bauernverband begann das Anbaujahr zunächst vielversprechend. Erst später hätten Trockenheit und Hitze die Lage deutlich verschärft. Vor allem auf leichteren Böden müsse beim Getreide mit spürbaren Ertragseinbußen gerechnet werden.

Auch Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben litten unter Wassermangel. In einzelnen Regionen bestehe aber noch Hoffnung auf eine Erholung, falls ausreichend Regen falle.

Zusätzlich zu den Wetterproblemen stehen viele Höfe wirtschaftlich unter Druck. Hohe Ausgaben für Dünger und Energie treffen auf niedrige Erzeugerpreise. Dadurch werde die Differenz zwischen Kosten und Erlösen für zahlreiche Betriebe immer belastender.

Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen

Felßner machte deutlich, dass sich die Landwirtschaft an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen wolle und auch anpassen werde. Dafür brauche es jedoch verlässliche und bessere politische Voraussetzungen.

Er forderte unter anderem eine bereits angekündigte Risikorücklage, mit der wirtschaftliche Schäden durch extreme Wetterlagen abgefedert werden könnten. Außerdem sprach er sich für eine Steuerbefreiung von Biokraftstoffen aus, um die Kosten in den Betrieben zu senken.

Darüber hinaus verlangte der Bauernpräsident mehr Offenheit für Innovationen, stärkere Maßnahmen zur Klimaanpassung und einen spürbaren Abbau bürokratischer Hürden. Nur mit den richtigen politischen Entscheidungen könne die Landwirtschaft auch künftig hochwertige Lebensmittel, erneuerbare Energie sowie regionale Rohstoffe zuverlässig bereitstellen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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