Anklage gegen Christian Haub in Köln
Die Staatsanwaltschaft Köln hat Anklage gegen den Tengelmann-Chef Christian Haub erhoben. Der Vorgang steht im Zusammenhang mit dem Verschwinden seines Bruders Karl-Erivan Haub in den Schweizer Alpen. Ein Sprecher des Landgerichts Köln bestätigte der Deutschen Presse-Agentur den Eingang der Anklageschrift vom 13. April, nannte den Beschuldigten aber nicht beim Namen. Zuvor hatte das Manager Magazin berichtet.
Christian Haub wird vorgeworfen, 2021 im Verschollenheitsverfahren um seinen Bruder, den früheren Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, eine falsche Versicherung an Eides statt abgegeben zu haben.
Nach dem Verschwinden seines Bruders übernahm Christian Haub die alleinige Geschäftsführung des milliardenschweren Handelskonzerns Tengelmann. Zur Gruppe gehören unter anderem der Textildiscounter Kik und die Baumarktkette Obi.
Was der Anwalt sagt
Mark Binz, der Anwalt von Christian Haub, bestätigte den Eingang der Anklageschrift. Er erwartet, dass das Landgericht die Anklage nicht zur Hauptverhandlung zulassen wird.
Nach Darstellung des Manager Magazins drehen sich die Vorwürfe um Aufnahmen von Überwachungskameras, die Karl-Erivan Haub nach seinem mutmaßlichen Skiunfall in Moskau zeigen sollen. Binz erklärte, der Vorwurf beschränke sich darauf, dass Christian Haub ein Foto nicht erwähnt habe, auf dem er selbst seinen Bruder Wochen zuvor nicht erkannt habe. Für das Bild gebe es zudem keine Metadaten. Laut einem Behördengutachten liege die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung mit dem Gesicht des Verschollenen nur bei 50 Prozent. Das Foto sei deshalb wertlos, so der Anwalt.
Anwalt legt Beschwerde ein
Nach Angaben von Binz fehlt seinem Mandanten jedes Motiv, etwas zu verschweigen. Er verweist darauf, dass Christian Haub die Versicherung an Eides statt freiwillig und ohne Aufforderung abgegeben habe.
Binz hat nach eigenen Angaben bereits im März Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den leitenden Ermittler, Oberstaatsanwalt Tim Engel, eingereicht. Er begründet das mit angeblich einseitigen Ermittlungen.
Die Staatsanwaltschaft teilte dazu mit, die Beschwerde werde geprüft. Anlass für vorläufige Maßnahmen habe es jedoch nicht gegeben. Außerdem habe sie keinen Einfluss auf den zeitlichen Ablauf des Verfahrens. Die vom Verteidiger offenbar aufgestellte Behauptung, der Ermittler habe „noch schnell Anklage erhoben – aus Trotz?“, sei völlig abwegig und geradezu abenteuerlich, erklärte ein Sprecher.
Eine Tengelmann-Sprecherin erklärte: „Das ist eine private Angelegenheit von Herrn Haub, daher nehmen wir unternehmensseitig keine Stellung.“
Die Staatsanwaltschaft hatte bereits 2024 wegen eines Anfangsverdachts Ermittlungen eingeleitet. In der Strafanzeige war unter anderem geltend gemacht worden, Christian Haub habe entgegen seinen damaligen Angaben belastbare Hinweise darauf gehabt, dass sein Bruder noch leben könnte.
Karl-Erivan Haub wurde 2021 für tot erklärt
Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, war im April 2018 in Zermatt allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie geht davon aus, dass der damals 58-Jährige am Klein Matterhorn tödlich verunglückte. Das Amtsgericht Köln erklärte ihn 2021 für tot.
Trotzdem kursieren seitdem immer wieder Medienberichte, die Zweifel an seinem Tod nähren. Das Gericht hielt diese Hinweise jedoch nicht für ausreichend belegt.
Im laufenden Zwischenverfahren prüft das Gericht nun, ob ein hinreichender Tatverdacht besteht und die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. Erst danach könnte ein Hauptverfahren eröffnet werden. Einen Zeitrahmen für die Entscheidung nannte der Gerichtssprecher bislang nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion