Bayern

Wohnungs-Hammer in München: Büros werden zu Wohnungen

Wohnungsnot in München, leere Büros überall – jetzt kommt der Plan, der beides auf einen Schlag lösen soll.

15.07.2026, 12:52 Uhr

München will mehr Wohnraum in ehemaligen Büros schaffen

In München sollen ungenutzte Büroflächen künftig verstärkt in Wohnungen umgewandelt werden. Der Planungsausschuss des Stadtrats hat dafür einstimmig die Einrichtung einer speziellen Umbauagentur beschlossen, wie das Planungsreferat mitteilte. Endgültig muss nun noch das Plenum des Stadtrats zustimmen. Für die neue Agentur sind zwölf Stellen vorgesehen.

Mit dem Vorhaben setzt Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) ein zentrales Wahlkampfversprechen um. Aus seiner Sicht steckt in leerstehenden Gewerbeimmobilien erhebliches Potenzial, um dringend benötigten Wohnraum in der bayerischen Landeshauptstadt zu schaffen.

Ein Pilotprojekt hat der Stadtrat bereits im Februar auf den Weg gebracht: In den Ten Towers im Münchner Osten soll ein früheres Bürogebäude zu Wohnungen für Auszubildende und Studierende umgebaut werden.

Rund 1,8 Millionen Quadratmeter Büroflächen stehen leer

Nach Angaben von Krause stehen in München derzeit rund 1,8 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. Angesichts explodierender Mieten und knappen Wohnraums könne sich die Stadt diesen Leerstand nicht länger leisten. München zählt bei den Mieten zu den teuersten Städten Deutschlands, die Wohnungsnot gilt in der weiter wachsenden Stadt als eines der drängendsten politischen Probleme.

Krause betonte zugleich, dass die neue Umbauagentur die Lage auf dem Mietmarkt nicht allein entspannen werde. Sie sei aber ein wichtiger Baustein, auf den weitere Maßnahmen folgen müssten.

Ähnliche Modelle gibt es bereits anderswo

Ganz neu ist der Ansatz laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) nicht. Kommunale Strategien zur Umnutzung von Gewerbeimmobilien seien grundsätzlich bekannt, auch Frankfurt am Main verfolge einen ähnlichen Weg.

Systematische Erhebungen dazu gebe es zwar nicht. Aus der kommunalen Praxis zeige sich aber, dass zentrale Beratungsangebote und eine enge Begleitung von Eigentümerinnen und Eigentümern helfen können, Umnutzungspotenziale besser auszuschöpfen. Vor allem gebündelte Beratung und Unterstützung bei Genehmigungsverfahren könnten bestehende Gebäude schneller für Wohnzwecke nutzbar machen.

Bundesweit werden jedes Jahr Hunderttausende Wohnungen gebraucht

Wie groß der Bedarf an neuen Wohnungen ist, zeigt laut BBSR eine weitere Zahl: Bis 2030 werden bundesweit pro Jahr rund 320.000 neue Wohnungen benötigt. Etwa ein Fünftel dieses Bedarfs entfällt demnach allein auf die sieben größten deutschen Städte, in denen die Wohnungsmärkte besonders angespannt sind.

Der Bund unterstützt entsprechende Projekte nach Angaben des BBSR mit dem Programm „Gewerbe zu Wohnen“. Vorgesehen sind Zuschüsse von bis zu 30.000 Euro je neu entstehender Wohnung.

Zugleich gilt die Umnutzung von Gewerbeflächen nur als ein Teil der Lösung. Die Wohnungsfrage lasse sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme lösen, vielmehr müssten unterschiedliche Potenziale für mehr bezahlbaren Wohnraum konsequent genutzt und die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau insgesamt verbessert werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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