Tarifrunde in Bayerns Metall- und Elektroindustrie ohne Arbeitgeberangebot gestartet
In Bayern haben die Tarifverhandlungen für mehr als 800.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie begonnen. Vertreter der IG Metall und der Arbeitgeber kamen in München zur ersten Gesprächsrunde zusammen. Ein konkretes Angebot der Arbeitgeber lag zum Auftakt jedoch noch nicht vor.
Wichtigstes Ergebnis des ersten Treffens war die Vereinbarung eines Folgetermins: Die zweite Verhandlungsrunde soll am 27. Oktober in Coburg stattfinden. Der Arbeitgeberverband vbm sprach nach dem Auftakt von einem positiven Austausch. IG-Metall-Landesbezirksleiter Horst Ott betonte zugleich die besondere Verantwortung beider Seiten.
Schon vor dem Gespräch hatte die Gewerkschaft mit einer Kundgebung vor dem Verhandlungsort im Hotel Bayerischer Hof Druck gemacht. Viele Teilnehmer trugen rote IG-Metall-Kleidung.
Mit einem Abschluss schon in der ersten Runde hatte ohnehin kaum jemand gerechnet. Stattdessen deutet vieles auf schwierige und längere Verhandlungen hin. Hintergrund ist die angespannte wirtschaftliche Lage in wichtigen Industriezweigen, vor allem in der Autoindustrie. Zugleich gibt es auch Bereiche, die gut bis sehr gut laufen, etwa Rüstung und Luftfahrt. Dort arbeiten allerdings deutlich weniger Menschen als in der Autoindustrie oder im Maschinenbau.
Die IG Metall fordert für die Beschäftigten ein Einkommensplus von fünf Prozent. Für Auszubildende verlangt sie 110 Euro mehr im Monat. Der neue Tarifvertrag soll nach Vorstellung der Gewerkschaft eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Angesichts der anhaltend schwachen Lage in Teilen der Branche ist diese Forderung niedriger als in früheren Tarifrunden.
Gegenwind bei allen Forderungen der IG Metall
Zusätzlich drängt die Gewerkschaft auf eine tariflich geregelte Gewinnbeteiligung für Belegschaften in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen. Genau dieser Punkt stößt bei den Arbeitgebern auf strikte Ablehnung. Nach Darstellung von Horst Ott gab es für sämtliche Forderungen der IG Metall Widerstand von Arbeitgeberseite.
Auch insgesamt halten die Arbeitgeber die Forderungen für zu weitgehend. Verhandlungsführer Thomas Kaeser machte deutlich, dass aus ihrer Sicht vor allem mehr Wettbewerbsfähigkeit und geringere Kosten nötig seien. Die Gewerkschaft weist diese Kritik zurück und hält ihre Forderungen weiterhin für angemessen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber