Der Reisekonzern Tui sieht sein Sommergeschäft wegen des Kriegs im Iran weiter von Unsicherheit geprägt. Viele Menschen entscheiden sich demnach später als sonst für ihren Urlaub. Die Nachfrage verlagert sich dabei deutlich in Richtung westliches Mittelmeer, während Ziele im Osten der Region schwächer gebucht werden.
Nach Angaben des Unternehmens aus Hannover hat knapp die Hälfte der Verbraucher, die in diesem Sommer verreisen wollen, bislang noch nicht fest gebucht. Zugleich zählt Tui für die Sommersaison derzeit deutlich weniger Gäste als vor einem Jahr. Der Konzern setzt deshalb auf ein starkes Last-Minute-Geschäft.
Besonders gefragt dürften Spanien mit den Balearen und Kanaren sowie Griechenland sein. Dort rechnet Tui auch weiterhin nicht mit sinkenden Preisen. In schwächer nachgefragten Ländern wie Ägypten, der Türkei und Zypern will der Konzern dagegen mit Angeboten gegensteuern. Das dürfte die Margen drücken, soll Kunden aber attraktivere Preise bieten.
Reiselust bleibt trotz Krisen stabil
Nach Einschätzung von Tui ist die generelle Reiselust der Menschen trotz der geopolitischen Spannungen weiter stabil. Marktanalysen zeigten, dass ähnlich viele Verbraucher verreisen wollen wie im Vorjahr. Befürchtungen, dass deutlich mehr Urlauber stattdessen mit dem Auto an Nord- oder Ostsee fahren könnten, hätten sich bislang nicht bestätigt.
Im westlichen Mittelmeer beobachtet Tui nach eigenen Angaben eine normale bis gute Nachfrageentwicklung, im östlichen Mittelmeer dagegen nicht. Für den Sommer liegt der bislang gebuchte Umsatz aktuell rund sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch die Zahl der gebuchten Urlauber liegt in ähnlicher Größenordnung darunter. Die durchschnittlichen Reisepreise bewegen sich bislang etwa auf dem Niveau des vergangenen Sommers.
Bei den eigenen Hotels und im Kreuzfahrtgeschäft rechnet Tui weiterhin mit höheren Durchschnittspreisen. Im Winterhalbjahr reisten insgesamt 12,8 Millionen Gäste mit dem Konzern und damit etwas mehr als ein Jahr zuvor.
Krieg im Iran und Hurrikan "Melissa" belasten Ergebnis
Vor diesem Hintergrund hält Tui an der bereits im April gesenkten Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 fest, das am 30. September endet. Eine konkrete Umsatzprognose gibt es weiter nicht. Beim um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) erwartet der Konzern unverändert 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro. Damit soll möglichst das Vorjahresniveau von 1,4 Milliarden Euro erreicht werden. Das ursprünglich angepeilte Plus von 7 bis 10 Prozent hatte Tui bereits zuvor aufgegeben.
Im ersten Halbjahr bis Ende März lag der Umsatz mit 8,56 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahreswert. Der für diese Jahreszeit übliche bereinigte operative Verlust sank trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg und den Hurrikan "Melissa" auf Jamaika um gut ein Viertel auf rund 116 Millionen Euro.
Allein die Krise im Nahen Osten belastete das Ergebnis mit rund 40 Millionen Euro. Hinzu kamen etwa 5 Millionen Euro durch den Hurrikan. Nach Unternehmensangaben trugen dazu auch zwei Kreuzfahrtschiffe bei, die wochenlang im Persischen Golf festsaßen. Außerdem musste Tui mit erheblichem Aufwand Urlauber aus der Region zurückholen.
Höhere Kerosinkosten könnten Flugtickets verteuern
Der Krieg wirkt sich inzwischen auch auf die Kosten im Luftverkehr aus. Einen Engpass bei Kerosin erwartet Tui nach eigenen Angaben zwar nicht, weil ein großer Teil bereits abgesichert ist. Mittelfristig könnten Airlines ihre Ticketpreise wegen höherer Treibstoffkosten aber dennoch anheben. Tui rechnet dabei eher mit Preissteigerungen von zwei bis drei Prozent als mit deutlich stärkeren Sprüngen.
Trotz der Unsicherheiten zeigt sich Konzernchef Sebastian Ebel mit Blick auf das zweite Geschäftshalbjahr zuversichtlich. Ohne die Belastungen durch den Iran-Krieg wäre das zweite Quartal aus seiner Sicht noch deutlich besser ausgefallen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion