Neun Festnahmen bei Berliner Großeinsatz gegen mutmaßliche Schutzgeld-Erpresser
Mit einer großangelegten Razzia ist die Berliner Polizei seit den frühen Morgenstunden gegen organisierte Kriminalität, illegalen Waffenhandel und eine mutmaßliche Bande von Schutzgeld-Erpressern vorgegangen. In mehreren Stadtteilen, darunter Neukölln und Kreuzberg, wurden Wohnungen und andere Räume durchsucht.
Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei wurden neun verdächtige Männer im Alter von 23 bis 63 Jahren festgenommen. Gegen fünf von ihnen lagen Haftbefehle vor. Die Beschuldigten sollen einem Richter vorgeführt werden. Im Raum steht unter anderem der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung.
An dem Einsatz waren rund 570 Polizistinnen und Polizisten beteiligt. Durchsucht wurden 28 Objekte. Neben Berliner Polizeikräften waren auch Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus Berlin und anderen Bundesländern sowie die GSG 9 der Bundespolizei im Einsatz. Zudem unterstützten Kräfte aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten, Hundeführer, Finanzermittler und Spezialisten für digitale Beweissicherung.
Die Polizei stellte bei dem Einsatz Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe, Schusswaffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Autos sowie Datenträger und Handys sicher.
Ermittler sehen Zusammenhang mit Schüssen auf Geschäfte und Menschen
Nach Einschätzung der Ermittler soll die Gruppierung für zahlreiche Erpressungsfälle verantwortlich sein, bei denen in der vergangenen Zeit auch Schüsse abgegeben wurden. Seit mehr als einem Jahr schießen in Berlin meist unbekannte Täter auf Geschäfte, Restaurants und teils auch auf Menschen.
Viele dieser Taten ordnet die Polizei der organisierten Kriminalität zu. Dabei geht es nach bisherigen Erkenntnissen häufig um Erpressungen von Geschäftsleuten, Revierkämpfe und andere Auseinandersetzungen. Besonders betroffen waren demnach türkische und kurdische Ladeninhaber sowie Restaurantbesitzer. Täter schossen auf Schaufenster und Fassaden, in einigen Fällen wurden Männer in die Beine geschossen – im kriminellen Milieu gilt das als Warnsignal, wenn Forderungen nicht erfüllt werden.
Innensenatorin: Einsatz monatelang vorbereitet
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) erklärte, die eigens gegen organisierte Kriminalität und illegalen Waffenhandel aufgebaute LKA-Ermittlungseinheit „Ferrum“ („Eisen“) habe den Einsatz über Monate mit hoher Intensität vorbereitet und vorangetrieben. Der Ermittlungsdruck zur Bekämpfung von Schusswaffenkriminalität bleibe bestehen.
„Wer mit Waffen unsere Straßen unsicher macht, bekommt die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren“, sagte Spranger.
Auch Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) kündigte an, kriminelle Strukturen weiter gezielt zu bekämpfen. Die Staatsanwaltschaft hatte dafür ebenfalls eine spezielle Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch für „Angriffswaffe“) eingerichtet.
Polizeipräsidentin: Wichtiger Tag für die Strafverfolgung
Polizeipräsidentin Barbara Slowik sprach von einem wichtigen Tag für die Strafverfolgung. Die Behörden setzten alles daran, die Täterstrukturen aufzudecken und strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Gegen solche Strukturen werde man auch künftig konsequent vorgehen.
GdP fordert mehr technische und rechtliche Befugnisse
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) betonte, die Polizei arbeite intensiv daran, die Welle von Schießereien auf Berlins Straßen einzudämmen und gegen kriminelle Netzwerke vorzugehen. Zugleich fordert die GdP zusätzliche rechtliche und technische Möglichkeiten, um Handys von Verdächtigen effektiv abzuhören, Daten zu speichern und mit moderner Software auszuwerten.
Die Entwicklung bei der Waffenkriminalität unterstreicht aus Sicht der Behörden den Handlungsdruck: 2025 registrierte die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch. In etwas mehr als der Hälfte der Fälle blieb es bei Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen. Insgesamt lag die Zahl der Straftaten, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde, damit 68 Prozent über dem Vorjahreswert von 2024.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion