Wirtschaft

Insider: Neuer Job-Kahlschlag bei VWs Softwaretochter?

VWs Softwaretochter Cariad streicht wohl 1.000 Jobs – fast jeder Vierte betroffen. Warum der harte Sparkurs jetzt eskaliert.

01.10.2026, 04:00 Uhr

Cariad plant laut Betriebsrat Abbau von rund 1.000 Stellen

Bei der VW-Softwaretochter Cariad zeichnet sich ein deutlicher Personalabbau ab. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen sollen rund 1.000 Stellen wegfallen. Damit wäre knapp ein Viertel der zuletzt noch etwa 4.300 Beschäftigten betroffen. Zuvor hatte bereits das Handelsblatt über die Pläne berichtet.

Noch ist offen, bis wann und in welcher Form der Stellenabbau umgesetzt werden soll. Dazu sollen nun Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern geführt werden. Ein Sprecher von Cariad wollte sich dazu zunächst nicht äußern.

Der Betriebsrat bestätigte auf Anfrage, dass der Vorstand die Belegschaft am Mittwoch über den geplanten Jobabbau informiert hat. Zugleich habe das Unternehmen die zentralen Tarifverträge mit der IG Metall gekündigt. Betriebsratschef Gerhard Retzer kritisierte das Vorgehen scharf und erklärte, Stellenabbau und Tarifkündigungen seien kein tragfähiges Zukunftskonzept.

Bericht: Investitionen sollen sinken

Nach Angaben des Handelsblatts hält das Unternehmen den Abbau für nötig, um im Wettbewerb mit externen Softwareanbietern bestehen zu können. Dem Bericht zufolge soll Cariad seine Investitionen in den Jahren 2027 bis 2031 um rund 6,1 Milliarden Euro verringern.

Zudem soll die Tochtergesellschaft zu Beginn des kommenden Jahrzehnts weitere 400 Millionen Euro zur Verbesserung des operativen Konzernergebnisses beitragen. Der Zukunftsplan des VW-Vorstands zielt insgesamt darauf ab, den Konzern bis 2030 profitabler zu machen. Vorgesehen sind dabei milliardenschwere Kürzungen bei Entwicklungsbudgets sowie der Abbau vieler Arbeitsplätze im Konzern.

Neuer Kurs nach Problemen bei Softwareprojekten

Cariad entwickelt Softwarelösungen für den gesamten VW-Konzern. Ursprünglich war geplant, große Teile dieser Software im eigenen Haus zu entwickeln. Nachdem es bei wichtigen Projekten Probleme gab und sich dadurch auch die Einführung einzelner Modelle verzögerte, tauschte Volkswagen 2023 die Führung der Tochter aus und änderte die Strategie.

Unter Konzernchef Oliver Blume setzt Volkswagen inzwischen stärker auf Kooperationen mit externen Partnern, etwa mit Xpeng in China und Rivian in den USA. Cariad konzentriert sich seither stärker auf eigene Schlüsseltechnologien, darunter Fahrdynamik-Software, Cloud-Anwendungen und Infotainment-Systeme.

Weitere Kürzungsrunde wäre nicht neu

Es wäre nicht der erste Stellenabbau bei Cariad. Bereits in den vergangenen Jahren wurden dort mehrfach Jobs gestrichen. Ende 2023 beschäftigte das Unternehmen noch rund 6.500 Menschen. Zuletzt lief der Abbau über sozialverträgliche Maßnahmen wie Abfindungen und Vorruhestandsprogramme.

Der Betriebsrat verweist darauf, dass die Beschäftigungssicherung bis Ende 2029 weiter gelte. Man werde jeden Angriff auf Arbeitsplätze und tarifliche Schutzrechte entschieden abwehren, erklärte Retzer. Cariad brauche aus seiner Sicht Innovationen, wettbewerbsfähige Produkte und Investitionen in Zukunftstechnologien statt weiterer Sparprogramme.

Retzer forderte vom Vorstand zudem eine belastbare Zukunftsstrategie. Die Belegschaft erwarte langfristige Perspektiven und Antworten auf die zentralen Probleme des Unternehmens. Der Betriebsrat stelle sich auf einen harten Konflikt ein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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